Franken - Buchtipps


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Geschenktipps Bücher aus Franken zu Weihnachten

Ihnen fehlt noch ein passendes Geschenk zu Weihnachten? Ein gutes Buch ist nie verkehrt. Hier finden Sie vielleicht das passende Buchgeschenk – oder eines, das Sie sich schenken lassen können.

Von: Julia Hofmann und Dirk Kruse

Stand: 16.12.2014

Buchtipps für Weihnachten 2014 mit den Buchtiteln: Überwiegend fabelhaft, Bin ich der Einzigste hier wo Deutsch kann, Die Möwe, Verschwunden | Bild: Rowohlt Verlag, Riva Verlag, Palm und Enke Verlag, Insel Verlag; Bild: BR-Studio Franken/Staudenmayer

Andreas Hock: Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann?

Andreas Hock, Journalist, Pressesprecher und Autor aus Nürnberg, macht sich ernsthaft Sorgen um die deutsche Sprache. Im Zeitalter mobiler Kommunikation übernehmen wir haufenweise Anglizismen, Abkürzungen und grammatikalische Verstümmelungen in unsere Alltagssprache - völlig kritiklos und ohne zu hinterfragen, ob das notwendig ist oder überhaupt Sinn macht, meint er. Provokant und humorvoll geschrieben, hält uns dieses Buch den Spiegel vor. Andreas Hock hat unglaubliche Beispiele gesammelt, macht aber auch konkrete Lösungsvorschläge. Sein engagierter Appell: Wir sind alle mitverantwortlich, denn Sprache muss sich verändern, darf aber nicht verkümmern! Das Buch ist der anregende Beweis, dass die deutsche Sprache viel Spaß machen kann.

Info & Bewertung

Wertung: 5 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Andreas Hock: Bin ich denn der Einzigste hier wo Deutsch kann? Über den Niedergang unserer Sprache, Sachbuch, München 2014, Riva Verlag, 192 Seiten, 14,99 Euro, ISBN-13: 978-3868834437

Hans Magnus Enzensberger: Verschwunden!

Der in Nürnberg und Gunzenhausen aufgewachsene Großschriftsteller Hans Magnus Enzensberger, dessen literarisches Werk so vielseitig ist wie kaum ein anderes, hat auch zu seinem 85. Geburtstag wieder für eine Überraschung gesorgt. Kein neuer Gedichtband, keine Essays, sondern ein kommentiertes Reisetagebuch mit dem Titel "Tumult" und eine entzückende kleine Erzählung für Kinder und Junggebliebene. "Verschwunden!" heißt diese Geschichte, in der Theresia die Sommerferien im Haus ihrer Großeltern verbringt und miterleben muss, wie dort auf einmal Haushaltsgegenstände spurlos verschwinden.

"Zwei Tage später war die Stehlampe neben dem Sofa weg. Jakob verlor die Beherrschung. 'Das geht zu weit', schrie er. 'In diesem Haus ist man ja seines Lebens nicht mehr sicher! Nicht genug, dass ihr meinen Korkenzieher und meinen Hut verschlampt. Jetzt fangt ihr auch noch an, die Wohnung auszuräumen!' Seine Frau kannte ihn gut genug, um ihm nicht direkt zu widersprechen. 'Ja', sagte Wally, 'das ist unangenehm, aber reg dich bitte nicht auf! Eine Lampe ist schließlich nur eine Lampe. Morgen soll Anna in die Stadt gehen und eine neue kaufen.' Wenn es dabei geblieben wäre, hätte Jakob sich vielleicht beruhigt. Als er jedoch an einem strahlenden Augusttag wie an jedem Sonntag das Morgenkonzert hören wollte, musste er feststellen, dass auch das Radio, ein teures Stück mit einem magischen Auge in einem Gehäuse aus geflammter Birke, über Nacht verschwunden war."

Zitat aus Hans Magnus Enzensbergers Erzählung 'Verschwunden!'

Verwirrung und Verstörung sind die Folgen dieses mysteriösen Verschwindens der Dinge. Wer dahinter Diebe, einen Streich oder Vergesslichkeit vermutet, geht fehl. Enzensberger greift zum Mittel der Phantastik. Die phantasieanregende Erzählung verrät viel über die Verwerfungen von Familienbanden. Das Ganze in einem wunderschön gestalteten Insel-Bändchen mit ebenso kongenialen wie surrealen Zeichnungen von Jonathan Penca, die der Geschichte eine ganz neue bildnerische Dimension geben. So geht moderne Buchillustration. Enzensberger ist in jeder Hinsicht für eine Überraschung gut.

Info & Bewertung

Wertung: 4 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Hans Magnus Enzensberger: Verschwunden!, mit Zeichnungen von Jonathan Penca, Erzählung, Berlin 2014, Insel Verlag (Insel-Bücherei Nr. 1398), 78 Seiten, 13,95 Euro, ISBN 978-3-458-19398-2

Ulrich Kulp: Die Möwe

Nicht so schön ausgestattet und auch nicht so brillant illustriert sind die 18 Kurzgeschichten des seit Jahrzehnten in Franken lebenden und schreibenden Journalisten Ulrich Kulp. Doch inhaltlich und stilistisch brauchen die Shortstories in dem Band "Die Möwe" den Vergleich mit Großmeister Enzensberger nicht zu scheuen. Auch Kulp greift gern zum Mittel des Phantastischen, wenn er etwa ein Pärchen bei einer Kreuzfahrt auf einer Arche Noah erwachen lässt, ein ziemlich morbides Lokal namens Henkersmahlzeit beschreibt, sich von einer Möwe zum Fliegen animieren lässt oder eine neue Trendsportart namens Sleepwalking erfindet, bei der in Hypnose Versetzte nachts schlafwandelnd sportlich tätig werden. Fast alle Geschichten erzählt aus der reiferen männlichen Perspektive und grundiert von einer heiteren Melancholie.

"Ich bin Melancholiker und Humor hilft manchmal diese Stimmung zu beseitigen. Aber ich steh dazu und finde es gerade interessant. In einer meiner Geschichten habe ich mal geschrieben, dass ich überhaupt gar nicht verstehen kann, wie jemand ohne Traurigkeit leben kann. Also mir gibt sie die Tiefe meiner Empfindungen und sie manchmal zu überwinden eine ungefähre Zuversicht."

Ulrich Kulp

Viele der Kurzgeschichten haben eine Pointe. Manche üben im Vorübergehen sanfte Kritik an den Zeitläuften. Einige erinnern entfernt an Kolumnen. Aber immer ist ihnen ein selbstironischer Humor zu eigen, wie etwa in der Geschichte "Viriles Klimakterium", in der sich ein Fünfzigjähriger mit Midlifecrisis den beginnenden körperlichen Verfall schönredet.

"Außerdem hatte ich hier auf der Insel vor dem großen Badezimmerspiegel meines Apartments entdeckt , dass man, wen man in der Dämmerung auf künstliches Licht verzichtete und nur dem ehrlichen Schimmer der Nordsee vertraute, der durch das Dachfenster ins Bad fiel, sich dann dem Spiegel in einem quasi spitz-stumpfen Winkel präsentierte, dabei leicht in den etwas schummerigen Teil des Bades zurückweichend wenig, ganz wenig nur die Luft in Höhe des unter sanften Wellen verborgenen Sixpacks einzog, um sie in den gewaltigen Brustkorb zu pumpen und dabei wie zufällig den Bizeps anspannte, dass man dann nichts sah als die volle Spannkraft der Natur."

Zitat aus Ulrich Kulps Geschichte 'Viriles Klimakterium'

Ulrich Kulp, der eine makellose schlanke Prosa verfasst, deren Schönheit sich erst so richtig beim lauten Lesen entfaltet, gelingt es sogar in den selten vorkommenden Schachtelsätzen den Spannungsbogen souverän zu halten.

Ein Geschichtenbuch mit Aha-Effekt für eilige Leser.

"Ich möchte nicht, dass irgendwo etwas abreißt und jemand mir flöten geht während der Geschichte. Ich möchte, dass er in diesen Bildern, die ich entwerfe, komplett mitschwimmt und bleibt und am Ende fast ein bisschen aufwacht. Hoffentlich froh. Manchmal vielleicht sogar auch ein bisschen klüger, das wäre wunderschön. Dass man sagt, ich habe sie gehört oder gelesen und es hat mir Spaß gemacht, es war keine vergeudete Zeit. das wäre schon viel."

Ulrich Kulp

Info & Bewertung

Wertung: 4 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Ulrich Kulp: Die Möwe. 18 sehr kurze Geschichten, mit Zeichnungen von Matthias Lehmann, Erzählungen, Erlangen 2014, Palm und Enke Verlag, 64 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 378-3-7896-1011-0

Fanny Wagner und Carolin Birk: Überwiegend fabelhaft

Ein frech-fröhlicher Frauenroman mit kriminalistischem Handlungsstrang: Nina, einer Frau "in den besten Jahren", gelingt ein Neustart in der Fränkischen Schweiz. In dem kleinen Dorf  hier ist sie glücklich mit ihrer Tochter, mit ihrem neuen Traummann und mit ihrem frisch gegründeten Modelabel. Recht eigensinnige Dorfbewohner halten die Firma und Nina auf Trab - bis plötzlich Teile der Kollektion als billige Kopien im Internet auftauchen. Den beiden Autorinnen, die eine Holländerin, die schon lange in der Fränkischen Schweiz lebt, die andere eine gebürtige Fränkin, die jetzt in Berlin wohnt, gelingt es mühelos, die fränkischen Befindlichkeiten flott und selbstkritisch in die Handlung einzubinden. Die beschriebenen Figuren und deren Ringen um Mut, Vertrauen und Liebe wachsen der Leserin sofort ans Herz. keine große Literatur, aber unterhaltsam, humorvoll und nah dran am "Alltagswahnsinn".

Info & Bewertung

Wertung: 3 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Fanny Wagner und Carolin Birk: Überwiegend fabelhaft, Roman, Reinbek 2014, Rowohlt Verlag, 304 Seiten, 9,99 Euro, ISBN-13: 978-3499268489


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