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Helmut Haberkamm Englische Grüß

Helmut Haberkamm war schon immer vom Englischen fasziniert. Nun hat er aus englischen Liedtexten und Schriftstücken fränkische Gedichte gemacht. 77 lyrische Neuschöpfungen finden sich in seinem neuen Buch "Englische Grüß".

Von: Tobias Föhrenbach

Stand: 19.07.2017

Buchcover "Englische Grüß" von Helmut Haberkamm | Bild: BR

Das Cover dieses Buchs fränkischer Dialektgedichte ist eine Kreuzung aus der britischen und der amerikanischen Nationalflagge. "Englische Grüß" steht dort geschrieben und fasst ganz gut zusammen, um was es Mundart-Autor Helmut Haberkamm hier geht.

"Das Buch ist über 10 bis 15 Jahre entstanden. Wenn mich ein Gedicht angesprochen hat, dann habe ich halt mal versucht da etwas Fränkisches dazu zu schreiben. Dann habe ich es weggelegt und irgendwann habe ich dann nur noch das Fränkische bearbeitet und gar nicht mehr das Original. Das war für mich nur das Sprungbrett. Ich habe nur den Originalautor und den Titel aufgeschrieben, dass ich ihm Reverenz erweise kann, indem ich ihn nenne. Ich wollte einen fränkischen Text schreiben, aber er wäre undenkbar, ohne das Original im Amerikanischen oder Englischen."

Helmut Haberkamm

Die englischsprachigen Vorlagengeber sind teils berühmte Lyriker unserer Zeit wie etwa Robert Frost oder William Stafford, aber auch Schriftsteller des 19. oder beginnenden 20. Jahrhunderts – darunter der irische Literaturnobelpreisträger William Butler Yeats, oder die bedeutende amerikanische Dichterin Emily Dickinson. Besonders viele lyrische Vorlagen stammen aber von Billy Collins, einem amerikanischen zeitgenössischen Autor.

"Billy Collins ist ein Lyriker, der jetzt ungefähr 70 Jahre alt sein dürfte. Der war in Amerika in den letzten 20 Jahren sehr populär. Was ich am Meisten an ihm liebe ist diese Mischung aus Humor, Understatement, Ironie auf der einen Seite und Ernsthaftigkeit und oft sogar traurige, melancholische Themen auf der anderen Seite."

Helmut Haberkamm

"Wirri diech mooln hobb wolln
Ausm Gedächdnis, sinn scho die erschdn
Strich nix Gscheid worn, ergendiwe
Hobbi die Gsichdsziech scheinds vergessn.

Wie dei Underlibbm läffd und schwingd
Wiesi na dei Oberlibbm driffd
Wie die Noosn gformd is und ööfälld
Hie zum Flachland vo dei Baggn bis zum Ohr.

Die Aung hamm an exodischn Datsch
A Diefn, an Glanz, a Strohln
Und dei Hoor mid ihrm Leichdn und Schimmern –
Des fälldmer nedd ei, des griechi nedd hie.
Obber des alles gehdmer nedd ausm Kopf

Wirrerdi widder steh siech dord am Bohnsteich
Die Gsichd vor mei Aung und mei Händ
Und jeder Zuuch so verdraud und so schee.
Bloß späder, wimmer derhamm woorn
Und du hasd mei Gegritzl und Gestrichl gsehng
Auf die Zeddl, hasdi aufgreechd und hasd gfroochd:
Wen hasdn doo widder gmoold? Wer solldn des sei?

Hobb, sooch, wie haßdn die Dussi?"

Aus 'Englische Grüß' von Helmut Haberkamm

"Ich finde schon sehr beachtlich, wie sich am ganz Unscheinbaren, an unscheinbaren Begegnungen und an unscheinbaren Gegenständen seine Phantasie entzündet und wie er es schafft, eine ganze Erlebniswelt und eine Empfindungswelt greifbar zu machen."

Elmar Tannert

Haberkamm – der fränkische Rilke

Elmar Tannert hat das Buch lektoriert. Zitiert wird Tannert im Buch zudem mit einem Vergleich, der vielleicht etwas zu wuchtig daherkommt: Haberkamm sei für ihn der fränkische Rilke.

Info und Bewertung

Wertung: 4 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

"Englische Grüß" von Helmut Haberkamm ist im Ars Vivendi Verlag erschienen. Das Buch umfasst 147 Seiten. Es kostet 16 Euro.

Man könnte diesem Vergleich vielleicht eher nachspüren, wenn sich im Buch auch die literarischen Vorlagen abgedruckt finden würden, von denen sich Haberkamm inspirieren ließ. Dann könnte man besser nachvollziehen, auf welch durchaus elegante und spielerische Art und Weise er es schafft, Rhythmus, Sprachpoesie und literarische Form der Vorlage aufzunehmen und zu einer eigenständigen, fränkisch- lyrischen Welt umzuformen.  Aber auch so lädt das Buch  zum Stöbern und Staunen ein, was der fränkische Wortschatz alles hergibt.

"Mich zieht es zum Englischen, schon immer. Vielleicht hat es damit zu tun, dass mein Ur-Ur-großvater nach Amerika ausgewandert ist und nach 15 Jahren wieder heim kam. Und ich denke, das hat damit zu tun, dass halt von früher, von meiner Kindheit her, mein Opa Amerika, das Englische immer so als das Non-Plus-Ultra eines Auswanderers mir nahegebracht hat. Und er kam zurück als Erfolgreicher, mit einem Goldklumpen. Und das war für mich immer so ein Faszinosum."

Helmut Haberkamm


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