Franken - Buchtipps


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Heike Eva Schmidt Moorseelen

Seit vier Jahren erst schreibt die gebürtige Bambergerin Heike Eva Schmidt Romane für Jugendliche. Doch das mit immer größerem Erfolg. Mit "Moorseelen" ist nun ihr vierter Roman erschienen.

Von: Dirk Kruse

Stand: 25.06.2013

Buchcover "Moorseelen" von Heike Eva Schmidt | Bild: Ueberreuter Verlag

Die sechszehnjährige Feline ist ein zorniges Mädchen, das sich von allen unverstanden fühlt. Dazu hat sie auch guten Grund. Sie trauert um ihre Mutter, die vor ein paar Monaten bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam und zofft sich täglich mit ihrem Vater, der schon bald eine wesentlich Jahre jüngere Freundin gefunden hat.

Als Papas "Neue" auch noch daheim einzieht und schwanger wird, brennt Feline durch und findet in einer coolen Hippiekommune eine neue Heimat. Dort leben und arbeiten junge Erwachsene, die der Konsumwelt entsagt haben, unter der Leitung des charismatischen Zeno, in den sich Feline verliebt.

Die in Bamberg geborene Autorin Heike Eva Schmidt kann sich in die Gefühlswelt ihrer Protagonistin nur zu gut hineinfühlen. Sie hat selbst ihre Mutter früh verloren und schrieb den Roman "Moorseelen" auch, um eine von deren Lebensweisheiten zu erzählen.

"Ich musste an meine Mutter denken, die mir einmal gesagt hat: 'Verlieb dich mit offenen Augen.' Das war so ein toller Satz, dass ich mir dachte, dies ist genau der Satz, der für dieses Buch stehen kann. Denn Feline verliebt sich ja, aber sie macht ihre Augen zu, obwohl sie schon früh merkt, dass Zeno – der junge Mann, in den sie sich verknallt – durchaus nicht immer der ist, den sie sich wünscht. Aber sie projiziert sehr viel auf ihn und lässt sich auf ihn ein, obwohl sie schon von Anfang an diese Kalt-Warm-Bäder von ihm bekommt, die sie nur leise hinterfragt. Eigentlich sagt ihr schon ihr Bauchgefühl, ganz vorsichtig zu sein. Aber sie will es auch einfach nicht sehen - und das wird ihr dann fast zu Verhängnis."

Autorin Heike Eva Schmidt

So ganz koscher geht es in der "Oase", wie die Hippiekommune genannt wird, nicht zu. Die gestrandeten jungen Erwachsenen, die sich für eine bessere Welt einsetzen wollen, müssen auf dem Landgut viel und hart arbeiten, bekommen wenig Essen und Schlaf, unterliegen einem feinen System aus Belohnung und Strafe und hängen an den Lippen Zenos, der guruhafte Züge entwickelt. Kritische Nachfragen sind nicht gestattet. Dass Feline in einer sektenartigen Gemeinschaft gelandet ist, aus der man nicht so einfach wieder aussteigen kann, will sie lange nicht wahrhaben. Doch dann macht sie beim heimlichen Schwimmen im Moorsee eine grausige Entdeckung. Eine Art Schlingpflanze hat sie berührt und ihr einen Schrecken versetzt.

"Das Wasser war trübe und ich konnte kaum zwanzig Zentimeter tief blicken. Doch mit einem Mal glaubte ich etwas zu sehen. Es war ein fächerförmiges Blatt, allerdings nicht dunkelgrün, sondern fast weiß. Merkwürdig, dachte ich, und während ich automatisch immer weiter Wasser trat, starrte ich aufs Wasser. Das Blatt hatte Finger. Es war auch keine Pflanze, sondern ein Hand. Und das, was ich zunächst für einen dicken Stängel gehalten hatte, war ein Arm."

Textzitat aus 'Moorseelen'

Info & Bewertung

Wertung: 4 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Heike Eva Schmidt: Moorseelen. Jugendroman, Berlin 2013, Ueberreuter Verlag, 350 Seiten, 12,95 Euro, ISBN 978-3-8000-5724-5

In langsam sich entfaltender, dann aber immer schneller steigender Spannung, ist Heike Eva Schmidt ein ebenso dramatischer wie nachdenklich machender Jugendroman über die Verführungskünste von Sekten gelungen. Keine moralinsaure Erzählung mit pädagogisch erhobenem Zeigefinger, sondern eine teilweise im flapsigen Jugendjargon erzählte Geschichte, die auf unterhaltsame Weise und ohne zwanghaftes Happy End sensibel macht für das Thema Beeinflussung. "Moorseelen" ist ein Roman, der sich eindrucksvoll in die zum Idealismus neigende Psyche von Jugendlichen einfühlt und sie ernst nimmt.

"Ich erinnere mich noch so haargenau an meine Jugendzeit, obwohl es doch schon eine Weile her ist. Die Jahre zwischen 13 und 18 sind bei mir noch unglaublich präsent. Wie man sich fühlt, was einen da alles umtreibt und wie tief diese Gefühle sind. Sowohl dieses Himmelhochjauchzend als auch dieses Leiden, so dass man glaubt, die Welt geht unter und es wird nie wieder gut. Und wie man dann lernt, dass es schon irgendwie wieder gut wird. Aber man verlernt dann auch diese Unbefangenheit. Aber diese ersten Erfahrungen sind immer die tiefsten und mir noch sehr präsent. Von daher fällt es mir relativ leicht, für Jugendliche und aus Sicht von Jugendlichen zu schreiben, weil ich sie einfach noch so gut verstehe."

Autorin Heike Eva Schmidt

Hintergrund: Heike Eva Schmidt

Heike Eva Schmidt wurde 1969 in Bamberg geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Scheßlitz und Bamberg, wo sie auch ein Studium der Schulpsychologie absolvierte. Danach arbeitete sie als Journalistin fürs Radio, Fernsehen und Zeitschriften, ehe Heike Eva Schmidt im Jahr 2000 ein Stipendium für die Drehbuchwerkstatt erhielt. Seitdem arbeitet sie als Drehbuchautorin, u. a. für die erfolgreiche Vorabend-Serie "Dahoam is Dahoam" des Bayerischen Fernsehens. Seit 2010 schreibt sie Geschichten für Heranwachsende. Nach dem Jugendkrimi "Schlehenherz", dem Coming-of-Age-Roman "Amerika liegt im Osten", für den sie mit dem "Harzburger Eselsohr" ausgezeichnet wurde, und dem in Bamberg spielenden Zeitreiseroman "Purpurmond" ist "Moorseelen" bereits Heike Eva Schmidts vierter Roman. Derzeit schreibt die Autorin an ihrem nächsten Buch, einem Fantasy-Roman mit dem Titel "Die gestohlene Zeit".


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