Franken - Buchtipps


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Tommie Goerz Auf dem Keller – Biergeschichten

Der Erlanger Autor Tommie Goerz ist bisher für seine sechs Krimis bekannt – Bierkrimis, wie der Verlag sie nannte. In seinem neuen Buch gibt es zwar keine Leichen, dafür aber umso mehr Bier und Geschichten rund um die fränkische Kellerkultur.

Von: Tilla Schnickmann

Stand: 19.07.2017

Buchcover "Auf dem Keller" | Bild: BR-Studio Franken/Christian Schiele

35 Geschichten rund ums Bier und die fränkische Kellerkultur hat der Erlanger Autor Tommie Goerz gesammelt und sein Werk den lokalen Wirten gewidmet.

"Ich gehe gerne auf einen Keller, aber ich bin jetzt nicht einer, der jedes Wochenende auf dem Keller oder im Wirtshaus sitzt."

Marius Kliesch alias Tommie Goerz

Den Eindruck eines Stammtischbruders will Tommie Goerz gar nicht erst entstehen lassen. Zwar hätten sich alle Geschichten, so oder ähnlich tatsächlich in fränkischen Biergärten ereignet, doch er betont, dass hierfür 40 Jahre genüssliche Kellererfahrung nötig waren.

Info und Bewertung

Wertung: 3 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

"Auf dem Keller" von Tommie Goerz ist im Ars Vivendi Verlag erschienen. Das Buch umfasst 219 Seiten. Es kostet 14 Euro.

Einige Geschichten wurden ihm aber auch von anderen zugetragen, etwa von Lesern seiner Bücher. Und deshalb schickt der Erlanger Autor auch den "Hans" vor. Der Hans ist die Hauptfigur, die alles erlebt – und nicht er selbst, Tommie Goerz. Doch halt: Hier wird es kompliziert, denn auch Goerz ist eine Kunstfigur, besser gesagt ein Pseudonym. Dahinter verbirgt sich der hochgewachsene, 63-jährige Werbefachmann Marius Kliesch.

"Das ist schon manchmal nicht schizo- sondern trizophren. Ich bin Marius Kliesch, der Erfinder von Tommie Goerz. Und dann noch als Hans auf der Bühne. Ich bin also drei Personen. Aber des schadet ja nix."

Marius Kliesch alias Tommie Goerz

Warum eigentlich "auf" dem Keller?

Marius Kliesch, alias Tommie Goerz, ist also "midm Hans unterwegs", in Franken, in den Wirthäusern und Bier-Oasen.  "Auf dem Keller", so lautet auch der Titel des Buches. Warum aber eigentlich "auf" dem Keller, nicht neben, vor oder beim Keller?

"Das wass i ned. Man fährt auf Bamberch nauf, auf Nürnberg nunder, auf Bayreuth nüber. Ist immer 'auf' in Franken. Sacht ma hald so, fertig."

Marius Kliesch alias Tommie Goerz

Auch egal, wenn der Hans erst einmal auf einem echten fränkischen Bierkeller ist, spielt die Präposition ohnehin keine Rolle mehr. Hauptsache der Keller passt.

"Der muss unter Bäumen sein, der muss am Hang liegen. Man sitzt im grüngelben Licht unter dichtem Laub von Kastanien oder Linden und schaut aus dem Schatten raus weit ins Land. Das ist der Bierkeller. Und natürlich, dass da immer irgendwo eine Tür ist, wo es in den Felsen rein geht, wo das Bier rauskommt."

Marius Kliesch alias Tommie Goerz

So soll er sein, Goerz schwärmt in seinem Buch von den vielen Kellern, den dortigen Biersorten, doch vor allem schreibt er über die Menschen, die der Hans dort bei einem kühlen Seidla antrifft. Allen voran über die fränkischen Gastwirte.

"Wenn´s euch ned gäb"

, heißt daher die Widmung des Buches. Der Wirt als Symbol fränkischer Freundlichkeit, die sich bei jedem Bierkellerbesuch in anderer Form offenbart.

"Auch hier, als dem Hans ein Wirt auf die Frage 'Wos hobbdern nu zeann Essen?' mit einer Gegenfrage geantwortet hatte: 'Kald oder warm?' Der Hans entschied sofort: 'Scho lieber warm.' Darauf der Wirt, furztrocken und wie selbstverständlich: 'Mir hamm blos nu kald.' Man weiß bei fränkischen Wirtsleuten halt nie, was man für eine Antwort bekommt."

Auszug aus 'Auf dem Keller' von Tommie Goerz

Und so kann auf die Frage vom Hans – "Wos könnersmern embfehln?" – die Antwort durchaus vielfältig ausfallen, etwa: "Der Rinderbrohdn müsserd wech. Und Brohdwöshd machen ah ned vill Ärbädd." Oder aber auch: "Niggs! Mir hamm blohs guhde Woar!"

Und als der Hans nach langer Wanderung endlich in die ersehnte Wirtschaft eintrat, passierte ihm Folgendes.

"Da ging am anderen Ende des Ganges hinten die Türe – die Tür ins Allerheiligste, die Gaststube – auf, eine Person, mit Sicherheit der Wirt, trat in den Rahmen, sah ihn kurz an und sagte: 'Zeann Essn hammer fei niggs.'"

Auszug aus 'Auf dem Keller' von Tommie Goerz

Übersetzungshilfe für Nicht-Franken

Peng! Wie unverschämt! Doch die Franken sind, so liest man bei Goerz, oft sehr eigen, aber fast immer liebenswert – man muss sie nur verstehen. Deshalb bietet er dem Leser Übersetzungshilfe.

"Dieses 'Zeann Essn hammer fei niggs.' ist, bei Licht betrachtet, Bedienung und Service in Reinkultur. Es ist zuvorkommend und zu hundert Prozent im Interesse des Gastes und macht dem Gast das Leben leicht."

Auszug aus 'Auf dem Keller' von Tommie Goerz

Der Wirt schütze seinen Gast nur vor falschen Erwartungen, oder gar vergeblichen Mühen, wie Tischauswählen, Hinsetzten, Jacke aufhängen. Durch seine Aussage ist gleich glasklar: Die Küche ist zu. Der Gast wird nicht enttäuscht.

Mit dem Schimpfen kennt sich der Franke aus

Genau um diese kulturellen Missverständnisse hangeln sich die vielen kleinen Geschichten und Anekdoten des Buches, darunter witzige, skurrile oder schräge. Alle aus dem Alltäglichen gegriffen, nicht verkopft, sondern schlicht, ungeschönt und ungeschminkt.

"Schändn, moddsn, mauln, si aufblohsen, belfern – wenn's ums Schimpfen geht, kennt der Franke viele unterschiedliche Vokabeln, die alle jeweils unterschiedliche Nuancen bedienen – so wie der Eskimo etliche Worte für Schnee haben soll. Weil der Schnee für den Eskimo eine besondere Rolle spielt. Wie das Moddsn beim Franken."

Auszug aus 'Auf dem Keller' von Tommie Goerz

Wer die Franken liebt, der liebt sie ehrlich, liebt sie trotz allem. Tommie Goerz beschreibt die Franken mit all ihren Macken und Kanten. Ein bisschen hilft ihm dabei am Ende dann doch auch das Bier.

"Man kann über manches hinweg trinken. Nein, es ist so, wie wenn man verliebt ist. Wenn man verliebt ist, dann nimmt man den Menschen gegenüber allem und jedem in Schutz. Der kann Grenzüberschreitungen machen, viel weiter als man es jedem anderen zugesteht, weil man ihn einfach mag. Und so ist es mit der Heimat wohl auch."

Marius Kliesch alias Tommie Goerz

Eine ehrliche Hymne auf die Kellerkultur, aber keine Lobhudelei. Werbung will der gelernte Werbefachmann mit seinem neuen Buch auf keinen Fall machen. Touristen und Fremde? Nein, "auf dem Keller", da bleibt er lieber unter seinesgleichen, unter Franken.

"Da muss keiner hin. Auch das Bemühen des Fremdenverkehrsverbandes, das ist alles viel zu billig, es muss alles bekannter und teurer werden. Ne, lasst das mal so wie es ist, das muss man nicht ändern."

Marius Kliesch alias Tommie Goerz

Und deshalb: Bitte dieses Buch nicht in falsche Hände geben.


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