Franken - Buchtipps


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Killen McNeill Am Schattenufer

2012 wurde der in Nordirland geborene Killen McNeill für eine Kurzgeschichte mit dem 1. Fränkischen Krimipreis ausgezeichnet. Nun erscheint vom dem Wahlfranken der Roman "Am Schattenufer".

Von: Corinna Mielke

Stand: 30.04.2013

Buchcover: Am Schattenufer | Bild: ars vivendi verlag; Foto: BR-Studio Franken

"Am Schattenufer" ist kein Krimi, sondern ein politischer Liebesroman zweier Nordiren - sie Katholikin, er Protestant - die in den 70er-Jahren als Studenten nach Franken kommen und sich hier in der Idylle des Steigerwaldes abseits der Nordirlandkonflikts lieben lernen.

"Es ist eine wahnsinnige Freiheit, wenn man lieben kann, wen man will und wenn da keine Steine auf dem Weg liegen. Das ist vielen Menschen nicht bewusst, aber das ist auf der Welt noch an sehr vielen Orten so."

Killen McNeill

Autor McNeill gibt dieses Statement zu seinem neuen Roman fast beiläufig. Den darin versteckten Anspruch an die Welt, an die Menschheit, überhört man fast. Frieden, Freiheit, persönliche Selbstbestimmung: Die eigene Herkunft gab dem in Nordirland geborenen Autor das beste Material an die Hand, die Liebesgeschichte zwischen John, dem Protestanten und Teresa der Katholikin glaubwürdig in Szene zu setzen. So wie Killen McNeill einst selber, kommen auch Teresa und John aus ihrem nordirischen Heimatstädtchen für ihr Deutschstudium eher zufällig nach Franken. Was zuhause nie möglich gewesen wäre, passiert hier: Sie treffen sich und verlieben sich in einander.

Am Schattenufer spielt hauptsächlich Anfang der 70er-Jahre, zu einer Zeit, in der in Nordirland die Auseinandersetzungen zwischen der katholischen und der protestantischen Bevölkerung in Bombenterror ausartete. Das ländliche Franken dagegen wurde von den Auswirkungen der 68er-Revolte gestreift. Jeans, lange Haare, Schüler, die ihre Lehrer duzten und gelegentliche Versuche, die Nazizeit zu thematisieren.

Killen McNeill, gerade ist der Nachwuchsautor 60 Jahre alt geworden, beschreibt das Zeitkolorit mit der interessierten Trockenheit des Ausländers. Es ist unterhaltsam, wenn John seine erste Wohnung inspiziert oder seine Kollegen beschreibt. Da spricht der Wahlfranke McNeill aus Erfahrung, er besuchte ja auch selbst die Kneipen des Liebespaares.

Aber dann wird sie einholen, was sie zuhause in Irland zurückgelassen haben. John und Teresa werden unterschiedlich damit umgehen. Killen McNeill jedenfalls zog mit 22 Jahren, 1975, ganz nach Franken, weil er hier andere Möglichkeiten für sich sah, als die vorgezeichneten Wege in seiner nordirischen Heimat. Seine Prägung als evangelischer Ire vergisst er nicht, schon weil er das Thema gelegentlich als Lehrer durchnehmen muss. In Franken fühlt sich McNeill inzwischen auch sprachlich geborgen, weil sein irisches Idiom ebenso wie das Fränkische am Rande der Hochsprache angesiedelt sei.

Info & Bewertung

Wertung: 5 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Killen McNeill: Am Schattenufer. Roman, 336 Seiten, Ars Vivendi Verlag, 18,90 Euro. ISBN 978-3-86913-193-1

Am Schattenufer ist toll zu lesen, ein gut ausbalancierter Roman, der sich nicht mit der Politik des Konflikts befasst, sondern mit seiner Idiotie. Die tragende Liebesgeschichte ist dankenswerterweise kein bisschen aufgesetzt,  genau so wie die stimmigen Dialoge. Wer Antennen hat, spürt den versteckten trockenen Humor heraus, den man den Iren in jeder Lebenslage zuschreibt. Und in einer Sache erfüllt Killen McNeill das Klischee des Iren sehr gut: Er ist sangeslustig. Nur Whisky trinkt er nicht, zumindest nicht in Franken. Hier bevorzugt er fränkischen Wein und "das gute fränkische Bier".

Stichwort: Killen McNeill

Killen McNeill wurde 1953 in Nordirland geboren - im kleinen Ort Kilrea dessen 1.200 Einwohner halb protestantisch, halb katholisch geprägt sind. Er studierte Germanistik und kam 1973 als Austauschstudent nach Erlangen. Seit 1976 arbeitet er als Englischlehrer an der Hauptschule Scheinfeld. Sein erster Roman "Trains & Boats & Planes" erscheint 2003 unter dem Titel "Damals in Irland" in deutscher Übersetzung. 2012 wurde McNeill mit dem 1. Fränkischen Krimipreis ausgezeichnet. Killen McNeill lebt mit seiner Frau in Unterlaimbach.


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