Wunsiedel Der Opfer gedenken, nicht der Täter
Auf dem Stadtfriedhof von Wunsiedel sind heute zwei Erinnerungstafeln für 30 jüdische KZ-Opfer eingeweiht worden. Damit sollte ein Kontrapunkt gegen die Neonazi-Aufmärsche gesetzt werden, die der Stadt noch immer drohen.
Auf dem Stadtfriedhof weihte die Bürgerinitiative "Wunsiedel ist bunt" an der Friedhofsmauer die Tafeln für die NS-Opfer ein - als Zeichen gegen das "Heldengedenken" der Rechtsextremen. Rund 350 Bürger nahmen an der Feierlichkeit teil. Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, sagte, vor dem Hintergrund der aktuellen Meldungen über Morde an Mitbürgern nur wegen ihrer Herkunft sei das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus umso wichtiger. Karl Rost von der Initiative "Wunsiedel ist bunt" sagte, angesichts der Aufmerksamkeit für das jüngst aufgelöste Grab des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß sei es ihm ein Anliegen gewesen, auch die Opfer dem Vergessen zu entreißen. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Sepp Dürr sagte dem BR, es sei deutlich geworden wie gefährlich der Rechtsextremismus in Deutschland immer noch ist und wie ungestört von Polizei, Staatsanwaltschaft und Politik er noch immer sein Unwesen treiben dürfe, umso wichtiger sei es, gegenzuhalten.
Die 30 jüdischen Frauen und Männer waren im April 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs bei einem sogenannten Todesmarsch vom KZ Buchenwald ins KZ Flossenbürg von den Nazis ermordet worden. Soldaten hatten geschwächte Häftlinge, die nicht mehr weiter konnten, sofort erschossen. Ihre Überreste wurden dort verscharrt und erst einige Monate später auf dem Friedhof beigesetzt. Die Erinnerungstafeln sind in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Flossenbürg und der Bayerischen Schlösserverwaltung erarbeitet worden.
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Überschattet wurde die Veranstaltung von einer Versammlung der rechtsextremen NPD mit rund 250 Teilnehmern nur wenige Kilometer vom Friedhof entfernt. Wunsiedel hatte eigentlich gehofft, endlich Ruhe zu haben, nachdem das Grab von Heß im Juli aufgelöst wurde. Der Hitler-Stellvertreter war in einer Nacht-und-Nebel-Aktion exhumiert worden. Der Verfassungsschutz war der Meinung, dass Wunsiedel ohne das Grab des Hitler-Stellvertreters langfristig keine Bedeutung für die rechtsextreme Szene mehr haben würde. Spontan formiert hatte sich eine unangemeldete Demonstration von 50 Linken, die lautstark ihr Mißfallen an dem Neonazi-Aufmarsch kundtaten.
Hintergrund
Am 15. April 1945 waren KZ-Häftlinge von den Nazis vom Konzentrationslager Buchenwald zum KZ Flossenbürg in der Oberpfalz getrieben worden. 30 von ihnen starben in Wunsiedel. Sie wurden zunächst notdürftig in einem Moor verscharrt. Nach Kriegsende veranlassten die Amerikaner ihre Exhumierung und wiesen die Bevölkerung an, die Leichen auf dem Friedhof zu beerdigen. Am 31. August 1945 fanden sie auf dem Wunsiedler Friedhof ihre letzte Ruhestätte.

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