Bayerischer Untermain Neue Hoffnung für Fluglärm-geplagte Anwohner
Seit am Flughafen Frankfurt die neue Landebahn in Betrieb ist, klagen Anwohner am bayerischen Untermain über mehr Fluglärm. Bei einem Infoabend in Schöllkrippen (Lkr. Aschaffenburg) gab es hoffnungsvolle Signale für die Bürger.
Es hatte schon etwas von einem Krisengipfel, was sich am Dienstagabend (07.02.12) in einem Schöllkrippener Stiftungshaus abspielte. Im Publikum saßen die lärmgeplagten Anwohner und Mitglieder der Kahlgrunder Bürgerinitiative "Ein Himmel ohne Höllenlärm" - und das Diskussionspodium war durchaus prominent besetzt: Der Aschaffenburger Landtags-Grüne Thomas Mütze war da, Martin Kessel aus dem Vorstand des Deutschen Fluglärmdienstes und mit Frank Cornelius wagte sich auch ein Vertreter des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport AG unter die verärgerten Bürger.
Fluglärm im Minutentakt
Das Thema "Fluglärm am Untermain" hat sich in den vergangenen Monaten regelrecht hochgeschaukelt. Seit vergangenem Jahr sind neue Anflugrouten von Ost nach West in Kraft und verlaufen seitdem wie eine Perlenschnur über dem Landkreis Aschaffenburg. Im Anflug auf Frankfurt gehen die Flugzeuge nun schon am Untermain in den Sinkflug. Seit im Oktober 2011 am Frankfurter Flughafen dann auch noch die vierte Landebahn in Betrieb genommen wurde, halten es viele Anwohner schlichtweg nicht mehr aus. "Dauernd kommt ein Flugzeug, auch nachts und das im Minutentakt", meinte eine entnervte Frau während der Versammlung. Ein Mann ergänzte: "Dieser Lärm geht einem durch und durch." Wegen der Auenwälder im Kahlgrund nehmen die Menschen hier den Lärm besonders war. Vor allem bei Alzenau und Schöllkrippen häufen sich die Beschwerden.
Andere Flugrouten möglich?
Aber nun gibt es Signale, die bei den Anwohnern für Hoffnung sorgen. Frank Cornelius von der Fraport AG bezeichnete zwar eine Ausweitung des Nachtflugverbots als "unrealistisch" und betonte vor allem die wirtschaftliche Bedeutung des Frankfurter Flughafens für die Region. Aber Cornelius schloss zumindest nicht aus, dass bei den Flugrouten noch nachgebessert werden könnte. Auch Martin Kessel vom Deutschen Fluglärmdienst machte den Bürgern Mut: "Je höher gerade der politische Druck aus der Region ist, desto schneller wird sich was bewegen." Die für Flugrouten zuständige Deutsche Flugsicherung im hessischen Langen sei eine Bundesbehörde, so Kessel. "Und wenn die Verantwortlichen dieser Bundesbehörde klar machen, dass sich etwas verändern muss, dann kann sich innerhalb weniger Monate etwas tun."
Politischer Druck nötig
Für den notwendigen politischen Druck will unter anderem der Aschaffenburger Thomas Mütze von den Landtags-Grünen sorgen. "Wir müssen erst mal dazu kommen, dass Bayern anerkennt: Dieses Lärmproblem ist auch ein bayerisches Problem", so Mütze. Eine Abstimmung im Wirtschaftsausschuss des Landtags fiel eher gegenteilig aus. Am 26. Januar hatte der Ausschuss mit der Stimmenmehrheit von CSU und FDP abgelehnt, Druck auf die hessische Regierung auszuüben, auch auf bayerischem Gebiet Messstellen zu errichten. Allerdings, so Mütze, habe ihm Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) nach der Ausschusssitzung zugesichert, sich bei der hessischen Landesregierung für die Menschen im Kahlgrund stark zu machen. Die wollen nun Taten sehen. Von Worte alleine nimmt die Lärmbelastung in der Region Aschaffenburg um kein Dezibel ab.

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