Edgar Prib erzielt das 1:0
Nach Frankenderby Fürth-Fan nimmt sich das Leben
Ein Fan der Spielvereinigung Greuther Fürth hat sich das Leben genommen. Der Verein wollte den Mann wegen eines Zwischenfalls beim letzten Frankenderby haftbar machen. Beide Fälle haben laut Staatsanwaltschaft aber nichts miteinander zu tun.
Der 26-jähriger Fußballfan soll im vergangenen Dezember beim Pokelderby der Greuther Fürther gegen den 1. FC Nürnberg bengalische Feuer gezündet und Leuchtkugeln aufs Spielfeld geworfen haben. Greuther Fürth hatte dafür eine Strafe vom Deutschen Fußballbund (DFB) über 10.000 Euro bekommen.
Ermittler: Keine Anhaltspunkte für Zusammenhang
Am 6. Februar kündigte der Fußballclub an, den 26-Jährigen für diese Strafe haften zu lassen. Der Fürther Fan sei aufgrund von Videoaufzeichnungen identifiziert worden. Am gleichen Tag beging der 26-Jährige Selbstmord. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gibt es aber keine Anhaltspunkte dafür, dass der Freitod etwas mit den polizeilichen Ermittlungen oder der Auseinandersetzung mit dem Verein zu tun hat.
Laufende Ermittlungen
Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk drückte die Spielvereinigung Greuther Fürth ihr Bedauern über den Unglücksfall aus. Die Anteilnahme des Vereins gelte der Familie und den Freunden des 26-Jährigen. Aufgrund der noch laufenden Ermittlungen wollte der Fußballverein darüber hinaus keine Stellungnahme abgeben.
Club wartet auf Strafe
Das 254. fränkische Fußballderby zwischen den Erzrivalen Fürth und Nürnberg im Dezember war von Randalen überschattet. Schon während des Spiels brannten im Fürther Block die Leuchtfeuer. Nach dem 1:0-Sieg der Fürther brannten dann bei etwa 100 Club-"Fans" die Sicherungen durch. Sie stürmten aus der Fankurve des 1. FC Nürnberg in den Stadioninnenraum, rannten in Richtung des Fanblocks der Gäste und warfen Gegenstände.
"Ich finde es beängstigend im deutschen Fußball, wenn Fans dieses Spiel dazu nutzen, so aufzutreten."
Mike Büskens, Trainer Spielvereinigung Greuther Fürth.
Beim Spiel am 21. Dezember besiegten die Greuther die Nürnberger mit 0:1. Edgar Prib erzielte in der 15. Minute das entscheidende Tor für den Zweitligisten. "Das ist einfach wunderbar, dieses Gefühl. So was erlebt man nicht jeden Tag", schwärmte der Torschütze. Auch Trainer Mike Büskens war begeistert von seinen Kleeblättern: "Ich bin sehr, sehr stolz auf die Leistung, die die Mannschaft abgeliefert hat." Wenig Grund zum feiern hatte dagegen Club-Coach Dieter Hecking: "Das ist enttäuschend für uns. Wir waren nicht zwingend genug. Jetzt müssen wir uns auf unser Ziel in der Bundesliga konzentrieren."
Über 100 Jahre Derby
Das Lokalderby 1. FCN gegen die SpVgg ist eines der traditionsreichsten der Bundesliga. Vor über hundert Jahren (1902) traten der Club und die Kleeblätter zum ersten Mal gegeneinander an. Nürnberg fuhr damals mit einem 15:0-Sieg nach Hause. Aber erst 1910 gelang es den Fürthern, den FCN zu schlagen. Das letzte Mal standen sich die beiden Mannschaften 2009 in der zweiten Bundesliga gegenüber. Damals trennten sie sich mit 1:1.
Einige Derby-Höhepunkte
1910
Vor 6.000 Zuschauern gelingt den Fürthern der erste Sieg gegen den 1. FC Nürnberg. Mit 2:1 schicken sie den Club nach Hause. Ein Befreiungsschlag für die Kleeblätter, die den Nürnbergern in Sachen Fußball jahrelang unterlegen waren.
1919
Im Kampf um den Titel "Bezirkssieger" der mittelfränkischen Gaumeisterschaften müssen der Club und Fürth zweimal gegeneinander antreten. In der zweiten Partie machen die Fürther Spieler ihrem Frust über - ihrer Ansicht nach - falsche Schiedsrichterentscheidungen Luft, indem sie in der 65. Minute einfach den Platz verlassen.
1929
Das 97. Derby wartet mit Höchstleistungen in Sachen Fouls auf. Schiedsrichter Bremser macht seinem Namen alle Ehre und pfeift 87 Mal zu Freistößen wegen Foulspiels. Außerdem sehen drei Spieler rot.
1942
Auch im Zweiten Weltkrieg treten die beiden fränkischen Teams gegeneinander an. Vor heimischer Kulisse schicken die Nürnberger ihre Fürther Konkurrenten mit einer 7:1-Klatsche nach Hause. 7.000 Zuschauer jubeln und leiden mit "ihren" Fußballern.
1956
Späte Genugtuung für die Spielvereinigung Greuther Fürth: Über zehn Jahre nach der 7:1-Schmach revanchieren sich die Kleeblätter bei den Fußballern aus der Noris. Sie blamieren den 1. FC Nürnberg im eigenen Stadion mit 2:7. 25.000 Fußballfans erleben mit, wie die Fürther am sechsten Spieltag der laufenden Saison den Sensationssieg feiern.
1973
Das 209. Derby hätte ein Fußballfest für die Fürther werden können – nach 61 Minuten steht es 4:2. Doch die Nürnberger Fans beschäftigen bereits vor dem Spiel Polizei, Trainer und Ordner. Sie drängen aufs Spielfeld und schießen Raketen ab. Nach dem fünften Feuerwerkskörper auf dem Spielfeld hat der Augsburger Schiedsrichter die Nase voll und bricht das Spiel ab. Das Spiel wird mit 2:0 für Fürth gewertet.
1987
Ein Freundschaftsspiel 1987 zwischen Nürnberg und Fürth entwickelt sich für die Kleeblätter zum Desaster. Der Club nimmt den damaligen Landesligisten auseinander und fährt einen 0:8-Sieg ein.
1998
Für die SpVgg Greuther Fürth beginnt mit dem 242. Derby eine Siegesserie. Im April 1998 gewinnen sie auswärts beim Club mit 0:1 – und verlieren nicht mehr bis August 2006. Von den acht Derbys in diesem Zeitraum gewinnen die Fürther drei – fünf gehen Unentschieden aus.
2004
Dass sich Nürnberger und Fürther Fans spinnefeind sind, ist bekannt. Die Antipathie der Fans erreicht im März 2004 einen Höhepunkt. Vor dem Derby im Ronhof stürmen bis zu 3.000 Club-Fans die Fürther Innenstadt. Die Polizei wird von den randalierenden Fans und ihrem "Marsch durch Fürth" vollkommen überrascht. Das anschließende Spiel geht 2:2 aus.
2009
Im Mai 2009 treffen Nürnberg und Fürth in der zweiten Bundesliga zum vorerst letzten Mal aufeinander. Die Club-Fans wollen den "Marsch durch Fürth" noch einmal wagen. Doch dieses Mal ist die Polizei vorgewarnt. Durch die massive Präsenz der Beamten bleiben die Fans (alle mit "Anti Fü"-T-Shirts ausgestattet) friedlich. Das Spiel endet einmal mehr unentschieden mit 1:1.

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