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ICE-Ausbau Bamberger füchten um Welterbetitel

Die Bahn plant riesige Lärmschutzwände quer durch Bamberg – womöglich steht deswegen der Welterbetitel der Stadt auf dem Spiel. Seit Monaten proben Bamberger Bürger den Aufstand: Sie wollen aktiv an den Planungen mitarbeiten.

Stand: 05.10.2012
3D-Simulation von Bamberg mit den Lärmschutzwänden der neuen ICE-Trasse | Bild: Stadt Bamberg

Die Pläne der Bahn zum Ausbau der ICE-Trasse durch die oberfränkische Stadt stoßen bei vielen Bürgern und Kommunalpolitikern auf heftige Kritik. Der Hauptgrund dafür sind die geplanten, hohen Lärmschutzwände. Diese sind aber gesetzlich vorgeschrieben, denn die Bahn plant, ICEs und Güterzüge mit bis zu 200 Stundenkilometern durch Bamberg fahren zu lassen.

Ausmaß der Mauer in 3D

Das Stadtplanungsamt hat Mitte des Jahres ganz Bamberg am Computer nachgebaut und die geplanten Lärmschutzwände in das dreidimensionale Modell eingefügt. In der Simulation wird das Ausmaß des Baus sichtbar: Zahlreiche Gebäude müssten für die ICE-Trasse abgerissen werden, für Teile Bambergs würde der Domberg hinter meterhohem Beton verschwinden.

Welterbe und Gleise liegen nah beieinander.

Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) fürchtet um den Welterbe-Titel seiner Stadt, denn die Bahntrasse läuft direkt an der Altstadt vorbei. Und dem Dresdner Elbtal wurde wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke auch schon der Welterbe-Status aberkannt.

"Die dreidimensionale Präsentation führt uns vor Augen, welch' dramatischen Konsequenzen die Planungen der Bahn für das Welterbe Bamberg hätten. [...] Wir verlangen von der Bahn jede Anstrengung, um das Welterbe zu schützen. [...] Ich will erreichen, dass die Bahn doch noch einen moderneren Lärmschutz findet als die hohen Mauern."

Andreas Starke, Oberbürgermeister von Bamberg

Bürger und Lokalpolitiker fürchten nun, dass ihre Stadt durch die Bahntrasse regelrecht zerschnitten wird. Aus diesem Grund hat Robert Bartsch die Initiative "Bahnsinn-Bamberg" ins Leben gerufen, die bereits zahlreiche Protestaktionen veranstaltet hat. Wie die Sache ausgeht, liegt seinen Worten zufolge allein an der Bahn.

"Noch besteht für die Bahn die Chance, sich gut darzustellen: Wenn sie bereit ist, mit uns und der Stadt moderne Maßnahmen zu ergreifen, dann müssen wir nicht böse werden. Aber der Bamberger wacht langsam auf und wird nervös."

Robert Bartsch, Mitbegründer von 'Bahnsinn-Bamberg'

Unterführung an der Geisfelder Straße

Bei solch markigen Worten werden unwillkürlich Erinnerungen an Stuttgart 21 wach. Aber die Initiative in Bamberg ist wesentlich früher dran als der schwäbische Wutbürger: Während diese erst protestierten, als schon die Bagger rollten, will sich Bamberg aktiv in die Planung der neuen Strecke einmischen. Bartsch rechnet damit, dass spätestens im Frühjahr 2013 das Planfeststellungsverfahren für die neue Trasse und damit für den Lärmschutz eingeleitet wird. Er und die Stadt wollen vorher Einfluss nehmen.

Verschiedene Interessen

In einem sind sich die Stadt, die Bürger und die Bahn einig: Sie haben mit widersprüchlichen Interessen zu kämpfen. Bamberg legt großen Wert darauf, dass auch in Zukunft ICEs in der Domstadt halten und die Anwohner der Bahntrasse haben einen berechtigten Anspruch auf wirkungsvollen Lärmschutz. Gleichzeitig soll aber das Stadtbild nicht durch meterhohe Lärmschutzwände zerstört werden.

Bahnsprecher: "Nicht alle Konflikte werden gelöst"

Laut Bahnsprecher Michael Baufeld sind die Lärmschutzmauern nur Teil einer Vorplanung. Der eigentliche Entwurf werde womöglich komplett anders aussehen. Vor dem Planfeststellungsverfahren werde die Bahn dann auch das Gespräch mit der Stadt suchen, denn dem Unternehmen sei an einem möglichst breiten Konsens gelegen. Dennoch stellte Baufeld klar, dass sicherlich nicht alle Konflikte gelöst werden könnten. Am Ende müsse die Genehmigungsbehörde (das Eisenbahnbundesamt) die unterschiedlichen Interessen gegeneinander abwägen, so der Bahnsprecher. Nach dem Planungsstand Ende 2012 ist mit dem Ausbau der ICE Strecke durch Bamberg nicht vor 2017 zu rechnen.


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13 Kommentare

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Lothar Schneider, Freitag, 05.Oktober, 12:29 Uhr

13. Keine Neubaustrecke durch Ortschaften

Wie kann es sein, dass eine Hochgeschwindigkeits Neubaustrecke direkt durch Städte und Dörfer geführt wird? Hier geht es um Investitionen in Milliarden Höhe. Die Strecke soll Nord- mit Südeuropa verbinden. Und dann soll es nicht möglich sein, einen Streckenverlauf zu finden, den man menschenwürdig nennen kann. Eisenbahnverkehr von Nord- nach Südeuropa hat auf die Zukunftsfähigkeit des Main- und Regnitztales keinen Einfluß. Die bestehende Bahntrasse plus die A73 sind schon heute viel zu viel Belastung. Mehr geht einfach nicht.

M.E.Brauer, Montag, 20.August, 01:04 Uhr

12. S21-Protest war von Anfang an da

Stimme Ralf Maier zu. Der Bürgerprotest gegen S21 war von Anfang an da, ist aber von den Medien verschwiegen worden (SWR- Staatsfunk und Südwest Medien Holding, zu der die meisten Zeitungen im Großraum Stuttgart.gehören). Ab ca. Ende 2010 hat man die Gegener sogar in die kriminelle Ecke gestellt.

Ralf Maier, Sonntag, 19.August, 16:37 Uhr

11. Bürgerengagement in Stuttgart

"Aber die Initiative in Bamberg ist wesentlich früher dran als der schwäbische Wutbürger: Während diese erst protestierten, als schon die Bagger rollten, will sich Bamberg aktiv in die Planung der neuen Strecke einmischen. " - Stimmt nicht! Bereits seitdem die Idee von Stuttgart 21 der Öffentlichkeit bekannt wurde, also seit den 90er Jahren, gibt es Bürgerprotest in Stuttgart und bereits seit dieser Zeit wurde der Protest von den am Projekt beteiligten Parteien öffentlich als "Spinnerei" diskreditiert. Im Unterschied zu Bamberg stehen die Rathausspitze und die "bürgerliche" Mehrheit gemeinsam mit der SPD für Stuttgart 21. Dass der bürgerliche Protest erst so spät wahrgenommen wurde, liegt weniger an mangelndem Engagement als mehr an dem Karrtell des Schweigens der Stuttgarter Medien, die erst über den Protest zu berichten begannen, als dieser Dimensionen angenommen hat, die sich nicht länger verschweigen ließen. Seither versucht die Presse in Stuttgart den Widerstand zu diskreditieren, die Beteiligten als radikalisierte Demokratiefeinde und Fortschrittsverweigerer darzustellen. Der Ton ändert sich erst seit der letzten Landtagswahl, und auch nur ganz behutsam...