Franken

Germanisches Nationalmuseum Dürer-Porträt kommt nicht nach Nürnberg

Zur Dürer-Ausstellung in Nürnberg wird nur eine Kopie von Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock" ausgestellt. Um die Ausleihe des über 500 Jahre alten Bilds, das in der Münchner Pinakothek hängt, hatte es hitzige Diskussionen gegeben.

Stand: 16.02.2012

Zur großen Dürer-Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg (GNM) wird das Dürer-Selbstbildnis nun doch nicht ausgestellt. Wochenlang erhitzte die Diskussion darüber die Gemüter. Die Chefrestauratoren des Germanischen Nationalmuseums und der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München hätten gemeinsam den schadhaften Zustand des Gemäldes festgestellt, teilte das Museum im Frühjahr mit. Gemeinsam stellten die Wissenschaftler fest, dass das Bild nicht transportfähig sei. Auch Ministerpräsident Seehofer und Wissenschaftsminister Heubisch fuhren extra in die Alte Pinakothek, um das Streitobjekt persönlich in Augenschein zu nehmen.

"Das Ergebnis ist so eindeutig, dass man es anders nicht verantworten könnte, und deshalb wird das Germanische Nationalmuseum diese Bitte zurückziehen."

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)

Damit stellten sich die Minister auf die Seite der Restauratoren. Diese hatten bemängelt, der Bildträger sei fragil und das Schadensbild der Malschicht weit fortgeschritten. Jede mechanische Belastung stelle ein nicht tragbares Risiko für das herausragende Werk dar, so die Mitteilung der Museen. Das Germanische Nationalmuseum werde daher mit großem Bedauern die Leihanfrage nicht weiter verfolgen, so das GNM.

"Jegliche mechanische Belastung, wie sie bei Transporten unvermeidlich ist, stellt ein aus fachlicher Sicht nicht tragbares Risiko für das herausragende Werk dar."

Germanisches Nationalmuseum

Gemälde nicht in Nürnberg beschädigt

Verschärft wurde der Streit um das Dürer-Bild von einer angeblichen Beschädigung des Bildnisses in Nürnberg 1971. Nach der Sitzung eines Hochschulausschusses hatte sich der Grünen-Fraktionschef Sepp Dürr abfällig über den Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Klaus Schrenk, geäußert. "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Wie soll ich so einer verlogenen Bagage noch was glauben", so Dürr. Hintergrund ist die Aussage Schrenks, wonach das Dürer-Gemälde von einer Ausleihe nach Nürnberg 1971 beschädigt zurückkam. Das stellte sich als falsch heraus. Wissenschaftsminister Heubisch stellte sich hinter Schrenk. Dürrs Wortwahl sei "infam" und "völlig unangemessen", rügte der Minister. Der Schwabacher CSU-Abgeordnete Karl Freller kritisierte Schrenk dafür, dass er Nürnberg beschuldigt hatte. Das "hätte nicht passieren dürfen", so Freller.

Beschädigungen aus den 1930er-Jahren

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Risse am Selbstbildnis Albrecht Dürers nicht von der Ausleihe nach Nürnberg in den 1970er-Jahren stammen, wie es von Generaldirektor Schrenk behauptet wurde. Die Rissbildungen seien bereits aus den 1930er-Jahren dokumentiert, teilte das Germanische Nationalmuseum mit. Nürnberg wollte das Dürer-Bild gerne bei seiner großen Ausstellung ab 24. Mai im Germanischen Nationalmuseum zeigen.

"Alle Beteiligten sind sich einig, dass der Erhalt des Bildes an erster Stelle stehen muss."

Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch

Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) begrüßte die Entscheidung. Der Zustand des Bildes lasse den Experten zufolge eine Ausleihe definitiv nicht zu. "Diese Expertise müssen wir akzeptieren", erklärte Heubisch im Hochschulausschuss des Landtags.

Warum Restauratoren vom Transport abraten

Leim löst sich

Die Lindenholzbretter, auf denen das Bild gemalt ist, sind mit speziellem Haut- oder Knochenleim verklebt. Der wird mit der Zeit spröde und klebt nicht mehr richtig. Dadurch könnte die Tafel auseinanderbrechen.

Risse in der Tafel

Das Gemälde weist mehrere Risse auf, die von Spannungen in der Holztafel stammen. Restauratoren schließen nicht aus, dass die Mal- und Grundierungsschicht abspringt.

Farbschicht löst sich ab

An mehreren Stellen hat sich bereits die Farbschicht geöst. Teilweise seien bereits einzelne Farbplättchen verloren gegangen.

Heftiger Streit um das Dürer-Bild

Um die Ausleihe des über 500 Jahre alten "Selbstbildnis im Peltzrock", das in der Alten Pinakothek in München hängt, hatte es hitzige Diskussionen gegeben. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und alle fünf Landtagsfraktionen hatten sich zunächst dafür ausgesprochen, das 49 auf 67 Zentimeter große Holztafelgemälde nach Nürnberg zu verleihen. Kunstexperten rügten, das Meisterwerk werde für politische Interessen missbraucht.

Restauratoren gegen Transport

In die Diskussion hatte sich dann auch noch der Verband der Restauratoren eingeschaltet und sich gegen einen Transport des Porträts ausgesprochen. Meisterwerke seien keine Trophäen für Ausstellungsmacher, mahnte der Verband der Restauratoren. Damit wandten sich die Restauratoren gegen die ihrer Ansicht nach unzulässige Einflussnahme durch Politiker. Trotz aller technischer Verbesserungen seien Leihgaben bei Verpackung und Transport immer klimatischen Veränderungen und Erschütterungen ausgesetzt. Dadurch werde zumindest die Alterung beschleunigt, auch wenn keine sichtbaren Schäden entstünden, so die Restauratoren. Daher sollte ganz auf Transporte verzichtet werden, so ihr Rat.

Generaldirektor empört sich über politischen Druck

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen hatte sich gegen die Einmischung des Landtags in die Dürer-Debatte gewehrt. Die Diskussion stelle "in beispielloser Weise die Kompetenz und die Autorität der in der Kultur verantwortlich Tätigen in Frage", empörte sich Generaldirektor Schrenk. "Jedes bedeutende Museum verfügt über einen Bestand kostbarster Kunstwerke, die untrennbar mit dem jeweiligen Haus verbunden werden und nicht für eine Ausleihe zur Verfügung stehen", verteidigte Generaldirektor Schrenk seine Haltung.

Das Selbstbildnis von Albrecht Dürer ist Teil der Wittelsbacher Sammlung in der Alten Pinakothek in München. Ende Januar hatte das Münchener Museum eine Ausleihe abgelehnt. Das Bild stehe auf einer Sperrliste, hieß es. Bereits in Vorgesprächen habe die Pinakothek eine Ausleihe ausgeschlossen. Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly hatte daraufhin einen Brief an Ministerpräsident Seehofer geschrieben, aber keine Antwort erhalten.

"Ich halte es für sehr angeraten, dass der Dürer nach Nürnberg kommt. Wir geben ihn auch wieder her."

Ulrich Maly, Oberbürgermeister Nürnberg

"Wir haben bereits in Vorgesprächen klar gemacht, dass das Selbstbildnis nicht zur Diskussion steht."

Martin Schawe, Alte Pinakothek

Alles da - außer "Selbstbildnis im Pelzrock"

"Selbstbildnis im Pelzrock" von Albrecht Dürer

Das Germanische Nationalmuseum (GNM) ist eines von acht deutschen Forschungsmuseen. Vor der Ausstellung "Der frühe Dürer", die vom 24. Mai bis zum 2. September zu sehen sein wird, haben die Nürnberger zahlreiche Werke des Künstlers noch einmal genau unter die Lupe genommen. Laut Generaldirektor Ulrich Großmann biete die Schau eine einmalige Möglichkeit, sich umfassend über die frühe Schaffensphase Dürers (1471-1528) zu informieren. 120 Originale des Künstlers hat das Museums aus dem In- und Ausland versammelt.

Mehr zur Dürer-Ausstellung

Weitere Infos über die Ausstellung "Der frühe Dürer" im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg vom 24. Mai bis 2. September 2012 auf der Internetseite

Abstimmung

Wo sollen die fränkischen Kulturschätze ausgestellt sein?

85,3 %

14,7 %

Diese Abstimmung ist keine repräsentative Umfrage. Das Ergebnis ist ein Stimmungsbild der Nutzerinnen und Nutzer von BR.de, die sich an der Abstimmung beteiligt haben.

Dürer-Gemälde ist keine "Beutekunst"

Tausende Kulturgüter aus Franken wurden um 1800 im Zuge der Säkularisation nach Altbayern gebracht. Dort liegen sie noch heute - und das stinkt vielen Franken und sie bezeichnen die Werke als "Beutekunst". Die zwei Dürer-Gemälde "Das Selbstbildnis im Pelzrock" und "Vier Apostel" in der Münchner Alten Pinakothek fallen jedoch nicht in die Kategorie "Beutekunst": Die Apostel wurden im Dreißigährigen Krieg verschenkt, um Nürnberg vor Schaden zu bewahren. Beim Selbstbildnis seien die Nürnberger einem Kunstdieb auf den Leim gegangen, berichtet Daniel Hess vom Nationalmuseum: Im späten 18. Jahrhundert habe nämlich der Nürnberger Maler Abraham Wolfgang Küffner das Originalbild ausgeliehen, um eine Kopie zu erstellen. Der Stadt gab er offenbar die Kopie zurück, das Original habe der dreiste Dürerfälscher nämlich 1805 in München für einige hundert Gulden verkauft.

43 Kommentare

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hajo, Freitag, 17.Februar, 18:24 Uhr

43. Äußerung vomZaboSiggi

Hallo ZaboSiggi
Du hast ja so recht mit Deiner Feststellung, dass Franken und die Opf. in diesem Baiern mit altbairischen Ministerpräsidenten unter gehen werden. Aber Du kannst was dagegen tun: unterstütze diejenigen Menschen, die sich für die fränkische Sache auch politisch einsetzen!

Hans-Heinrich Hartmann, Freitag, 17.Februar, 15:40 Uhr

42. Artikel "Dürer-Gemälde ist keine "Beutekunst""

Man sagt doch "Der Hehler ist genauso schlimm wie der Stehler".
Wenn Bayern das Bild von einem Dieb erworben hat, dann ist das Bild eben doch Beutekunst.

sabine welß, Donnerstag, 16.Februar, 13:57 Uhr

41. zu Nr.34 gemach,

Bei aller Gemütlichkeit, die die Franken bis jetzt bewiesen haben, man kann dabei auch einiges verschlafen.
In der Zwischenzeit gibt es die fränkischen Mundartdichter, die sich zusammengeschlossen haben, trotz der großen Unterschiede in den Mundarten.
Die Volksmusiker haben sich zusammengeschlossen. Immer mehr fränkische Erzeuger deklarieren ihre Erzeugnisse mit dem Frankenrechen. Eine Fränkin, ein Franke zieht solche Erzeugnisse mit dem Frankenrechen dem Rautenmuster natürlich vor. Wirtschaft und Kultur kommen sich in Franken deutlich näher.
Nicht nur fränkische Politiker setzen sich für Franken ein! Die Ungerechtigkeit schreit zum Himmel. Wer ehrlich und zeitnah ist, kanns nicht mehr mit ansehen.

Die Schwächen Frankens bauen sich ab. Es braucht aber den Einsatz der Franken und Fränkinen.
Vielleicht auch den Ihren Herr Drafel?

Einen fränkischen Gruß nach Nürnberg. Ich halte es für Schwäche, wenn das Nbger Museum einen Rückzieher macht, mir: zu gemach.......

Sabine Welß