Report München


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Terroristen oder Freiheitskämpfer? Deutschland, die Türkei und der Kurden-Konflikt

In Syrien sind Deutsche, die für die PKK-nahe Kurden-Miliz YPG gegen den IS gekämpft haben, gefallen. Für die deutsche Politik ist der Umgang mit diesen Kämpfern aufgrund der Nähe zur PKK schwierig.

Von: Charlott Friederich, Stefan Meining, Ahmet Senyurt

Stand: 11.04.2017

Zum ersten Mal spricht die Mutter einer gestorbenen Kämpferin in einem Fernsehinterview. Den Tod der Tochter hat die Mutter nie überwunden.

"Meine Tochter ist keine Terroristin. Nein, da sind andere Terroristen. Aber nicht mein Kind."

Michaela Hoffmann

Ivana Hoffmanns starb vor zwei Jahren in Syrien, mit gerade einmal 19 Jahren. Doch Ivana war keine Islamistin, im Gegenteil. Nach Syrien ging sie, um gegen islamistische Terrormilizen zu kämpfen.

"Die hat ja für die Menschlichkeit gekämpft, dass die Leute da in Ruhe leben können."

Michaela Hoffmann

Schon in Deutschland war Ivana überzeugte Kommunistin und Internationalistin. Einen kurdischen Hintergrund hatte sie nicht. Trotzdem entschloss die Duisburgerin 2014, sich als freiwillige Kämpferin der YPG anzuschließen. Die Kurden-Miliz YPG gilt als der militärische Arm der syrischen Kurdenpartei PYD und ist der schlagkräftigtste Verbündete des Westens im Kampf gegen den IS in Syrien.

Ivana Hoffmann

Wohin ihre Ivana wirklich ging, erfuhr Michaela Hoffmann erst viel später – durch ein Youtube-Video. Doch da war es schon zu spät. Kurz darauf starb Ivana bei der Verteidigung eines syrisch-christlichen Dorfes in Rojava, einer kurdisch-dominierten Region im Norden Syriens. Mit ihrem Schicksal ist Ivanas Mutter nicht allein.

PKK-Nähe problematisch?

Laut report München-Recherchen starben drei weitere Deutsche ohne kurdischen Migrationshintergrund für den Kampf der YPG in Nordsyrien. Für die YPG sind diese ausländischen Kämpfer Märtyer. Und auch in der offiziellen Vertretung Rojavas in Berlin stehen ihre Fotos gerahmt auf den Schreibtischen.

Umso irritierter reagiert man gerade hier auf das Flaggenverbot der Bundesregierung. Seit März dürfen nun auch in Deutschland keine YPG-Fahnen oder das Bilder des inhaftierten PKK-Gründers Abdullah Öcalan gezeigt werden. Wer dagegen verstößt, dem droht ein Strafverfahren. Über die Gründe der Bundesregierung wird spekuliert. Ist das Verbot ein Zugeständnis an die Türkei?

Dilemma für die deutsche Politik?

Die Türkei befindet sich mit allen Gruppierungen, die einen Bezug zur PKK aufweisen, im Krieg. Seit zwei Jahren ist der Konflikt zwischen der Türkei und den Kurden wieder ausgebrochen: Immer wieder gibt es Anschläge von Seiten der PKK, so zum Beispiel auf das Besiktas-Stadion in Istanbul Ende 2016. Auf der anderen Seite führt die Türkei militärische Aktionen im Kurdengebiet durch, hunderte Menschen sind bereits gestorben. In Deutschland ist die Attraktivität für die "kurdische Sache" und die PKK dagegen ungebrochen - ein Dilemma für die deutsche Politik.

Sendung

  • report München Dienstag, 11.04.2017 um 21:45 Uhr [Das Erste]

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