Report München


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Flucht in die Sklaverei Wie die Mafia Migrantinnen in die Prostitution treibt

Tausende Frauen vor allem aus Nigera kamen auch im letzten Jahr nach Europa. Keine normalen Flüchtlinge sondern "Menschenware" für den europäischen Prostitutionsmarkt. Opfer krimineller Banden und der steigenden Nachfrage der europäischen Kundschaft auch nach Minderjährigen. Drehkreuz des Handels mit den versklavten Frauen ist Palermo auf Sizilien, wo sich eine neuartige Mafia breit macht.

Von: Karl Hoffmann

Stand: 16.01.2017

Mineo ist ein kleines, eher unscheinbares Städtchen  im Herzen von Sizilien mit 5000 Einwohnern. Plus 4000 Menschen, die im Auffanglager am Ortsrand leben – das größte Auffanglager in Italien. Hier lebt Asylbewohner Simeon seit einem Jahr mit seiner Familie – er hat einen Appell an die Behörden:

"Stoppt das Geschäft mit dem Sex hier, im Lager ist das nicht auszuhalten. In der Nacht hauen die Mädels ab  und das ist schlecht. Das ist gottlos."

Asylbewohner Simeon

Simeon kommt aus Nigeria und beobachtet, dass sich regelmäßig Frauen aus seiner Heimat aus dem Lager stehlen und auf den Strich gehen.

Die Hölle beginnt oft direkt bei der Ankunft

Hundertausende Migranten kamen 2015 nach Europa; darunter alleine 40.000 Menschen aus Nigeria, Tausende junge Frauen und auch minderjährige Mädchen. Oft werden sie in letzter Not gerettet, doch wenn sie glücklich festen Boden erreichen,  beginnt für viele die Hölle – sie werden zur Prostitution gezwungen.

Nach langen Ermittlungen gelang es der Kripo von Palermo im vergangenen November eine Bande von Zuhältern und Menschenschleppern festzunehmen – 27 Angehörige der Black Axe, der Bruderschaft der Schwarzen Äxte, die sich inzwischen als eine gefährliche Mafiabande in ganz Europa ausgebreitet hat.

"Zum ersten Mal haben wir ermittelt, dass es eine neue Mafiaorganisation gibt, die mit unserer Cosa Nostra nichts zu tun hat. Die plant schon in Nigeria die Verteilung der Mädchen in andere europäische Länder, nach Holland zum Beispiel, wie wir aus Telefongesprächen erfahren haben. Und natürlich auch nach Deutschland."

Geri Ferrara , Anti-Mafia-Staatsanwalt Palermo

Die nigerianische Mafia profitiert vom Unglück anderer. In dem Flüchtlingsstrom schleust sie die künftigen Prostituierten Richtung Europa.

Ein Riesengeschäft für die Menschenhändler

Und dabei spielen auch Voodoo-Rituale eine Rolle, um die Frauen gefügig zu machen. Davon erzählt die ehemalige Prostituierte Osas, die heute Frauen helfen will.

"Die Mädchen, die hierherkommen, müssen in Afrika den Voodoo schwören. Der verpflichtet sie,  auf die Straße zu gehen.  Selbst die Eltern zu Hause glauben daran und  befehlen, ihren Töchtern zu gehorchen , weil sie den Voodoo geschworen haben."

Osas

Den Mädchen und ihren Familien drohe Krankheit oder gar der Tod , wenn sie die geforderten Summen für ihren Transport nach Europa nicht bezahlten – oft viele zehntausend Euro. Ein Riesengeschäft für die Menschenhändler.  Eine Lösung für die Frauen wäre, den Bann zu brechen. Osas hat eine Selbsthilfeorganisation gegründet, um praktische Hilfe zu leisten.

"Erstens müssen die Mädchen  zur Schule gehen, zweitens  brauchen sie eine Arbeit nach der Schule, sie könnten schneidern, afrikanisch kochen, traditionelle Tänze aufführen. Wenn die Regierung uns unterstützt, dann könnten die Mädchen eine bessere Zukunft haben."

Osas

Doch bisher haben die jungen Frauen und Mädchen keine ausreichende Lobby – und so gelingt es den Wenigsten, aus dem Mafia-Prostitution-Kreislauf auszubrechen.


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