Report München


111

Jobkiller oder Zukunftsvision? Riesenstreit um den Elektromotor

Das Elektroauto gilt als Auto der Zukunft: Emissionsfrei – Geräuschlos – Antriebsstark. Doch es hat auch eine Schattenseite. Denn der Wandel zum E-Motor bedroht nach Ansicht von Experten bis zu 200.000 Arbeitsplätze in Deutschland.

Von: Fabian Mader

Stand: 27.06.2017

Manfred Schoch ist die Sache ernst. Vor ihm liegt eine Elektromotor  des BMW i3 und ein klassischer 3-Zylindermotor. Auf den ersten Blick ist klar: Der Elektromotor ist wesentlich kleiner.

"Dieser Dreizylindermotor hat aktuell 1200 Teile, die von den Mitarbeitern zusammengebaut werden, dieser Elektromotor hat gerade noch 20 Teile. Und wir brauchen nur noch einen Zehntel der Zeit für die Montage."

Manfred Schoch, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von BMW

Klar, dass dazu dann auch weniger Mitarbeiter nötig sind.

"Man braucht dann noch ungefähr ein Drittel der Mitarbeiter, vorausgesetzt, man fertigt diesen Motor in Eigenleistung. Wenn dieser Motor dann in China, Korea oder Japan gekauft wird, wären alle Arbeitsplätze weg."

Manfred Schoch, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von BMW

BMW hat ihm zugesagt, neben dem Motor auch die Batterie in Eigenleistung herzustellen. So will das Unternehmen Arbeitsplatzverluste auffangen. Die Batteriezellen werden derzeit aus Asien geliefert.

812.000 Menschen arbeiten laut dem Branchenverband VDA derzeit in der deutschen Autoindustrie. Rund 250.000 davon in der Antriebstechnik, hängen also am Verbrennungsmotor.  Laut Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sind viele dieser Arbeitsplätze bedroht. Auch weil der Wechsel zum Elektroauto sehr viel schneller kommen könnte, als viele glauben.

"Wir reden allein bei den Zuliefererbetrieben von 80.000, 50.000 oder 100.000 Arbeitsplätzen, die gefährdet sind – je nachdem, wie schnell die Entwicklung ist. Und dann kommt noch bei den Autoherstellern die Produktion dazu, von den Verbrennungsmotoren, die dort gemacht werden. Das sind auch nochmal gut 50.000 bis 100.000 Arbeitsplätze."

Ferdinand Dudenhöffer, Universität Duisburg-Essen

Grünen-Parteitag

Die Grünen fordern schon lange einen möglichst schnellen Umstieg auf das Elektroauto. Auf ihrem Parteitag haben sie vor Kurzem sogar beschlossen, dass ab 2030 gar keine Motoren mit fossilen Brennstoffen mehr erlaubt sein sollen.

Ein Vorschlag, den auch Oliver Krischer aus der Grünenfraktion im Bundestag unterstützt.

"Ich will mich darum kümmern, dass die Menschen in der Automobilindustrie weiterarbeiten. Es nützt nichts, Schutzzäune um Technologien zu ziehen, die wahrscheinlich keine Zukunft mehr haben."

Oliver Krischer, Grüne Fraktion im Bundestag

Aber nicht alle sehen Verbote positiv. Winfried Kretschmann, grüner Ministerpräsident in Baden-Württemberg, wurde bei einem Gespräch auf dem Parteitag heimlich gefilmt. 2030 nennt er einen „Schwachsinnstermin“, die Partei soll ihren „Wahlkampf selber“ machen, und bei der Bundestagswahl mit „6 Prozent“ zufrieden sein.

Das Verbot von Motoren mit fossilen Brennstoffen wäre auch aus Sicht von Manfred Schoch von BMW der falsche Weg.

"Ich kann nur davor warnen, ohne eine Übergangszeit diese Pläne der Grünen umzusetzen. Das würde Arbeitsplätze in Deutschland kosten. Und ich sage ganz deutlich, das würde auch den Wohlstand in Deutschland ganz deutlich gefährden."

Manfred Schoch, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von BMW

Auch der Vorsitzende des Daimler-Betriebsrats, Michael Brecht, sieht die Pläne kritisch.

"Was ich das Schlimme daran finde, bis heute hat niemand der Grünen von einem mit uns das Gespräch gesucht und diskutiert, ob denn so ein stringenter Transformationswechsel überhaupt machbar erscheint."

Michael Brecht, Vorsitzenderr des Daimler-Betriebsrats

Oliver Krischer betont, dass die Grünen häufig mit Betriebsräten sprechen – Michael Brecht bleibt bei seiner Darstellung, mit ihm habe niemand diese Pläne besprochen.

Die Frage ist: Wie viel Zeit bleibt der Autoindustrie für den Wechsel? China denkt bereits fürs kommende Jahr über eine Quote für Elektroautos nach. Und dort verkaufen Firmen wie Daimler oder VW schon heute deutlich mehr Fahrzeuge als in Deutschland.

Manuskript zum Druck

Manuskript als PDF:


111