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Wo Cannabis und Kriminalität blühen Der Kampf gegen die Drogen-Mafia an der Adria

Der Anbau und Schmuggel von Cannabis ist für die albanische Mafia ein Milliardengeschäft. Das Land ist einer der weltweit größten Produzenten der Droge – begünstigt durch Korruption, eine schwache Justiz und die weit verbreitete Armut. Zwar hat die albanische Regierung auf Druck der Europäischen Union der Cannabis-Mafia den Krieg erklärt, doch nach wie vor gelangen Tonnen von Marihuana nach Italien und Deutschland.

Von: Karl Hoffmann, Philipp Grüll

Stand: 05.09.2017

Superschnelle Boote mit PS-starken Motoren flitzen über die südliche Adria. Italienische Grenzschützer verfolgen die mit Rauschgiftballen vollgepackten Kurierboote der albanischen Mafia. Tonnenweise fischen sie die Cannabis-Ballen aus den Meeresfluten. Es geht um viele Millionen Euro.

Säcke mit Cannabis | Bild: BR

Säcke mit Cannabis

Albanien mit gut drei Millionen Einwohnern möchte seit langem EU-Mitglied werden. Nach über 40 Jahren kommunistischer Diktatur und fast zwei Jahrzehnten des Wiederaufbaus will es den endgültigen Anschluss an Europa finden. Doch das kleine Land hat ein großes Problem: Kein geringer Teil seines neuen Reichtums stammt aus illegalen Rauschgiftgeschäften.

Viele Tonnen Cannabis werden meist über Italien Richtung Deutschland und seiner Nachbarstaaten geschleust. Beweis: Das Bundeskriminalamt hat im Jahr  2016 einen Anstieg von über 85 Prozent bei albanischen Staatsangehörigen festgestellt, die der organisierten Kriminalität verdächtig sind. Weil Marihuana noch fast überall verboten ist, besorgt die Mafia den illegalen Handel und verdient damit Milliarden. Die dienen aber auch dazu,  Politiker, Richter und Polizisten in Albanien zu bestechen, um ungestört Cannabis produzieren zu können.

Doch das muss aufhören, bevor die EU die ersehnten Beitrittsgespräche überhaupt beginnen will.

Der im Mai wiedergewählte Ministerpräsident Edi Rama hat deshalb offiziell dem Cannabis-Anbau den Kampf angesagt. Begonnen hatte er bereits vor drei Jahren mit einer Großaktion in dem Drogendorf Lazarat im Südosten des Landes, von wo aus halb Europa mit Marihuana beliefert wurde.

Edi Rama zeigt sich befriedigt:

Edi Rama | Bild: BR

"Wir haben dem Cannabis-Anbau den Krieg erklärt. Wir haben endlich diese Drogenbosse in Lazarat besiegt und das Cannabis beseitigt. Wir haben allen Grund zu glauben, dass diese Geschichte noch in diesem Jahr ein Ende haben wird."

Edi Rama, Ministerpräsident Albanien

Lazarat ist zwar heute drogenfrei, aber die Drogenbosse haben den Anbau nur verlagert, in die schwer zugängliche Bergwelt in Albaniens Grenzregionen, wo bitterarme Bauern bereitwillig Cannabis anbauen, ein kleines Zubrot für den Lebensunterhalt. Oft sind die Drogenbauern noch halbe Kinder, aus purer Not, sagen sie:

"Wir machen das zum ersten Mal. Unsere Mutter ist krank, wir müssen Geld verdienen, weil uns der Staat vergessen hat. Wir haben kein Licht, hier gibt es keine Straßen, kein Krankenhaus. Wir sind arm und deshalb bauen wir Cannabis an."

Junge

Hubschrauber-Einsatz | Bild: BR

Hubschrauber-Einsatz

Sie dort aufzuspüren ist nur aus der Luft möglich. Die Polizei hat nur ein paar Uralt-Hubschrauber, Spezialkameras und Sichtgeräte fehlen ebenso wie geländegängige Fahrzeuge. Trotzdem ist es den Behörden in den letzten Monaten gelungen, erfolgreich einige Razzien durchzuführen. Beschlagnahmt wurden viele Tonnen Cannabis, deren Verkaufswert hunderte Millionen Euro beträgt.

Offenbar aber nur geringe Mengen im Vergleich zu jenen, die tatsächlich im Umlauf sind.  Zwar ging der Cannabis-Anbau in diesem Jahr zurück. Nach Meinung von Insidern aber nicht nur wegen der zunehmenden Kontrollen, sondern weil die Lager der Drogenbosse nach einer Riesenernte im letzten Jahr noch prall gefüllt sind. Ein Beweis dafür findet sich in Bari in Süditalien. Dort, bei den Küstenschützern der Guardia di Finanza liegen zu Hauf beschlagnahmte Ballen mit Rauschgift. Mit ihren Schnellbooten haben die Küstenschützer auf ihren Verfolgungsjagden in den ersten Monaten dieses Jahres alleine 20 Tonnen sichergestellt, mehr als im ganzen vergangenen Jahr.       


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