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Mit deutschnationalen Sprüchen in den Bundestag? Die rechten Vordenker der AfD

Aktuellen Umfragen zufolge hat die AfD gute Chancen, in den Bundestag einzuziehen. Aber: Was will die Partei genau? Tatsächlich gibt es in der AfD und in ihrem Umfeld einflussreiche Köpfe mit völkisch-nationalen Ideen.

Von: Birgit Kappel

Stand: 15.08.2017

Im Wahlkampf setzt die AfD vor allem auf ein Thema – sie positioniert sich strikt gegen den Islam, als Anti-Islam-Partei. Zu sehen auf Plakaten, zu hören bei Wahlkampfveranstaltungen; natürlich auch vom Spitzenpersonal.

„Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, sagte Spitzenkandidat Alexander Gauland in Eging am See in Niederbayern, bei einem seiner ersten Wahlkampfterminen für die Bundestagswahl.

Wer ist für den Anti-Islam-Kurs verantwortlich?

 Dass sich die AfD so eindeutig in Sachen Islam positioniert hat, dafür ist ein Islamwissenschaftler der Partei verantwortlich. Hans-Thomas Tillschneider ist Landtagsabgeordneter der AfD in Sachsen-Anhalt und Sprecher der Patriotischen Plattform - ein Verein von Mitgliedern der AfD, allesamt rechts außen. Tillschneider war es, der auf dem Stuttgarter AfD-Parteitag 2016 für den harten Anti-Islam-Kurs gekämpft und ihn durchgesetzt hat.

Hans-Thomas Tillschneider | Bild: BR

"Der Islam ist bei uns fremd und deshalb kann er sich nicht im gleichen Umfang auf die Religionsfreiheit berufen wie das Christentum."

Hans-Thomas Tillschneider, AfD-Politiker

 report München trifft Hans-Thomas Tillschneider zum Interview in seinem Büro in Bad Dürrenberg.

"Wir sind in Deutschland und wenn Muslime zu Deutschen werden wollen und ihren Islam behalten wollen, dann muss es auch sowas wie einen deutschen Islam geben, der Islam muss sich germanisieren, das ist einer meiner Grundthesen, seit jeher schon."

Hans-Thomas Tillschneider, AfD, Sprecher „Patriotische Plattform“

Tillschneider sitzt für die AfD in Sachsen-Anhalt im Landtag, der AfD-Landesvorsitzende André Poggenburg war erst vor kurzem in den Schlagzeilen mit dem Ausspruch „Deutschland den Deutschen“. Er steht zu seiner Aussage:  

André Poggenburg | Bild: BR

"Das ist ja auch nicht irgendwie aus Versehen passiert, eine Aussage, die wir tätigen, die machen wir schon ganz absichtlich und da denken wir uns auch was dabei."

André Poggenburg, AfD, Landesvorsitzender Sachsen-Anhalt 

report München trifft André Poggenburg beim Sommerfest der Jungen Alternative in Sachsen-Anhalt. Die Rechten in der Partei geben sich hier offen und selbstbewusst. Mit dabei sind auch Vertreter der rechten Bürgerbewegung „Ein Prozent“.

Bürgerbewegung „Ein Prozent“

Ein Prozent - Wer steckt hinter dieser Bewegung, die eng verwoben ist mit der rechten Identitären Bewegung und mit professionellen Filmen und medienwirksamen Aktionen auf sich aufmerksam macht? Es ist er: Götz Kubitschek. Ein rechter Verleger, ebenfalls aus Sachsen-Anhalt.

Kubitschek ist nicht Mitglied der AfD, sein Einfluss reicht allerdings bis in die oberste Führungsriege der Partei. Und er nimmt sich heraus, öffentlich der AfD die Richtung zu weisen.

"Da wird gegen Björn Höcke ein Parteiauschlussverfahren angestrengt, gegen einen der wenigen Männer in dieser Partei, der die Sache des Volkes und der Nation über seine eigene Karriere stellt und in seinem eigenen Bundesland in Thüringen zu einer Bürgernähe gefunden hat, die es kein zweites Mal gibt."

Götz Kubitschek auf einer Pegida Veranstaltung im April 2017

Kubitschek ist auch ein Förderer von ihm: Dem Lehrer Björn Höcke. Er ist der bekannteste Rechte der AfD, bezeichnete das Holocaust Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“.

Seit Monaten formiert Höcke seine rechte Truppe, genannt  „Der Flügel“ Richtung Bundestagswahl.

Björn Höcke | Bild: BR

"Ich möchte, dass die Flügelleute in ganz Deutschland die kommenden Listenparteitage maximal frequentieren, damit die Richtigen nach Berlin kommen!"

Björn Höcke, AfD, Landesvorsitzender Thüringen

Seit Jahren beschäftigt die Spiegel-Journalistin Melanie Amann mit der AfD. Sie warnt:

Melanie Amann | Bild: BR

"Wer AfD wählt jetzt, der muss sich klarmachen, dass er zu einem großen Teil Höcke-Anhänger in den Bundestag wählen wird. Auf den Landeslisten stehen, würde ich sagen, mindestens 30 wahrscheinlich eher 40 Prozent Kandidaten auf den erfolgsversprechenden Listen, die ein gutes Verhältnis zu patriotischer Plattform und Flügel pflegen, teilweise Mitglieder sind, Anhänger von Höcke sind, die einen rechten Kurs in den Bundestag tragen werden."

Melanie Amann, AfD-Expertin und Journalistin „Der Spiegel“

Immerhin knapp 10 Prozent der Deutschen kann sich aktuellen Umfragen zufolge vorstellen, bei der kommenden Bundestagswahl AfD zu wählen. Es sollte nur niemand hinterher sagen können, er hätte nicht gewusst, wen er da wählt.

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