Report München


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Schlachthof Düren Amt will Betäuben nun lückenlos überwachen

Recherchen von report München und der Süddeutschen Zeitung über den Schlachthof in Düren zeigen Wirkung: Der Kreis Düren will nun das Betäuben lückenlos überwachen. Auch von Seiten des Schlachthofs wurde reagiert.

Von: Philipp Grüll, Sebastian Kemnitzer

Stand: 07.12.2017

Schlachthof Düren | Bild: BR

Der Schlachthof in Düren hat auf die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung und des ARD-Politmagazins report München reagiert: Dem betreffenden Subunternehmer im Schlachthof wurde gekündigt, außerdem soll es nun Verbesserungen im Schlachtprozess geben, zum Beispiel, was die Schulung der Mitarbeiter oder die Schlachtgeschwindigkeit angeht; diese soll verringert werden. Und es soll bei jedem Tier ein Test durchgeführt werden, ob es erfolgreich betäubt ist; außerdem wird ein externer Kontrolleur eingesetzt.

Schlachthof lieferte auch an McDonald`s

report München hatte gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung Aufnahmen der Tierschutzorganisation "SOKO Tierschutz" aus dem Schlachthf in Düren ausgewertet. Neben anderen Unternehmen hatte der Schlachthof auch McDonald`s beliefert – in diesem Jahr mit 170 Tonnen Rindfleisch. Nach Bekanntwerden der Recherchen wurden von Seiten von McDonald`s die Lieferbeziehungen eingestellt.

Experte sieht Handlungsbedarf

Auf den Aufnahmen ist unter anderem zu sehen, dass mehrfach bei der Betäubung der Rinder nachgeschossen werden musste, auch bei der Betäubung der Schweine lief nicht alles reibungslos.

Michael Marahrens, stellvertretender Leiter des Instituts für Tierschutz und Tierhaltung, sah teilweise schwere Verstöße gegen den Tierschutz. Sein Fazit:

"Ich habe durchaus den Eindruck, sowohl Personalverhalten, Betäubungseffektivität, Entblutequalität und –geschwindigkeit die vielfältigen Bewegungen, die die Tiere an der Nachtropfbahn noch gezeigt haben, dass diese Zusammenhänge für eine vertiefte Kontrolle und Überwachung der Betriebsabläufe auch sprechen."

Michael Marahrens, Institut für Tierschutz und Tierhaltung

Amt will Missstände schnellstmöglich abstellen

Das zuständige Amt, der Kreis Düren, hatte Ausschnitte aus den Aufnahmen gesehen, aber nur schriftlich auf die Anfrage von report München und der Süddeutschen Zeitung reagiert.

In dem Schreiben hieß es unter anderem, das Schlachthofunternehmen sei dem Kreis "als seriöser und verantwortungsbewusster Fachbetrieb seit vielen Jahren bekannt". Und bezüglich der Betäubung:

"Nach unseren Aufzeichnungen liegt die Anzahl der Fehlbetäubungen bei Rindern zwischen 2 und 4 Prozent. […] Bei Schweinen liegt die Wirksamkeit der Betäubung laut automatisierter Aufzeichnung bei 98 Prozent."

Pressestelle Kreis Düren, 01.12.2017

Nach Veröffentlichung der Berichte durch report München und die Süddeutsche Zeitung heißt es nun:

"Die in dem Beitrag erhobenen Vorwürfe nehmen wir sehr ernst. Unser Ziel ist es, Missstände eindeutig zu konkretisieren und schnellstmöglich abzustellen. In einer ersten Sofortmaßnahme wird das Betäuben der Tiere ab sofort lückenlos von einem Tierarzt überwacht, obwohl der Gesetzgeber für diesen Bereich lediglich stichprobenartige Kontrollen der firmeneigenen Tierschutzbeauftragten vorschreibt. Wie in allen anderen Verantwortungsbereichen der Kreisverwaltung Düren gilt auch hier, dass wir notwendige Verbesserungen als zuständige Kontrollinstanz konsequent herbeiführen. Dem Tierschutz im Kreis Düren muss vollumfänglich Genüge getan werden."

Pressestelle Kreis Düren, 07.12.2017


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