Braune Ökos Rechtsextreme unterwandern die Biobewegung
Öko-Landbau, Naturschutz, Antiatomkraft - auch NPD-Mitglieder und andere aus der rechten Szene treten zunehmend als Umweltschützer in Erscheinung. Sie vermengen Natur- und Heimatverbundenheit mit einer verqueren Blut- und Bodenideologie.
Dieses Bioschwein hat einen Züchter aus der rechten Szene. Auf einem Schloss in Sachsen hält Karl Heinz Hoffmann Bioschweine. Was Hoffmann macht, wird in der rechtsextremen Szene aufmerksam beobachtet. Mit seiner "Wehrsportgruppe Hoffmann" führte er in den 70ern paramilitärische Übungen durch. Nach dem Verbot der Gruppe verschwand Hoffmann von der politischen Bühne. Jetzt ist er zurück, verkündet er auf seiner Homepage. Bei Veranstaltungen wie hier in Nürnberg referiert er über die "Wehrsportgruppe", die Bioschweine erwähnt er gerne. Rechtsextreme und Ökobewegung - wie passt das zusammen?
Unsere Recherchen führen auch nach Niederbayern zu einem Biohofladen. Hier wird uns im April die Zeitschrift "Umwelt und Aktiv" angeboten und ausführlich gezeigt. Auf den ersten Blick harmlos, doch unter den Autoren sind Mitglieder der NPD wie Sascha Roßmüller, stellvertretender NPD-Landesvorsitzender Bayern und laut Verfassungsschutz einer der führenden Neonazis.
Der Rechtsextremismus-Experte Andreas Speit erklärt die neue Strategie der braunen Bewegung.
Andreas Speit, Rechtsextremismus-Experte: "In der rechtsextremen Szene hat die Zeitung aus Traunstein eine sehr große Bedeutung. Tatsächlich scheint es so, dass mit dieser Zeitung, das Thema Ökologie wirklich auch mehr in der rechtsextremen Szene wahrgenommen wird. (…) Der Grundgedanke ist hier tatsächlich: Umweltschutz ist Heimatschutz ist Volksschutz. Also eine durch und durch Blut- und Bodenideologie, die dann in der ökologischen Thematik ganz zum Tragen kommt."
Wer steckt hinter der Zeitschrift? Im Impressum wird ein Verein namens Midgard e.V genannt. Laut Vereinsregister ist der 1. Vorsitzender Christoph Hofer, NPD-Landtagskandidat 2008.
Schatzmeister und Kassenprüferin haben dieselben Namen, wie die Betreiber des Biohofladens in Niederbayern. Wir fragen nach:
Gespräch an der Biohofladen-Tür:
report MÜNCHEN: "Sie sind nicht Mitglied, aber Sie haben das Gründungsprotokoll unterschrieben?"
Frau L.: "Ich sage jetzt gar nichts, ich denke wir werden ein andermal darüber sprechen."
report MÜNCHEN: "Aber es gibt doch da Verbindungen zur NPD."
Frau L.: "Gut, ich danke Ihnen, es gibt keine Verbindungen. Wiederschauen".
Doch im Vereinsregister Landshut werden die Biohofladenbesitzer noch mit Funktionen im Verein geführt. Name und Adresse stimmen überein. Auf Anfrage von report MÜNCHEN erklärt der Verfassungsschutz über die Herausgeber von "Umwelt und aktiv": "…der Vereinsvorstand setzt sich größtenteils aus Rechtextremisten zusammen."
Auch in Mecklenburg-Vorpommern versucht die NPD mit Umweltthemen, Menschen an ihre Wahlkampfstände zu locken. "Umweltschutz ist Heimatschutz" - das ist die Taktik, um im derzeitigen Wahlkampf Stimmen zu fangen.
Und Autonome Nationale Sozialisten aus Schleswig Holstein haben dieses Jahr eine Tier- und Umweltschutz-Kampagne aufgelegt. Dabei werden die Symbole der Umweltbewegung dreist kopiert.
Wie tief die Rechten schon in Ökostrukturen eingedrungen sind recherchieren wir bei Biopark, einem großen Zertifizierer für Bio-Produkte in Mecklenburg-Vorpommern. Wir sind auf zwei Biobauern hingewiesen worden: Huwald Fröhlich und Helmut Ernst.
Helmut Ernst gab schon ein Interview in der Deutschen Stimme, der NPD-Parteizeitung, er kämpft gegen Gentechnik. Huwald Fröhlich schrieb einen Beitrag in dem bekannten rechtsextremen Buch "Opposition für Deutschland".
Wir fahren nach Koppelow in Mecklenburg-Vorpommern. Hier haben sich die beiden Biobauern niedergelassen. Koppelow hat eine braune Geschichte: Hier siedelten sich 1933 Mitglieder der völkisch-rassistischen "Artamanen" Bewegung an, der auch SS-Reichsführer Heinrich Himmler angehörte.
Wir fahren zu den abgelegenen Höfen von Fröhlich und Ernst. Schnell werden wir entdeckt. Fröhlich schneidet uns den Weg ab, wir sollen uns von seinem Hof fernhalten.
Helmut Ernst treffen wir beim Mähdreschen an. Vor die Kamera will er nicht, er bestätigt uns aber: Er ist Mitglied der NPD und Biobauer.
Wie steht Biopark zu seinen braunen Mitgliedern. Der Vorstand Gottfried Marth ist seit Anfang Mai über die Rechtextremisten in seinen Reihen informiert. Er distanziert sich, aber…
Gottfried Marth, Vorstand Biopark: "Ich kann nicht Einen aus irgendwelchen nicht ganz handfesten Gründen aus dem Verband ausscheiden. Unsere Aufgabe ist das ökologische Ware zu zertifizieren und ökologische Ware wird zertifiziert wenn da ganz konkrete, sachliche, handfeste Argumente und Tatsachen da sind und gesinnungsmässig kann man das nicht so auf die Waage stellen."
Machtlosigkeit gegenüber den Neonazis, dieses Gefühl haben viele Menschen im Landkreis Güstrow, wo Siedlungsprojekte von Neonazis die Dörfer bedrängen.
Ganz offensichtlich versuchen Neonazis die Kampagne "meine Landwirtschaft" zu vereinnahmen. Die Kampagne wird getragen von Umwelt und Bauernverbänden, sie hat sich klar von Rechtsextremen distanziert. Dennoch taucht "meine Landwirtschaft" in einer Pressemitteilung der NPD auf. Die Rechtsextremen werben damit, dass sie "voll auf einer Linie mit den Verbänden" liegen.
Hubert Weiger, Vorsitzender Bund für Umwelt und Naturschutz: "Es macht mich nicht nur wütend, sondern betroffen, dass ein zentrales, demokratisches und interkulturelles Anliegen versucht wird, von Rechtsradikalen für ihre durchsichtigen Zwecke zu missbrauchen."
Genau das ist die neue Strategie der Rechten. Stimmenfang mit Umweltthemen und Unterwanderung der Biobewegung. Mit Erfolg, denn Bioweizen vom NPD-Bauern und Schweinefleisch vom ehemaligen Chef der Wehrsportgruppe Hoffmann gibt es jetzt schon auf dem Öko Markt.
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