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Kurt Landauer Rot gegen Blau - kein Spiel wie jedes andere

Schon Kurt Landauer machte die Erfahrung: Derbys zwischen dem FC Bayern München und dem TSV 1860 München sind ganz besondere Spiele. Ein Blick auf 100 Jahre Derbygeschichte voller Helden, hitziger Szenen und kurioser Spielverläufe.

Stand: 13.09.2013

Es gibt Fußballspiele, die ihre ganz eigene Dynamik entfalten. Die Spieler und Zuschauer gleichermaßen in den Bann ziehen. Und die sich jenseits aller geltenden Gesetze von Raum und Zeit zu bewegen scheinen. Die Rede ist von den Lokalderbys. Der ehemalige schottische Nationalspieler John Collins sagte über diese Magie dieser Duelle: "Du hast hochgeblickt und gesehen, dass bereits 43 Minuten um sind. Dabei hättest du gedacht, dass das Spiel gerade erst begonnen hat." Auch viele der Zweikämpfe zwischen dem FC Bayern und dem TSV 1860 München waren so dramatisch, kurzweilig und ereignisreich, dass 90 Minuten eigentlich zu wenig waren.

Viele Tore, viele Karten

Bereits in den Anfangszeiten des Münchner Fußballs lieferten sich die beiden Clubs denkwürdige Duelle. So etwa am 4. Juli 1915, als der FC Bayern bei den Löwen mit 9:4 siegte - bis heute das torreichste Duell zwischen den beiden Lokalrivalen. Die besondere Gegnerschaft spiegelte sich jedoch nicht immer in Toren, sondern bisweilen auch in der Anzahl der Gelben und Roten Karten wider. Bereits 1919 musste ein Münchner Derby nach mehreren Tätlichkeiten der Spieler abgebrochen werden. Legendär ist auch Karl-Heinz Rummenigges Watsch'n. Der damalige Bayernspieler wurde 1977 vom Sechziger Beppo Hofeditz als "rote Bayernsau" bezeichnet. Seine Antwort: eine Ohrfeige, wofür er natürlich vom Platz gestellt wurde.

Basler vs. Lorant

Dass die Rivalität der beiden Clubs seit Kurt Landauer keineswegs kleiner geworden ist, belegt das Aufeinandertreffen am 21. September 1994. Nach 13 Jahren trafen die beiden Vereine wieder einmal in der Bundesliga aufeinander. Das Ergebnis: siebenmal Gelb, zweimal Rot, einmal Gelb-Rot. Und 3:1 nach Toren für den FC Bayern. Bis heute ein Klassiker in allen Derby-Rückblicken ist Mario Baslers gestenreicher Disput mit 1860-Trainer Werner Lorant. Zum Glück für die Nachwelt wurde der sicher nicht jugendfreie Ton dabei nicht eingefangen.

Eine Frage der Ehre

Die Hitzigkeit der Duelle verwundert nicht, wenn man weiß, was für die Fußballer im Münchner Derby auf dem Spiel steht. Bei einer Niederlage, verriet Bayern-Profi Bastian Schweinsteiger vor einigen Jahren, werde man "anschließend immer aufgezogen". Beim Bäcker, beim Tanken, einfach überall. Denn der nächste Fußballfan ist in einer Stadt wie München nie weit. Besonders übel dürfte die Häme 1998 für Löwen-Torwart Bernd Meier gewesen sein. Als er sich den Ball zum Abschlag vorlegte, luchste ihm Bayern-Stürmer Carsten Jancker von hinten die Kugel ab und schob zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich ein (Endstand: 3:1). Wer allerdings ein Derby entscheidet, steigt zur Fußballlegende auf. So geschehen 1999 mit dem 1860-Profi Thomas Riedl, der mit einem fulminanten Schuss das 1:0-Siegtor erzielte und bis heute von den Sechzigfans dafür verehrt wird.

Derby auf Trümmern

Nicht alle Duelle zwischen den Bayern und den Löwen wurden zu Ende gespielt. 1927 entschieden die beiden Mannschaften kurz vor Anpfiff, wegen der schlechten Platzverhältnisse ein Ligaspiel in ein Freundschaftsspiel umzuwandeln. Als die 12.000 Zuschauer davon erfuhren, stürmten sie beim Stand von 0:1 den Platz im Grünwalder Stadion und bewirkten einen Spielabbruch. Unvergessen ist auch das Derby im August 1945 - das erste Aufeinandertreffen zwischen den Blauen und Roten nach dem Zweiten Weltkrieg. Schauplatz war das Grünwalder Stadion, die Tribünen lagen noch in Trümmern und die Bombentrichter auf dem Spielfeld waren gerade erst zugeschüttet worden. Dennoch drängten sich 12.000 Zuschauer in das Stadion. Das Ergebnis von 4:0 für die Bayern war an diesem Tag ausnahmsweise nur Nebensache.


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