Fahrplan zur Hochschulreife Viele Wege - ein Ziel
Am Ende der Grundschule, in der vierten Klasse, steht eine Entscheidung an, die vielen Eltern große Angst bereitet: Wird unser Kind es auf das Gymnasium schaffen? Oder "müssen" wir es auf Realschule oder gar Hauptschule schicken und hat es dann noch eine Chance, einen so genannten "höheren" Bildungsabschluss zu erlangen? Gewiss sind besorgten Eltern ihre Fürsorge und der Wunsch, das Kind bestmöglich auszubilden, nicht abzusprechen. Doch wird gerade an diesem Punkt nicht ein zu hoher Druck aufgebaut, dem viele in diesen jungen Jahren nicht standhalten können?
Filminfo:
Regie: Ralph Glander,
Alexander Landsberger
Kamera: Heinz Albert Staubitz
Ton: Lambert Strehlke,
Sebastian Wagner
Schnitt: Sebastian Wild
Musik: Sebastian Fischer
Produktion: INTER/AKTION GmbH
Berufs- und Bildungswege sind heute differenzierter denn je. Studium, Lehre, Ausbildung – der Bildungsdschungel wird immer undurchdringlicher. So sorgen sich viele Eltern schon in der Grundschule um die spätere Ausbildung ihrer Kinder. Nur das Beste ist gut genug – und das Beste scheint natürlich die gymnasiale Laufbahn zu sein. Doch sie ist nicht der einzige Weg zur Hochschulreife. Über 30 verschiedene Wege bietet die bayerische Bildungslandschaft, um eine Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen. Das Gymnasium ist nur einer der Wege zu diesem Ziel. Fast jeder zweite Abiturient in Bayern erhält seinen Hochschulzugang über FOS, BOS oder das Telekolleg.
Viele Wege führen in Bayern zu einer Hochschulzugangsberechtigung. Das zeigt die TV-Dokumentation "Viele Wege – ein Ziel. Fahrplan zur Hochschulreife".
Mit der Fachoberschule zur Hochschulreife
Wie das Lernen an einer Fachoberschule konkret aussieht, zeigt dieser Abschnitt an Amir Pasic, Yule Post und Sophia Regner. Diese drei Schüler der 11. Klasse müssen derzeit ein für die Fachoberschule typisches außerschulisches Praktikum absolvieren. Anwaltskanzlei, Restaurations- und Design-Ateliers bieten den Schülern so erste Einblicke in das Berufsleben.
Zentrale Themen für Yule, Sophia und auch Amir sind der erstmalige Kontakt mit der Arbeitswelt, aber auch die Herausforderungen im Schulalltag. Fachoberschüler kommen meist mit der Mittleren Reife von einer Realschule oder dem M-Zweig der Mittelschule an die FOS. Sie kennen bisher nur den Schulalltag. Die Praktika in der 11. Klasse sollen die Schülerinnen und Schüler auf das Berufsleben einstimmen und ihnen Einblicke in mögliche berufliche Felder gewähren.
Dieser Teil des Films zeigt aber auch das tägliche und für die Schüler oft aufregende Schulleben an einer FOS auf ihrem Weg zur Fachhochschulreife oder – mit einem Jahr mehr – zur allgemeinen Hochschulreife.
Mit der Berufsoberschule zur Hochschulreife
Wer sich für eine Berufsoberschule entscheidet, weiß was er will. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus dem Berufsleben, bringen mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung im Rahmen ihrer Ausbildungen mit. Oft schon mit klaren Studienwünschen müssen sich die jungen Frauen und Männer erst wieder an den Schulalltag und das Lernen gewöhnen. Wer nicht gleich in die BOS 12, die mit dem Fachabitur abschließt, einsteigen möchte, kann eine einjährige Vorklasse besuchen. So zeigt der Film eine Gruppe von Schülern aus einer Vorklasse an der Berufsoberschule in Neumarkt in der Oberpfalz, die ihre Kenntnisse in Mathematik, Englisch, Deutsch und den anderen Fächern wieder auffrischen, um fit für die 12. Klasse zu sein.
Zum anderen begleiten wir Markus Wittl und Nadine Graml, die ihren Weg an der BOS schon länger erfolgreich gehen. Markus wollte nach seiner Ausbildung zum Elektriker das Fachabitur über die Berufsoberschule erwerben, um sein Ziel, Elektrotechnik zu studieren, erreichen zu können.
"Ich bereue nichts!" sagt Markus im Interview, wenn es auf die Frage kommt, warum er nicht gleich ein Gymnasium besucht hat. Durch seinen Weg, so sagt er, konnte er erst die Erfahrungen sammeln, die ihm nun bald für sein Studium wertvoll sein werden.
Mit dem Ziel Komplementärmedizin zu studieren, hat Nadine Graml 2012 – nach zwei Jahren an der Berufsoberschule – ihre Allgemeine Hochschulreife erworben. Die gelernte Bankkauffrau erkannte während ihrer Ausbildung, dass sie unbedingt mehr lernen möchte.
Mit dem Telekolleg zur Hochschulreife
Ein weiterer Weg zur Hochschulreife ist mit dem Telekolleg möglich. Dort kann man in 20 Monaten über Angebote in Fernsehen, im Internet, mit Lehrbüchern und Präsenzphasen das Fachabitur absolvieren - und das neben Familie oder Beruf im Selbststudium.
Regina Mühlich entschloss sich vor 17 Jahren, ihren Beruf als Arzthelferin aufzugeben und ein Studium anzustreben. Gerade Mutter geworden, kam für sie in dieser Zeit nur das Telekolleg in Frage. Sie bestand die Prüfungen, trotz des Familienstresses, mit Bravour und blieb auch in ihren weiteren Studien dem "Fern-Lernen" treu. Im Jahr 2008 wurde sie mit dem Studienpreis "DistancE-Learning" in der Kategorie "Lebenslanges Lernen" ausgezeichnet. Heute arbeitet Regina Mühlich als Unternehmensberaterin und beschäftigt sich vorrangig mit Themen wie Datenschutz und Zeitmanagement – eine wichtige Facette, die sie auch beim Selbststudium mit dem Telekolleg ausführlich kennengelernt hat.
Wie das Lernen mit dem Telekolleg konkret in den Alltag integriert werden kann, zeigt die junge Teilnehmerin Jasmin Barkia. Sie möchte Wirtschaft studieren, dabei aber ihren sicheren Job zunächst nicht aufgeben. Hinzu kommt ein zeitintensives Hobby: Hip-Hop-Tanz. Vor einigen Wochen ist sie mit ihrer Tanzgruppe Europa-Meister geworden. Wie sie Job, Telekolleg und Freizeit unter einen Hut bekommt, erklärt Jasmin und gibt dafür ein Beispiel für selbstorganisiertes Lernen mit diesem besonderen Bildungsangebot.
Gerade heute, in einer Zeit, in der Berufe sehr ausdifferenziert sind, in der Spezialisierung nicht nur erwünscht, sondern gefordert wird, sind diese alternativen Wege eine enorme Chance, sich zu entfalten und sein Abitur auf einem individuelleren Weg zu absolvieren. Unterschiedliche Interessen, Talente und Lerntypen brauchen unterschiedliche Förderung – dafür gibt es, neben dem Gymnasium, eine Vielzahl von Möglichkeiten.

Wetter
