BR-alpha - Schulfernsehen


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Ich mach's! Landwirt/-in

Nachwuchs gesucht! Die Landwirtschaft erlebt einen enormen Aufschwung und braucht qualifizierten Berufsnachwuchs. Weltweit bangen immer mehr Menschen um Nahrung und brauchen Bioenergie vom Acker. Landwirte sind gefragt wie nie.

Stand: 18.01.2013

Auf den Arbeitsagenturen sucht man Landwirte vergeblich. Jahrzehnte lang war der Beruf Landwirt out bei jungen Leuten. Das hat sich geändert. Und dieser Aufwärtstrend wird sich noch verstärken. Die Zahl der Auszubildenden steigt wieder. Immer öfter starten junge Frauen und Quereinsteiger ohne bäuerliche Herkunft eine Ausbildung zum Landwirt(in). Hauptschulabschluss sollte sein. Viele beginnen nach der Realschule die Ausbildung. Die Ausbildung dauert drei Jahre, zunächst ein Berufsgrundschuljahr weil Landwirte sehr viel über Tiere, Pflanzen und wirtschaftliche Zusammenhänge wissen müssen. Dann folgen zwei Lehrjahre auf anerkannten Ausbildungsbetrieben - es können verschiedene Ausbildungsbetriebe, auch im Auslandsein. Einmal wöchentlich besuchen Auszubildende die Berufsschule. Und das Beste: Wer sich reinhängt, bringt es mit Hauptschulabschluss zu Meister, Agrartechniker, Agrarbetriebswirt oder kann ganz und gar bis zum Fachhochschulstudium durchstarten. Grünes Licht für grüne Karrieren.

Kein Tag ist wie der andere

Neben Schulnoten zählen aber auch soziale Fähigkeiten und persönliche Eignung. Matthias hat das Berufsgrundschuljahr hinter sich und lernt im 1. Praxisjahr von seinem Meister Bernhard Niederthanner im Landkreis Rosenheim alle möglichen Tätigkeiten rund um den Bauernhof: Von der Pflege saftiger Weiden über Waldarbeit, Holzpfähle schneiden, Maschinen warten, Kühe versorgen bis hin zu finanziellen Kalkulationen und Verbraucher- und Umweltschutz. Kein Tag ist wie der andere, jeden Tag gibt es neue Herausforderungen und Aufgaben. Das Besondere an der Landwirtschafts-Lehre: Matthias lebt mit der Familie seines Ausbilders unter einem Dach, isst mit ihnen, muss sich in deren Sitten und Gewohnheiten einfinden. Spätestens hier sind soziale Stärken gefragt. Umgekehrt erwerben die Auszubildenden auch soziale Kompetenz, das intensive Miteinender bildet die Persönlichkeit weiter.

Landwirte werden zu Managern

Johannes hat es nicht so mit Tieren, interessiert sich für Pflanzen und Ackerbau - und auch für moderne Landtechnik. Kein Problem: Nach der Lehre kann sich jeder auf Tier- oder Pflanzenproduktion spezialisieren. Während der Ausbildung kommt aber keiner um Kenntnisse zur Tierhaltung um. Johannes wird einmal zuhause in Kirchschletten bei Bamberg den 180 Hektar großen Hof übernehmen. Dabei muss er über gewaltige Geldsummen entscheiden: 100.000 Euro für einen neuen Traktor, 50.000 Euro für neue Getreidesilos, zehntausende Euro für Dünger und Spritzmittel jedes Jahr. Ganz wichtig: Johannes muss gut kalkulieren und planen können. Wann kauf ich am günstigsten meinen Dünger ein? Wie viel Dünger muss ich streuen? Wann verkaufe ich zu welchem Preis mein Getreide? Landwirte wie Johannes werden immer mehr zu Agrarmanagern. Sie sitzen viel im Büro, geben alle Feldarbeiten in den Computer ein, werten ständig die Wirtschaftlichkeit ihrer Arbeit aus.

"Also man muss in der Theorie fit sein, es zählt immer das Gesetz des Minimums: Von dem Nährstoff, von dem am wenigsten vorhanden ist, danach richtet sich das Wachstum. Es hilft aber dann auch nichts, wenn man von jedem Dünger immer mehr streut, denn dadurch verursacht man erhebliche Umweltschäden."

Johannes

Nahrungs- und Energielieferant

Johannes ist nicht nur Landwirt, sondern auch Energiewirt. Seine Familie betreibt zusammen mit drei Teilhabern eine große Biogasanlage. Aus Mais und anderen Feldfrüchten erzeugen sie Bio-Strom und -Wärme und verkaufen diese Energie. Johannes strebt die Meisterprüfung an, besucht dafür drei Semester die Landwirtschaftsschule. Er setzt sich wieder über dicke Bücher und erstellt eine praktische Meisterarbeit, indem er auf einem großen Acker verschiedene Anbauversuche mit Getreide durchführt und auswertet. Vor der Zukunft ist Johannes nicht bang. Wenn er gut wirtschaftet, verdient er auch sehr gut. Die Getreidenachfrage und die Preise gehen tendenziell nach oben. Und dass es in der Landwirtschaft mal auf und dann wieder abwärts geht, das kennt Johannes schon von seinem Vater.


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