60 x Deutschland – Die Jahresschau Das Jahr 1991
Im Januar 1991 beginnt der Krieg gegen Saddam Hussein. Wie ein Christbaum hätte das bombardierte Bagdad im Schein der Detonationen aufgeleuchtet, berichten US-Kampfpiloten. Das amerikanische Militär steuert die Berichterstattung und propagiert das Trugbild "chirurgisch sauberer Präzisionseingriffe".
Am 17. Januar beginnt der zweite Golfkrieg, am 28. Februar endet die "Operation Wüstensturm". Eine internationale Streitmacht unter Führung der USA vertreibt die in Kuwait einmarschierten Truppen des irakischen Diktators Saddam Hussein. Die Regierung Kohl zeigt zwar Präsenz in der Krisenregion und schickt im Januar einen Luftwaffenverband in die Türkei, doch an den Kampfhandlungen beteiligt sich die Bundeswehr nicht. Deutschland betreibt weiterhin "Scheckbuchdiplomatie" und übernimmt einen Teil der Kriegskosten. Aber es dauert nicht mehr lange, dann werden Bundeswehrsoldaten zu Auslandseinsätzen im Rahmen von UN- oder NATO-Missionen nach Kambodscha, Somalia und auf den Balkan entsandt.
Der High-Tech-Krieg als TV-Event
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Am Golfkrieg, einem medialen Konflikt erster Güte, nehmen die Deutschen regen Anteil. Im Fernsehen können sie die Luftangriffe auf Bagdad live miterleben und brennende Ölquellen betrachten. Bilder von vermeintlich sauberen "chirurgischen Eingriffen" mit Präzisionswaffen beruhigen die Zuschauer, doch eine gewisse Skepsis bleibt. Pazifisten finden mit ihrer Forderung "Kein Blut für Öl" viel Gehör. Die Stimmung kippt erst, als im Sommer der Bürgerkrieg in Jugoslawien ausbricht. Angesichts der Gräuel und Massaker auf dem Balkan wächst die Zustimmung für Einsätze der Bundeswehr außerhalb der Landes- bzw. der NATO-Grenzen.
Tod im Exil: Erich Honecker stirbt in Chile
Erich Honecker, zu DDR-Zeiten mächtiger Staats- und Parteichef, flieht im März nach Moskau, um einer gerichtlichen Verfolgung wegen Amtsmissbrauchs, Korruption und wegen des Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze zu entgehen. Weil seine Auslieferung an Deutschland droht, begibt er sich in die chilenische Botschaft und bittet um politisches Asyl. Der Grund: Honeckers Tochter lebt in Chile und die DDR nahm zu Zeiten der Militärdiktatur Augusto Pinochets viele Chilenen auf. Erich Honecker wird jedoch nach Deutschland zurückgebracht und bis 1993 inhaftiert. Als das Verfahren aus Gesundheitsgründen eingestellt wird, reist er nach Chile und stirbt dort am 29. Mai 1994.
Hoyerswerda: Die hässliche Fratze der Wende
Im September sorgen Übergriffe von Rechtsextremisten für Aufsehen. Im sächsischen Hoyerswerda greifen Skinheads ein Asylbewerberheim mit Steinen und Molotow-Cocktails an. Unter dem Beifall von Teilen der Bevölkerung attackieren sie vietnamesische Straßenhändler und Vertragsarbeiter aus Mosambik. Mehr als 30 Menschen werden verletzt. Die sächsische Regierung sieht sich gezwungen, die Ausländer von Hoyerswerda nach Dresden zu evakuieren.
Pensionierung in Sicht: Der Euro kommt, die D-Mark geht
Auf europäischer Ebene gibt es beachtliche Fortschritte. Nachdem Ende der 80er Jahre ein schrankenloser Binnenmarkt eingerichtet wurde, entstand eine Europa-Dynamik. Befürworter eines geeinten Europas wie Bundeskanzler Helmut Kohl wollen dies nutzen. Auf dem Gipfel von Maastricht beschließen die zwölf Regierungschefs der EG am 9./10. Dezember die Gründung der Europäischen Union. Auch die Vollendung der Währungsunion bis 1999 wird vereinbart.
Informationen zur Sendereihe
Mit der Reihe "60 x Deutschland" präsentiert das Schulfernsehen einen bunten, von Sandra Maischberger moderierten History-Mix. Ausgehend von der doppelten Staatsgründung 1949 ist jedem Jahr eine 15-minütige Folge gewidmet. Schwerpunkt der Chronik ist der Konkurrenzkampf zweier jahrelang miteinander konkurrierender Gesellschaftssysteme. Dabei beschränken sich die einzelnen "Kalenderblätter" nicht auf politische Ereignisse, sondern geben auch Einblicke in Unterhaltung, Kultur und Sport in beiden deutschen Staaten.

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