BR-alpha - Schulfernsehen

60 x Deutschland – Die Jahresschau Das Jahr 1978

1978 ist das Jahr der "Romeos". So heißen im Jargon der DDR- Staatssicherheit männliche Agenten, die im Westen liebesbedürftige Mitarbeiterinnen wichtiger Ämter für Spionagetätigkeiten anwerben. Auch im Weltraum "punktet" der Osten: Kosmonaut Sigmund Jähn wird Honeckers erster Mann im All.

Von: Volker Eklkofer & Simon Demmelhuber, ein Film von Johannes Unger u.a. Stand: 30.03.2012
Sigmund Jähn | Bild: picture-alliance/dpa

Für die Deutschen ist 1978 ein eher ruhiges Jahr. In Westen werden Spionagefälle bekannt, die Bundesverteidigungsminister Georg Leber das Amt kosten. Leber übernimmt die politische Verantwortung für Ermittlungspannen des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) unter anderem im Spionagefall Lutze. Die Sekretärin Renate Lutze und andere Vorzimmerdamen von bundesdeutschen Politikern haben für Ost-Geheimdienste gearbeitet, einige Spioninnen können vor der Festnahme untertauchen. Meist verliebten sich die Frauen in attraktive "Romeos" – Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes – und ließen sich zur Agententätigkeit überreden. Die Affäre sorgt für Trubel in Bonn und bei einem Krisentreffen von Parlamentariern schickt der Vorsitzende die Teilnehmer mit den Worten in die Pause: "Ich unterbreche die Sitzung für fünf Minuten, damit jeder mal nachsehen kann, ob seine Dame noch da ist".

Filbinger und der Sturz eines "furchtbaren Juristen"

Im August tritt Hans Karl Filbinger (CDU), der Ministerpräsident von Baden-Württemberg zurück. Als Marine-Stabsrichter war er während der NS-Zeit an drei Todesurteilen beteiligt. Filbinger sieht sich als Opfer. Er spricht von "einer Rufmordkampagne, die bisher in der Bundesrepublik noch nie vorhanden war". Lothar Späth (CDU), der bisherige Innenminister, wird neuer Regierungschef in Stuttgart.

Sigmund Jähn: Ostberlins Mann im All

In der DDR ist die Freude über den gelungenen Weltraumflug des Kosmonauten Sigmund Jähn groß. Am 26. August startet der Luftwaffenoffizier in Baikonur als erster Deutscher ins All. Zusammen mit zwei Russen fliegt er mit der "Sojus 31" zur bemannten Raumstation "Saljut 6". Jähn landet am 3. September wieder in Kasachstan. Bei seiner Rückkehr in die DDR wird er als Held gefeiert.

Verärgert reagieren kirchennahe DDR-Bürger auf die Einführung des obligatorischen Wehrunterrichts mit Beginn des Schuljahres 1978/79. Militärische Kenntnisse und Leistungen (Schießübungen etc.) werden fortan begünstigt. Einige Familien wagen es, den Unterricht zu boykottieren, sogar einzelne Lehrkräfte protestieren. Ingesamt beschweren sich mehr als 4.000 Menschen bei staatlichen und kirchlichen Stellen über den Wehrunterricht.

Informationen zur Sendereihe

Mit der Reihe "60 x Deutschland" präsentiert das Schulfernsehen einen bunten, von Sandra Maischberger moderierten History-Mix. Ausgehend von der doppelten Staatsgründung 1949 ist jedem Jahr eine 15-minütige Folge gewidmet. Schwerpunkt der Chronik ist der Konkurrenzkampf zweier jahrelang miteinander konkurrierender Gesellschaftssysteme. Dabei beschränken sich die einzelnen "Kalenderblätter" nicht auf politische Ereignisse, sondern geben auch Einblicke in Unterhaltung, Kultur und Sport in beiden deutschen Staaten.


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