60 x Deutschland - Die Jahresschau Das Jahr 1951
Die Bundesrepublik ist 1951 auf dem Weg in die Normalität. Schutt und Trümmer sind weggeräumt, der Lebensstandard der Bürger steigt. Da bleibt Zeit, über einen Film zu streiten: Willi Forsts "Sünderin". Die einen halten den Streifen für ein Meisterwerk, die anderen für unmoralischen Schund.
Wenngleich der wirtschaftliche Aufschwung im Westen allmählich für die Bürger spürbar wird, sind in den Städten noch immer "Trümmerfrauen" zu sehen. Seit Jahren kümmern sie sich um die Aufräumarbeiten und bereiten die Steine der zerbombten Häuser zur Weiterverwendung auf. Die Frauen werden zum Symbol für das besiegte, zerstörte, aber wiederaufbaubereite Deutschland. In dieser Zeit gibt es in West und Ost ein beträchtliches demographisches Ungleichgewicht: In den mittleren Jahrgängen kommen zwei Frauen auf einen Mann. Etwa vier Millionen Wehrmachtssoldaten sind im Zweiten Weltkrieg gefallen, zahlreiche Männer befinden sich noch immer in russischer Kriegsgefangenschaft, viele heimgekehrte Väter und Ehemänner sind - physisch und psychisch stark geschwächt - nur bedingt arbeitsfähig.
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So kommt es, dass die Frauen das Alltagsleben dominieren. Politischen Einfluss erringen sie jedoch nicht. In vielen Familien kommt es zu Spannungen zwischen Frauen und ihren Männern, die mehr und mehr die früheren Positionen zurückerobern möchten. Ein Beleg für diese Konflikte sind die hohen Scheidungszahlen bis zu Beginn der 50er Jahre. Zu Zeiten der Kanzlerschaft Konrad Adenauers wird die alte Geschlechterordnung jedoch wiederhergestellt.
Weitgehend ohne Hilfe von außen (z. B. Marshall-Plan im Westen) gelingt es der DDR zunächst, das zerrüttete Wirtschaftssystem in Ostdeutschland wiederaufzubauen. So steigt die Rohstahlerzeugung von 150.000 Tonnen im Jahr 1946 bis 1952/53 auf 2,1 Millionen Tonnen. Auch in der Energiewirtschaft und in der chemischen Industrie gibt es beträchtliche Fortschritte. Und während sich die Schaufenster im Westen mehr und mehr füllen, bleibt die Entwicklung der ostdeutschen Konsumgüterindustrie zurück.
Große Bedeutung misst Bundeskanzler Adenauer der Unterzeichnung des Vertrags über die Montanunion, der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, am 18. April 1951 in Paris zu. Die Zusammenlegung der Stahlproduktion Deutschlands, Frankreichs und anderer interessierter europäischer Länder hatte der französische Außenminister Robert Schuman im Mai 1950 vorgeschlagen. Die Bundesregierung erhofft sich von der Montanunion politische Gleichberechtigung, Frankreich die Kontrolle des westdeutschen Rüstungs- und Wirtschaftspotentials.
Und während bundesdeutsche Zöllner an den Grenzen Jagd auf Schmuggler machen, wird vor allem im Ruhrgebiet kräftig gebaut. Neubausiedlungen für Arbeiter entstehen, was diese zusätzlich motiviert. Dank Moped und Motorrad sind die Deutschen wieder mobil geworden. Im Westen läuft die Produktion von Kleinwagen an (z. B. NSU-Prinz) und auch das Interesse am Motorsport wächst. 1951 sind die „Silberpfeile“ von Mercedes wieder auf Rennstrecken zu sehen.
Für die DDR sind die Weltjugendfestspiele 1951 ein Großereignis mit Massenaufmärschen. In der Bundesrepublik wird Conny Froboess Lied "Pack die Badehose ein" zum Hit und der Film "Die Sünderin" mit Hildegard Knef in der Hauptrolle ruft einen Skandal hervor. In einer kurzen Szene ist die Hauptdarstellerin nackt zu sehen. Vor allem die katholische Kirche macht gegen den Film mobil.
Informationen zur Sendereihe
Mit der Reihe "60 x Deutschland" präsentiert das Schulfernsehen einen bunten, von Sandra Maischberger moderierten History-Mix. Ausgehend von der doppelten Staatsgründung 1949 ist jedem Jahr eine 15-minütige Folge gewidmet. Schwerpunkt der Chronik sind die deutsche Teilung und der Konkurrenzkampf zweier jahrelang miteinander konkurrierender Gesellschaftssysteme. Dabei beschränken sich die einzelnen "Kalenderblätter" nicht auf politische Ereignisse, sondern geben auch Einblicke in Unterhaltung, Kultur und Sport in beiden deutschen Staaten.

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