Die Galapagos-Inseln (1) Paradiese aus dem Nichts
Im Ostpazifik – rund eintausend Kilometer vom südamerikanischen Festland entfernt – liegt der zu Ecuador gehörende Galapagos-Archipel: 14 größere und an die hundert kleinere bis winzige Inseln vulkanischen Ursprungs, die zu den artenreichsten Biotopen der Welt zählen.
Meeresströmungen begünstigen warmgemäßigtes Klima am Äquator
Trotz seiner Äquatornähe besitzt Galapagos kein dauerfeuchtes und tropisches, sondern subtropisches bis warmgemäßigtes Klima. In der Regenzeit von Januar bis April beträgt die Lufttemperatur ca. 27 Grad Celsius, in der der Trockenzeit von Juni bis November zeigt das Thermometer rund 21 Grad Celsius.
Auch die Temperaturen des Meerwassers erreichen selbst in der Regenzeit kaum mehr als 25 Grad, fallen in der Trockenzeit aber nicht selten sogar unter die 20-Gradmarke. Der Grund für diese Witterungsbedingungen sind zwei Meeresströmungen, die sich bei Galapagos kreuzen: Der Humboldt-Strom transportiert rund 20 Grad kühles, teilweise aus der Antarktis, teilweise aus tieferen Lagen stammendes, mineralstoffreiches Wasser von Süden heran, der von Norden zufließende Panama-Strom bringt 25 bis 28 Grad warmes Wasser. Zusätzlich treibt in wenigen hundert Metern Tiefe der erst 1952 entdeckte Cromwell-Strom von Westen her kalte Wassermassen nach Galapagos.
Vegetationszonen und typische Bewohner
Ein Merkmal der Inseln sind stark ausgeprägte und dicht gestaffelte Vegetationszonen, die sich durch ihre Höhenlage über dem Meeresspiegel und die Niederschlagsmenge unterscheiden.
- Typisch für die Küstenzone (0 – 10 Meter) sind vor allem die Mangroven. Als immergrüne Pflanzen der Tropen und Subtropen haben sie sich bestens an die extremen Bedingungen im Küstenbereich (Salzwasser, Wellenschlag, Gezeitenhub) angepasst. Sie wird von Pelikanen, Galapagos-Seelöwen, Ohrenrobben und Galapagos-Pinguinen und gelegentlich auch Flamingos bewohnt.
- Die Trockenzone (10 –100 Meter) erstreckt sich über den größten Teil von Galapagos. Wasser gibt es hier nur während der Regenzeit, aber selbst das versickert schnell im porösen Lavagestein. Da der Boden nur sehr langsam verwittert, kann sich kaum eine Humusschicht bilden. Entsprechend dürftig ist die Vegetation: Abgesehen von einzelnen Akazien, Palo-Santo-Bäumen, Dornensträuchern oder Büschen prägen insbesondere die Kakteen diese Zone. Im Geäst der Trockengewächse suchen verschiedene Arten der Darwin-Finken (Kaktusfink, Grundfinken) oder der Goldwaldsänger nach Nahrung. Das auffälligste Tier der Trockenzone ist aber zweifellos der meist ockergelbe Landleguan oder Drusenkopf, den es nur auf Galapagos gibt.
- In einer Übergangszone (100 – 200 Meter) nehmen aufgrund von Steigungsregen die Niederschlagsmengen deutlich zu. Von unten nach oben gehen die Pflanzen der Trockenzone daher langsam in immergrüne Arten über. Unter anderem findet man dort Korallenbäume oder die Galapagos-Guave.
- Typisch für die Scalesien-Zone (200 – 400 Meter) ist der Galapagos-Regenwald. Gefördert durch häufige Niederschläge zeigt sich hier ganzjährig eine üppige Vegetation. Die Leitpflanze dieses Bereichs ist die Scalesia, ein nur auf Galapagos vorkommender Korbblütler. In den dichten Scalesien-Wäldern wachsen bis zu 15 Meter hohe Exemplare, die sich erst in etwa 10 Meter Höhe verzweigen. An ihnen gedeihen viele Epiphyten (Pflanzen, die auf anderen wachsen, ohne sie zu schädigen), Kletterpflanzen, Farne, Bromelien oder Tillandsien. Allerdings ist der Galapagos-Regenwald – im Vergleich zum südamerikanischen – arm an Tieren. Allenfalls kann man im Geäst gelegentlich Vögel beobachten wie beispielsweise den farbenprächtigen Rubintyrann, einen Fliegenschnäpper, der auch auf den amerikanischen Kontinenten zu Hause ist.
- Das Hochland (über 400 Meter) wird vielfach von lichten Wäldern aus nicht heimischen Chinarindenbäumen sowie von Seggen, Gräsern und Moosen geprägt. In dieser von den Einheimischen als Pampa bezeichneten Landschaft gibt es vielfach Tümpel und Wasserstellen. Dort trifft man am ehesten auch noch die riesigen Elefantenschildkröten an, die den Inseln den Namen gegeben haben. Die bis zu 300 Kilogramm schweren und 120 Zentimeter langen Tiere baden und trinken dort, stellen aber vorher durch eine Geruchsprobe fest, ob das Wasser nicht etwa von Wildschweinen verunreinigt wurde.

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