alpha-Forum Wissenschaft Elite, Exzellenz und Plagiate - die Unis in der Kritik
Der Fall Guttenberg hat das Problem von Plagiaten ins Zentrum einer Diskussion gerückt, die nicht mehr nur im universitären Rahmen geführt wird. Ist die Plagiatsdebatte ein Hinweis auf ein strukturelles Problem des deutschen Wissenschaftsbetriebs? Wie kann das Verfahren zur Betreuung und Beurteilung akademischer Leistungen verbessert werden?
Was ist ein Doktortitel heute noch wert? Spätestens seit dem Fall Guttenberg wird diese Frage auch über akademische Kreise hinaus kontrovers diskutiert. Und mit jedem weiteren nachgewiesenen oder vermuteten Plagiat in der Dissertation eines mehr oder weniger prominenten Doktoranden scheint das Renommee des Doktorhuts unwiederbringlich dahinzuschwinden.
Vielleicht hängt dieser Fall eines Titels ja auch mit der besonderen Wertschätzung, ja Verehrung zusammen, der speziell in Deutschland der Frau Doktor oder dem Herrn Doktor lange Zeit entgegengebracht wurde. Dass Dissertationen gerade in früheren Jahrzehnten mitunter von Umfang und Tiefgang her nicht hielten, was sie versprachen, mag auch mit der familiären Atmosphäre zu tun haben, in der sie entstanden.
In Frankreich zum Beispiel ist der Begriff "Doktorvater" unbekannt. Dort wird die Doktorarbeit (sie nennt sich nicht grundlos "Thèse") in einer öffentlichen Veranstaltung vor einer Jury verteidigt. Und während in Deutschland der Doktortitel noch immer als eine deutliche Verbesserung beim Einstieg in die meisten Berufsfelder gilt, promoviert an französischen Unis in der Regel nur, wer in der Wissenschaft bleiben möchte.
Ist das vielleicht auch ein Indiz für veraltete Strukturen der Nachwuchsförderung an deutschen Universitäten? Zwar hat die Exzellenzinitiative in den letzten Jahren viele Instrumente und auch neue Stellen geschaffen. An den Instituten und Lehrstühlen findet man trotzdem genügend junger Wissenschaftler, die über mangelnde berufliche Perspektiven klagen. Die Zahl derer, die im akademischen Mittelbau "stecken bleiben" oder sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag retten, scheint eher zu- als abzunehmen. Nachbarländer wie die Schweiz beklagen bereits eine deutsche "Wissenschaftlerschwemme" an ihren Universitäten.
Offenbart die Debatte um Plagiate ein strukturelles Problem des deutschen Wissenschaftsbetriebs? Was bringen Forschungscluster und Drittmittelförderung? Wie kann das Verfahren zur Betreuung und Beurteilung akademischer Leistungen verbessert werden? Und was ist der Doktorhut heute noch wert?
Darüber diskutiert Martin Posselt mit der Kunsthistorikerin Prof. Dr. Bénédicte Savoy, dem Osteuropahistoriker Prof. Dr. Martin Schulze Wessel und dem Wissenschaftshistoriker Dr. Caspar Hirschi.

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