Collegium Alexandrinum Körperliche Bewegung und Sport im Alter
Von wissenschaftlicher Seite ist Bewegung als ein wichtiges Instrument für den Erhalt der Selbständigkeit, der Gesundheit und der Lebensqualität nachgewiesen worden. Dabei wird der Begriff "Gesundheit" mehrdimensional mit einem bio-psycho-sozialen Ressourcenansatz verstanden.
Das bedeutet, dass über Bewegung die Ressourcen des älteren Menschen gestärkt und damit auf den Erhalt der Selbständigkeit und der Gesundheit positiv eingewirkt wird. In unzähligen wissenschaftlichen Studien wurde der negative Einfluss eines inaktiven Lebensstils auf die Gesundheit, Lebensqualität und den Erhalt der Selbständigkeit nachgewiesen.
Doch wie viel Bewegung und welche Art von Bewegung unterstützen im positiven Sinne die Gesundheit? Muss man dazu Sport treiben oder reicht die "einfache" Alltagsbewegung aus? Um diese Fragen zu beantworten, ist es notwendig, die Begriffe körperliche Aktivität und Sport zu trennen.
Körperliche Aktivität wird als Oberbegriff gesehen, der jede Bewegung eingeschließt, die durch den Skelettmuskel produziert wird. Dabei wird der Energieverbrauch über den Grundumsatz angehoben. Sport wiederum ist eine Untergruppe von körperlicher Aktivität. Sport beinhaltet traditionell individuelle Leistung sowie Wettkampf einhergehend mit der Verbesserung spezifischer Bewegungen und der Fitnesssteigerung.
In einem aktuellen Übersichtsartikel von Powell 2011 [1] wurde aufgezeigt, dass es für die gesundheitliche Prävention in der Tat eine Rolle spielt, wie lange und mit welcher Intensität man körperlich aktiv ist. In einer Empfehlung von 2007 [2] sowie 2009 [3] wird angegeben, dass ältere Menschen sich an mindestens fünf Tagen pro Woche für ca. 30 Minuten so bewegen sollen, dass sie leicht schwitzen, schneller atmen und das Gefühl haben, leicht ermüdet zu sein. Hierunter fallen Alltagsbewegungen wie z.B. Treppen steigen, Einkaufen gehen, leichte Gartenarbeit etc.
Der Vortrag befasst sich mit dem Unterschied von körperlicher Aktivität und Sport im Alter und den entsprechenden Vor- und Nachteilen.
Literaturhinweise
- [1] Powell KE, Paluch AE, Blair SN. Physical Activity for Health: What Kind? How Much? How Intense? On Top of What? Annual review of public health. 2011;32(1):349-65
- [2] NELSON M, REJESKI, WJ., BLAIR, SN., DUNCAN, PW., JUDGE, JO., KING, AC., MACERA, CA., CASTANEDA-SCEPPA, C. . Physical Activity and Public Health in Older Adults: Recommendation from the American College of Sports Medicine and the American Heart Association. Med & Science in Sports & Exercise. 2007;39(8):1435-45
- [3] Chodzko-Zajko WJ, Proctor DN, Fiatarone Singh MA, Minson CT, Nigg CR, Salem GJ, et al. American College of Sports Medicine position stand. Exercise and physical activity for older adults. Med Sci Sports Exerc. [Practice Guideline]. 2009 Jul;41(7):1510-30
- [4] Bundesinitiative Stuzrprävention B. Empfehlungspapier für das körperliche Training zur Sturzprävention bei älteren, zu Hause lebenden Menschen. 2009
- [5] Dias N, Kempen GI, Todd CJ, Beyer N, Freiberger E, Piot-Ziegler C, et al. The German version of the Falls Efficacy Scale-International Version (FES-I). Z Gerontol Geriat. 2006;39(4):297-300
- [6] Freiberger E, Menz, HB. Characteristics of falls in physically active community-dwelling older people. Z Gerontol Geriat. 2006;39(4):261-7
- [7] Freiberger E, Vreede P. Falls recall-limitations of the most used inclusion criteria. European Review of Aging and Physical Activity. 2011:1–4
- [8] Freiberger EM, H B., Abu-Omar, K., Rutten, A. Preventing falls in physically active community-dwelling older people: a comparison of two intervention techniques. Gerontology. 2007;53(5):298-305
- [9] Gaßmann KG, Rupprecht, R., Freiberger, E. Predictors for occasional and recurrent falls in community-dwelling older people. Z Gerontol Geriatr. 2008;e-pub
- [10] Freiberger E, Sieber C, Pfeifer K. Physical activity, exercise, and sarcopenia - future challenges. Wien Med Wochenschr. 2011 Jul 29.
Dr. Ellen Freiberger
Institut für Sportwissenschaft und Sport, Universität Erlangen-Nürnberg
Abschluss Diplom Sportwissenschaft in Köln (1980) und Abschluss als Diplom Psychogerontologin (1996) sowie Promotion in der Sportwissenschaft (2001). Seit 1999 am Institut für Sportwissenschaft und Sport der Universität Erlangen-Nürnberg. Forschung im Bereich Koordination bei älteren Menschen und seit 2003 Leitung des Forschungsprojekts "Standfest im Alter" mit dem Ziel die Sturzanzahl und Sturzhäufigkeit bei selbständig lebenden 70 bis 90 Jährigen zu reduzieren. Seit 2003 assoziiertes Mitglied des Europäischen Netzwerks für Sturzprävention (PROFANE und seit 2006 Mitglied des Steering Kommittes vom Europäischen Netzwerks EUNAAPA (European Action on Aging and Physical Activity).
Organisation von drei internationalen Symposien (2003, 2005, 2009) zum Thema Sturz bei älteren Menschen am Institut für Sportwissenschaft und Sport in Erlangen. Publikationen im nationalen und internationalen Raum zum Thema Bewegung, Sturzprävention im Alter sind von Dr. Ellen Freiberger publiziert worden [4-10].
Außerdem leitete Ellen Freiberger von 2001-2010 den auslaufenden Studiengang Sportwissenschaft Vordiplom. Seit 2008 ist sie auch in der Leitung des internationalen, englischsprachigen Masterstudiengangs "Physical Activity & Health" tätig.
Weiterführende Links
- Deutscher Turner Bund: Jung bleiben! [dtb-online.de]
- US-National Institute of Health: Exercise & Physical Activity [nia.nih.gov]
- WHO: Physical Activity and Older Adults [who.int]
- European Network for Action on Ageing and Physical Activity [eunaapa.org]
- Richtig fit ab 50 [richtigfit-ab50.de]
- Aging and Physical Activity Links [agingblueprint.org]
- Canadian Centre for Activity and Aging [uwo.ca]
- Center for Healthy Aging [healthyagingprograms.org]

Wetter


