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Traumjob statt Praktikum Goldene Zeiten auf dem Arbeitsmarkt?

Finde ich je einen richtigen Job? Die Angst, im Arbeitsleben erst gar keine Chance zu bekommen, macht Berufseinsteiger zur allzeit verfügbaren „Generation Praktikum“. Doch die Zahl der Arbeitnehmer soll in den nächsten Jahren um Millionen sinken, immer mehr Jüngere kommen schon jetzt gut in den Arbeitsmarkt hinein. Erwartet sie eine Zukunft ohne Angst vor Arbeitslosigkeit?

Autor: Juri Köster Stand: 30.01.2012
Generation Praktikum | Bild: BR

Konkurrenz um Arbeitskräfte

Die neue Generation 20–30-Jähriger erlebt die ersten Auswirkungen des demografischen Wandels. Schon heute befindet sich der Arbeitsmarkt im Umbruch. Die Arbeitslosenzahlen sind so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Das IAB, das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in Nürnberg, prognostiziert bis 2025 einen Rückgang des Arbeitskräfteangebots um 6,7 Millionen Menschen. Auch wenn immer mehr Frauen, Ältere und Ausländer frei werdende Arbeitsstellen übernehmen, kann das diesen Mangel nicht annähernd ausgleichen. Viele Unternehmen konkurrieren jetzt schon um Ingenieure oder Maschinenbauer. Unter Hochdruck entwickeln die Personalabteilungen großer Konzerne wie zum Beispiel BMW Pläne, wie sie in Zukunft den Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern decken können.

Ausnahme Kreativbranche

Doch nicht für alle Berufseinsteiger ist der Umschwung bereits spürbar: Elisabeth Huber begeistert sich schon als Kind für Mode. Sie macht eine Schneiderlehre und arbeitet bei den bekannten Münchner Designern Talbot und Runhof. An der Meisterschule für Mode in München gehört sie zu den Besten und wird sogar ausgewählt, die Kleider des Prinzenpaars bei der Jubiläumswiesn 2010 zu entwerfen und zu schneidern. Aber als sie sich anschließend mit großem Optimismus bei großen Modefirmen bewirbt, bekommt sie trotz ihres sehr guten Abschlusses nur Absagen. Wie für viele in der Kreativbranche bleibt ihr kein anderer Weg als der Schritt in die Selbstständigkeit.

Auch Dominik Hahn träumt als Schüler davon, kreativ arbeiten zu können. Lange will er Journalist werden, doch während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft entdeckt er durch Praktika seine Lust daran, im Marketing zu arbeiten. Nach seinem Abschluss entscheidet er sich für eine Stelle im Personalmarketing der Allianz. In sozialen Netzwerken und auf Arbeitsmessen soll er frühzeitig die besten Nachwuchskräfte für den Versicherungsriesen gewinnen. Er erlebt hautnah, wie sehr große Konzerne immer mehr Mittel darauf verwenden, sich junge, gut qualifizierte Arbeitskräfte zu sichern.

Große Chancen, hohe Ansprüche

Sebastian Wolfsteiner steht kurz vor seinem Abschluss in technischer Wirtschaftswissenschaft an der Technischen Universität München. Beim „Jobathlon“, einer Veranstaltung, bei der die Studenteninitiative „IKOM“ attraktive Arbeitgeber und engagierte Studenten zusammenbringt, hat er die Gelegenheit, an einem Tag drei Münchner Großkonzerne kennen zu lernen. Deren Mitarbeiter versuchen Studenten wie Sebastian Wolfsteiner für ihre Firmen zu begeistern, stellen dabei aber auch hohe Ansprüche an die Qualität der Bewerber.

Auf dem Arbeitsmarkt für junge Akademiker geht es nicht mehr nur um Noten, sondern auch zunehmend um Qualitäten wie soziale Kompetenzen, Erfahrungen im Ausland und Aktivitäten neben dem Studium. Sebastian Wolfsteiner sieht deswegen seiner Zukunft mit viel Zuversicht entgegen. Er hat nicht nur gute Noten, sondern engagiert sich auch als Vorsitzender der Studenteninitiative „Start-Munich“. Sie will Studenten zu mehr wirtschaftlicher Eigeninitiative ermutigen und den Kontakt zwischen kleineren Firmen und Studenten verbessern.

In vielen technischen und wirtschaftlichen Fächern herrscht ein Patt zwischen Bewerbern und Konzernen: Gute Absolventen können etwas fordern, die begehrten Arbeitgeber haben aber auch noch genug Auswahl zwischen den Bewerbern. Doch in einigen Fächern hat sich das Kräfteverhältnis schon gedreht: Versicherungskonzernen fehlt es zum Beispiel jetzt schon an Absolventen im Bereich Informatik oder Versicherungsmathematik. In 10 Jahren wird es zwei Millionen weniger junge Arbeitnehmer geben. Das heißt, dass Berufseinsteiger in immer mehr Branchen umworben sein werden.

Klare Ziele

Je konkreter die Ausbildung auf einen Beruf hinführt, desto schneller werden die Absolventen in der Regel den Berufseinstieg schaffen. Das gilt für Lehrberufe, genauso wie für technisch oder wirtschaftlich ausgerichtete Studiengänge. Dagegen müssen Studenten von Geistes- und Sozialwissenschaften ihre Nische am Arbeitsmarkt meist erst finden. Schwierig bleibt die Lage auch im gestalterischen Bereich. Je größer der kreative Anspruch, desto schwerer wird der Berufseinstieg bleiben. Doch das Beispiel von Elisabeth Huber zeigt, dass man mit Beharrlichkeit auch in kreativen Berufen durchsetzen kann. Nach einem knappen Jahr Selbstständigkeit findet sie schließlich ihren Traumjob bei einer international renommierten Modefirma.