Frauen starten durch Neue Chancen auch für Männer?
Gut ausgebildete Frauen erobern die Arbeitswelt und ihr Erfolg verändert die Spielregeln – für die Männer. Wie kann es aussehen, das neue Rollenbild - und wie wirkt sich der beginnende Trend zum "neuen" Mann in Privat- und Berufsleben aus?
Auf Männer richten sich heute andere Erwartungen als noch vor einer Generation. Campus Doku will herausfinden welche – und die eigenen Erwartungen der Männer an sich selbst kennenlernen: Sind sie womöglich die Gewinner einer neuen Rollenverteilung? Was weiß die Wissenschaft über diesen gesellschaftlichen Wandel und wie begleitet sie ihn?
Manfred Pregler wurde mit 45 Jahren Vater. Seitdem betreut er die jetzt dreijährige kleine Franziska. Seine Frau Petra Pregler macht inzwischen Karriere und trägt die Hauptverantwortung für das Familieneinkommen. Campus Doku begleitet die moderne Familie, trifft Manfred beim Spielen, in seiner neuen Teilzeit-Stelle, in der Freizeit und erfährt so, wie Manfred damit zurechtkommt, die eigene Karriere hintanzustellen, wie er sich als Vater erlebt und welche Chancen aber auch Hindernisse der Rollentausch seiner Familie beschert. Ist er Vorreiter oder Exot?
Deutschlands größte Langzeitstudie zu Bildung und Erwerbstätgkeit hat der Soziologe Hans-Peter Blossfeld am Institut für Familienforschung in Bamberg durchgeführt. Er erklärt, dass sich Rollenmuster hierzulande weiterhin am traditionellen Modell orientieren. Obwohl Frauen deutlich besser gebildet sind als vor 30 Jahren, arbeitet in der Regel der Mann Vollzeit, während die Frau ihre Karriere aufgibt sobald Kinder da sind.
Andreas Zeising ist modern und traditionell: mit 29 Jahren gerade Vater geworden, nutzt der Betriebswirt die familienfreundlichen Angebote seines Arbeitgebers Audi. Wie rund 900 andere Väter in diesem Jahr kann Andreas Zeising problemlos Elternzeit nehmen und flexibel wieder einsteigen, dank Telearbeit und betriebseigener Kinderbetreuung. Einen Rollentausch mit seiner Frau wünscht sich der junge Vater nicht: Freude an der Arbeit und Erfolg im Beruf sind für Andreas Zeising entscheidend. Trotzdem: Andreas Zeising ist auch seine work-life Balance wichtig. Er ist ein typischer Vertreter seiner "Generation Y", die Leistung bringen will, sich dabei aber berufliche und private Verwirklichung wünscht.
Dieses wachsende Bedürfnis bei Männern beobachtet auch Hildegard Macha: Die Leiterin der Genderforschungsstelle der Universität Augsburg untersucht, welche (politischen) Maßnahmen dabei helfen, beiden Geschlechtern echte Chancengleichheit zu ermöglichen. Ihr Fazit: der Wunsch nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf wächst bei Frauen und Männern gleichermaßen. Die Unternehmen haben an der Vereinbarkeit von Kind und Beruf immer mehr Interesse, weil durch den demographischen Wandel bereits knapp die Hälfte der bayerischen Unternehmen den Fachkräftemangel spürt und Frauen wie Männer für sich gewinnen will.
Vincent Weikinger erlebt den Fachkräftemangel in umgekehrter Richtung: als Chance, sich in einem "Frauenjob" zu bewähren. Nach einem Jahr Steinmetzlehre macht der 19-jährige ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Montessori-Kindertagesstätte Biberkor bei Starnberg. Dabei ist er weniger dem Ruf nach: "Mehr Männer(n) in Kitas" gefolgt als seinen Vorstellungen von einer sinnvollen Arbeit, die ihm liegt und zu ihm passt. Er freut sich über die Bestätigung seiner Leistung und seiner Selbst durch die Kinder und Kolleginnen. Frei von Geschlechterklischees würde Vincent Waikinger dann gern Erzieher werden.
Campus Doku fragt den Wirtschaftspsychologen Hugo Kehr von der School of Management der TU München: Was motiviert Menschen bei ihrer Arbeit, wie finden sie auch im Privatleben ihren Weg und welche Motive haben Männer, ihr Rollenmodell neu zu bestimmen?
So wie Mehmet Köse: Der 18-jährige Wirtschaftsschüler engagiert sich mit acht weiteren jungen Männern bei dem Augsburger Projekt "Heroes". Sie stammen aus sogenannten Ehrenkulturen. Dort herrscht ein traditionelles Bild von Ehre, von Rechten und Aufgaben bei Männern und Frauen, das oft im Widerspruch zum gleichberechtigen Rollenbild in Deutschland steht. Deshalb will Mehmet versuchen, seine Religion, die Tradition seines Elternhauses und sein modernes Männer-Ideal miteinander zu verbinden.
Die "Heroes" diskutieren über gesellschaftliche, politische und moralische Fragen. Und das wollen sie auch in Schulen tun, um bei anderen Jugendlichen ihre Vorstellung von persönlicher Freiheit zu verbreiten. Mehmet ist für ein neues männliches Selbstbewusstsein, das seine Wurzeln nicht vergisst, aber Männern und Frauen das Recht zugesteht, nach eigenen Vorstellungen zu leben – das freiheitliche Rollenbild ist das Ziel der Heroes.
Quer durch die Milieus: Das Männerbild verändert sich, es wird vielfältiger. Männer wollen den Wandel hin zu einer Gesellschaft, in der ein erfolgreicher Mann sich nicht ausschließlich durch Arbeitsleistung definiert, sondern sich auch in der Familie verwirklicht. So haben Männer eines auf jeden Fall gewonnen: mehr Wahlfreiheit – sie können ihr Leben individuell gestalten und ihr Männerbild selbst definieren.
- Programme der Genderforschung in Augsburg [vbw-bayern.de/]
- Bundesministerium für Familie: “ Mehr Männer in Kitas“ [mikitas.de]
- Bundeszentrale für politische Bildung zum Stand der Männerforschung [bpb.de]
- Projekt "Heroes" [heroes-augsburg.de]
- Familienfreundliche Wirtschaft in Deutschland [erfolgsfaktor-familie.de]

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