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Lange Nacht der Wissenschaft Wasser als Schlüssel zur Nachhaltigkeit?

Die Grenzen des Wachstums mahnte der Club of Rome bereits 1972 an. Die Welt war geschockt und setzte doch die Ausbeutung des Planeten fort. Doch wie lange lässt sich die Biosphäre noch überstrapazieren? Ein Blick auf den Rohstoff Wasser zeigt, wie dringend ein Umdenken zu mehr Nachhaltigkeit ist.

Von: Alexander Seibold Stand: 26.07.2012
ausgetrockneter Stausee, Dürre auf Mallorca | Bild: picture-alliance/dpa

Umweltverbände und Experten warnen in regelmäßigen Abschnitten: Unser Planet könnte bald die Strapazen, die die menschliche Entwicklung mit sich bringt – das industrielle Wachstum, der rücksichtslose Raubbau der Bodenschätze oder die Überbevölkerung – nicht mehr verkraften. Schon jetzt gibt der heraufziehende Klimawandel eine Vorahnung davon, wie sich die menschengemachte Zerstörung der Biosphäre auswirken könnte.

Schlüsselbegriff Nachhaltigkeit

In der Diskussion um Auswege aus dem Dilemma ist viel von Nachhaltigkeit die Rede. Dabei meint dieser neue Schlüsselbegriff nur etwas, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Der Mensch nutzt die Erde in einer Weise, dass ihr Öko-System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise regeneriert werden kann. Im Moment kann die Verfügbarkeit von Ressourcen nicht mit dem menschlichen Drang nach billigem, bequemem und möglichst schnellen Wohlstand mithalten.  Da der Planet Erde aber als System begrenzt ist, müsste es längst darum gehen, die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten zu minimieren, ebenso wie die Ressourcen-Entnahme aus der Erde.

Das Trinkwasser wird noch knapper werden

An der Ressource Wasser zeigt sich bereits deutlich, wie sensibel das wechselseitige Verhältnis zwischen dem Menschen und seinem Lebensraum ist. Ohne frisches Wasser kann die biologische Welt und mit ihr der Mensch nicht überleben. Dabei ist die Interaktion des Menschen mit der Biosphäre von entscheidender Bedeutung. Die knappe Ressource Trinkwasser ist bedroht durch die Verschmutzung durch industrielle Aktivitäten, durch die Landwirtschaft, oder durch den Lebensstil der Industriegesellschaften. Die Perspektive einer erheblichen Zunahme der Weltbevölkerung in den nächsten fünfzig Jahren ist in Bezug auf die Trinkwasserversorgung beängstigend. Nicht nur, weil es mehr Durst gibt, sondern auch mehr Hunger. So wird auch die Tierhaltung für die menschliche Ernährung zunehmen und auch dadurch der Wasserverbrauch enorm ansteigen. Doch wie kann die Menschheit der Logik einer konsumorientierten, auf Verschleiß getrimmten, weltweiten Wirtschaftskreislauf und der Ausbeutung der Natur und ihrer Rohstoffe entkommen?

Vom anthropozentrischen zum ökozentrierten Weltbild

Zum einen gilt es für Prof. Dr. Weiler nun auszuformulieren, was Nachhaltigkeit in verschiedenen Kontexten konkret bedeutet, z.B. bei der Frage, wie wir unser Trinkwasser vor industriellen oder agrarischen Einflüssen schützen und wasserarme Gebiete auf lange Sicht mit frischem Wasser versorgen können. Zum anderen ist es notwendig, der Menschheit eine übergreifende Vision für eine nachhaltige Zukunft zu verpassen. Die Gaia-Theorie von James Lovelock etwa ist ein vorläufiges Konzept für eine ganzheitliche Sicht auf die Natur als ein sich selbst regulierendes System. Die Erde wird in dieser Theorie als ein Lebewesen begriffen, als ein gigantischer Organismus, dessen Existenz durch menschliche Aktivitäten aus dem Gleichgewicht geworfen wurde. Nach Ansicht des Club of Rome–Präsidenten Raoul Weilern ist auf lange Sicht eine Verlagerung von einer anthropozentrischen Weltsicht hin zu einer ökozentrierten Weltsicht unvermeidbar.

Prof. Dr. Raoul Weiler

ist Präsident der europäischen Sektion des Club of Rome. Während seiner beruflichen Tätigkeit im Bereich der angewandten Forschung bei einem multinationalen Chemieunternehmen engagierte sich der promovierte Agrarwissenschaftler als Präsident der Königlich Flämischen Engineers Association, einer internationalen Vereinigung von 11.000 Ingenieuren. Weiler nimmt verschiedene Lehraufträge an Universitäten wahr und lehrt an der University of Leuven über die Beziehungen zwischen Technologie und Gesellschaft.

Ausgewählte Publikationen

  • James Lovelock: Die Rache der Gaia, 2006.

Geoffrey West: Integrierte Nachhaltigkeit und die zugrunde liegende Bedrohung der Urbanisierung, in: Schellnhuber H.J. (Hrsg.), Global Sustainability. A Nobel Cause, 2009.

  • Raoul Weiler: Ein Zero Waste & Zero-Carbon-Flandern - Strategie oder Fata Morgana?, in: Erstellen einer Nachhaltigen Wirtschaft - Investition in die Zukunft, EWI-Flandern-Belgien, 2008.
  • Martin Grambow: Wassermanagement - Integriertes Wasserressourcenmanagement. Von der Theorie zur Umsetzung.
  • Peter A. Wilderer (Hrsg.): Global Sustainability. Die Auswirkungen von lokalen Kulturen, 2004.

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