Naturheilmittel Von der Dolde zur Pille - Hopfen als Arznei
Hopfen – das grüne Gold! Viele denken dabei an süffigen Biergenuss, doch die heimischen Hopfenstauden bergen ein jahrhundertealtes Gesundheits-Geheimnis. Gerade werden sie als Heilpflanzen wiederentdeckt. Erste Forschungsergebnisse versprechen sogar Erfolge in der Behandlung von AIDS und Krebs.
„Hopfentee“ – so nennen viele augenzwinkernd das Bier. Die Kulturpflanze Hopfen wird landläufig vor allem mit der Bierbrauerei in Verbindung gebracht, wo er zusammen mit Gerstenmalz und Wasser vor allem zur Aromatisierung des bayerischen Nationalgetränks beiträgt. Über 95 % des auf der Welt kultivierten und verkauften Hopfens dienen heute zum Brauen von Bier. Ein großer Teil davon kommt aus Bayern, wo sich mit der Holledau das größte Hopfenanbaugebiet der Welt befindet. Doch die Bezeichnung „Hopfentee“ verweist indirekt auf eine zweite, noch wertvollere Leistung der heimischen Schlingpflanze. Denn eine Geschichte der Bierwürze Hopfen ist nicht denkbar ohne die Geschichte der Heilpflanze Hopfen. Im Jahr 2007 wurde der Hopfen sogar zur „Arzneipflanze des Jahres“ erklärt.
Hopfen - eine alte Heilpflanze
Die Auszeichnung vergibt der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg. Dr. Johannes Mayer von der dortigen Forschungsgruppe Klostermedizin ist ein wahrer Kräuterpapst. Zusammen mit Schwester Leandra, der Garten- und Bibliotheksexpertin des Klosters Oberzell bei Würzburg hat er alte Heilpflanzenbücher erforscht und entdeckt, dass bereits Hildegard von Bingen dem Hopfen enorme Heilqualitäten bescheinigte. Seit dem Mittelalter wurde die Hopfendolde zur Behandlung unterschiedlichster Leiden eingesetzt und war fester Bestandteil der naturheilkundlichen Literatur. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts, insbesondere ab den 1950er Jahren wurde das medizinische Potenzial der heimischen Schlingpflanze dann auch naturwissenschaftlich untersucht.
Die Wiederentdeckung heimischer Heilpflanzen
In den letzten Jahren werden diese Forschungen – unterstützt auch durch die Pharmaindustrie – intensiviert und dem heimischen Hopfen mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Die Experten mittlerweile auch aus der Schulmedizin erwarten für die Zukunft neue durchschlagende Erfolge von der Verwendung heimischer Pflanzen als Heilpflanzen. Bereits bei der Hopfenernte und dem anschließendem Trocknen der Pflanzen findet ein Auswahlprozess statt. Die männlichen Pflanzen werden aussortiert, weil sie weder für die Bierherstellung noch für die Arzneimittelextrakte von Nutzen sind. Die wirksamen Inhaltsstoffe sind allein in der weibliche Hopfendolde verborgen, allen voran das Molekül Xanthohumol.
Medizin gegen Schlafstörungen und Depressionen
Der Hopfen gehört zur Pflanzenfamilie des Cannabis. So ist es nicht verwunderlich, dass er therapeutisch vor allem als Entspannungs- und Einschlafhilfe eingesetzt wird. Schlafforscher Professor Dr. Jürgen Zulley von der Uni Regensburg hat zusammen mit seinen Studenten und Doktoranden Schlaftests durchgeführt, die zeigen: Hopfenpräparate bringen Entspannung und garantieren das Durchschlafen – beugen demnach Depressionen vor oder helfen, sie in den Griff zu bekommen. Auch die Münchner Psychologin Dr. Nathali Klingen hat bei der Behandlung von Angstzuständen, Stress, Depressionen und Burn-Out entdeckt, dass die Wirkstoffe des Hopfens den Patienten dabei helfen, ihre psychischen Beschwerden in den Griff zu kriegen.
Erfolge in der Krebsforschung
Doch nicht nur als Präparat für Entspannung und gegen Schlafstörungen, sondern auch als Krebs- , Aids- und Osteoporoseprophylaxe sorgt der Hopfen derzeit in den medizinischen und pharmazeutischen Labors für Furore. Dr. Gerhäuser vom Krebsforschungszentrum in Heidelberg erforscht die therapeutischen Möglichkeiten des Hopfens. In Zusammenarbeit mit Kollegen in Japan und auf Hawaii konnte bei Tierversuchen eine vorbeugende und sogar heilende Wirkung von Hopfenpräparaten auf Krebszellen nachgewiesen werden. Sollte sich dieses Phänomen auch bei menschlichen Probanden als richtig erweisen, wäre der Hopfen als Heilmittel der Zukunft vielleicht der letzte Hoffnungsschimmer für viele Betroffene. Einst galt der Hopfen als „grünes Gold“ oder „bayerische Währung“, weil er den bayerischen Gebieten Wohlstand gebracht hatte. Der wahre Wert des Hopfens könnte angesichts solcher medizinischen Erfolge erst jetzt ans Tageslicht kommen.
Buchtipp:
Biendl, Martin/ Pinzl, Christoph: Arzneipflanze Hopfen. Anwendungen – Wirkungen – Geschichte, Wolnzach 2007
Sendereihe „Naturheilmittel“
Krebsmedikamente aus altbekannten Kulturpflanzen, Antibiotika aus Meeresschwämmen: Naturheilmittel bergen ein ungeahntes Potential, das Mediziner und Pharmazeuten seit einigen Jahren teils wieder, teils völlig neu entdecken. Die Experten sind sich einig, dass nicht nur die Chinesische Medizin oder das Indische Ayurveda sondern auch heimische Pflanzen als Heilmittel durchschlagende Erfolge versprechen.

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