Athleten der Lüfte Tauben von einer ganz anderen Seite
Rund 8.000 Tauben stehen in den Startlöchern. Darunter die 59 Tiere von Franz Brehm. Vom belgischen Huy aus sollen sie ins rund 350 Kilometer entfernte unterfränkische Waigolshausen zurückfinden und das in weniger als vier Stunden - kein Kinderspiel!
Wanderfalken und andere Gefahren lauern auf dem langen Weg. Auf "Shinji", Franz Brehms Lieblingstaube liegt seine ganze Hoffnung. Sie soll den Wettflug für sich entscheiden und den Titel holen.
Die Anspannung von Franz Brehm ist spürbar. Seine Familie kennt das Prozedere. Seit über 40 Jahren züchtet der Familienvater Brieftauben und verbringt jede freie Minute mit seinen Tieren. Familienurlaube müssen daher ausfallen. Denn von April bis September ist Wettflug-Saison. Doch der Brieftaubensport hat auch seine Gegner. Susanne Wicht ist eine davon. Sie kann dem Hobby nichts abgewinnen und hat Mitleid mit den Tieren. Seit acht Jahren arbeitet sie ehrenamtlich im Bamberger Tierheim. 50 bis 100 verwaiste und verletzte Täubchen landen bei ihr in einem Jahr.
Oft sind es Brieftauben, die angegriffen wurden oder den langen Wettflug bis in den heimischen Schlag nicht geschafft haben. Dann lassen sie sich in den Städten nieder und suchen Anschluss. Gar nicht so einfach. Denn Stadttauben haben ihre eigene Gemeinschaft und ihre eigenen Regeln und die lauten: Brieftauben unerwünscht! Die Wildtiere haben schon genug mit sich selbst zu tun, da können sie sensible Zuchttiere nicht brauchen. Zweieinhalb Kilo Kot hinterlässt eine Stadttaube im Jahr. Viel Mist für so ein kleines Täubchen, denkt die Bevölkerung.
Verschrien als "Ratten der Lüfte" fristen sie ihr Dasein meist auf öffentlichen Plätzen. In Würzburg aber lebt man mit den Tauben. Seit den 80-er Jahren gibt es Taubenschläge, die für die Tiere Zufluchtsort und Wohnraum sind. Über 20 Städte haben sich dem Würzburger Modell bislang angeschlossen und so mit den Stadttauben Frieden geschlossen. Frieden? Naja, fast. Ein kleiner Trick wird angewandt, damit sich die Tauben nicht vermehren.
Zum Glück haben ihn die Tiere noch nicht bemerkt. Franz Brehms "Shinji" hat bisher immer heimgefunden, sieben Mal davon in Bestzeit. Entkommt Sie auch diesmal den Gefahren auf ihrem Wettflug um die Zeit, steigt die Chance auf den Jahreszeit. Doch heute wird Franz Brehm nervös. Shinji ist diesmal nicht in Sicht. "Zeit für Tiere" begleitet die Brieftaube bei ihrem internationalen Wettflug bis zum großen Finale.

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