Unterschätztes Risiko Erkältungsmedikamente am Steuer
Bei starker Erkältung ist man meist über Grippemittel und Erkältungssäfte dankbar, mit denen sich so mancher Termin besser überstehen lässt. Doch Vorsicht! "Rezeptfrei" heißt nicht gleich "harmlos". Diverse Erkältungsmittelchen können die Fahrtüchtigkeit einschränken. Tipps von Gesundheitsexperte Dr. Klaus Tiedemann.
Rezeptfreie Mittel, die zur Einschränkung der Fahrtüchtigkeit führen können:
- Schmerzmittel
- Grippemittel
- Nasensprays
- Hustensaft
- Erkältungssaft
| Wirkstoff | Verwendung | Hinweis |
|---|---|---|
| Ephedrin und Phenylpropanolamin | Mittel, die gerne bei Schnupfen eingesetzt werden. | Sie sind aus der Gruppe der Sympathomimetika, d. h. sie aktivieren das sympathische Nervensystem. Das macht wach und die Nase frei. Die Wirkstoffe sind aber für Patienten mit Bluthochdruck, Diabetes oder Herzerkrankungen risikobehaftet und erhöhen die Blendempfindlichkeit bei Nachtfahrten. Im schlimmsten Fall kann es zu Herzrhythmusstörungen oder Infarkten kommen. Da die Wirkung erst anregend, dann aber ermüdend ist, kann dies bei Autofahrten gefährlich werden. |
| Diphenhydramin, Doxylamin und Chlorphenamin | Antihistaminika/-allergika, die den Sekretfluss in der Nase stoppen. | Doxylamin hat zwar eine beruhigende Wirkung und fördert den Schlaf, allerdings ist der Wirkstoff nach 12 Stunden noch zur Hälfte im Körper. Wer sich dann ans Steuer setzt, reagiert immer noch verlangsamt! Chlorphenamin beruhigt Nase und Augen, kann aber Herzrhythmusstörungen und Halluzinationen auslösen. |
| Codein und Dextromethorphan | Hustenstiller bei trockenem Reizhusten. | Sie schränken die Reaktionsfähigkeit sehr ein. Codein dämpft den Husten, kann aber Übelkeit und Erbrechen auslösen. Es hat als wirksamen Metaboliten (Abbauschritt) Morphin! |
Wechselwirkungen
Einige Wirkstoffe können, wenn sie mit anderen Medikamenten kombiniert werden, unüberschaubare Wechselwirkungen hervorrufen und die Fahrtüchtigkeit deutlich herabsetzen. In Verbindung mit anderen Präparaten können sich Nebenwirkungen sogar multiplizieren. Außerdem ist in einigen Präparaten Alkohol enthalten, der auch am nächsten Morgen noch nachwirken kann.
Pentoxyverin ist ein frei verkäuflicher Hustenstiller, der die Teilnahme am Straßenverkehr beeinträchtigt. In Kombination mit Schmerzmitteln (z. B. Ibuprofen 400) können sich die Effekte verstärken und die resultierende Müdigkeit bedrohlich werden. Das gleiche gilt für xylometazolinhaltige Nasensprays.
Tipp
Falls Sie sich trotz Erkältung hinters Steuer setzen müssen, lassen Sie sich in der Apotheke ein wirkungsgleiches aber alkoholfreies Mittel geben. Müssen Sie unterschiedliche Medikamente gemeinsam einnehmen, so fragen Sie nach deren Verträglichkeit und Wechselwirkungen.
Kombipräparate
Diese haben meist mehr als zwei Wirkstoffe, die gegen eine Erkältung helfen sollen. Zum einen kräftigen sie den Körper durch das enthaltene Koffein, zum anderen unterdrücken sie beispielsweise Hustenattacken. Das klingt zwar auf den ersten Blick positiv, ist jedoch sehr trügerisch und für den Autofahrer unberechenbar. Grund: Die Wirkung des Koffeins lässt mit der Zeit nach und die betreffende Person fühlt sich noch schwächer als vorher. Wer sich dann erneut mit diesem Medikament stärkt, bekommt noch stärkere Nebenwirkungen zu spüren und gefährdet dadurch den Straßenverkehr.
Dr. Klaus Tiedemann stört sich besonders an Kombipräparaten, da deren Wirkzeiten nicht zusammenpassen. So gibt es bspw. ein Kombimittel, das einen gut durch den Tag bringen soll. Der Inhaltsstoff Dextrometorphan, ein Hustenstiller, kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Die Halbwertszeit im Körper liegt bei zwei Stunden. Phenylpropanolamin macht die Nase frei und putscht auf, allerdings mit einer Halbwertszeit von nur drei Minuten. Außerdem stellt es eine Belastung für den Kreislauf dar.
Kombimittel gibt es auch speziell für die Nacht. Sie enthalten das schlaffördernde Mittel Doxylamin. Nach 10-12 Stunden ist noch die Hälfte des Wirkstoffes im Körper, nach 20-24 Stunden noch etwa ein Viertel. Es macht müde, verlängert die Reaktionszeit, verschlechtert die Konzentration und beeinträchtigt v. a. die Reaktionsfähigkeit der Augen bei Nachtfahrten und Gegenverkehr. Das enthaltene Ephedrin macht wach, putscht also lediglich auf, allerdings nur für 3-6 Stunden.
Im Falle eines Unfalls …
Zwar ist die Medikamenteneinnahme per Gesetz nicht verboten. Kommt es allerdings zu einem Unfall und es werden im Blut Substanzen nachgewiesen, die das Fahren beeinträchtigen, erlischt oft der Versicherungsschutz!
Allgemeine Tipps
- Wer Medikamente zu sich nimmt, muss sich selbst über mögliche Nebenwirkungen informieren, da diese nicht in den Verantwortungsbereich des Arztes fallen! Lesen Sie daher den Beipackzettel genau durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker nach Nebenwirkungen, die die Fahrtüchtigkeit einschränken.
- Nebenwirkungen können durch Alkohol verstärkt werden. Verzichten Sie also auf den Tee mit Rum!
- Fahren Sie nur mit dem Auto, wenn Sie sich absolut fit fühlen. Ansonsten bedenken Sie Ihre geringere Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit - fahren Sie langsamer und halten Sie einen größeren Abstand.
- Fahren Sie nach Möglichkeit rechts ran, wenn Sie von einer Husten- oder Niesattacke heimgesucht werden.
- Bedenken Sie, dass Sie auch ohne Medikamenteneinnahme mit einer Erkältung nur bedingt fahrtüchtig sind.

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