Gefiltertes Wasser, Sauerstoffwasser & Co Ist aufbereitetes Trinkwasser gesünder?
Leitungswasser zu trinken ist sehr bequem, da es immer verfügbar ist und man keine Getränkekisten schleppen muss. Aber kann man das Wasser aus der Leitung unbedenklich trinken? Und was ist von "Wasseraufbereitungsmethoden", wie Wasserfiltern und Ähnlichem zu halten? Informationen und Tipps von unserer Ernährungsexpertin Jutta Löbert.
Qualität des Leitungswassers
Trinkwasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland und kann daher unbedenklich getrunken werden. Es wird vom Gesundheitsamt und den Wasserwerken ständig kontrolliert. Trinkwasser darf keine Krankheitserreger oder gesundheitsschädigenden chemischen Stoffe enthalten und muss rein und genusstauglich sein. Das ist in der Trinkwasserverordnung mit strengen Grenzwerten gesetzlich geregelt. Eine aktuelle Analyse des angelieferten Wassers können Sie kostenlos beim zuständigen Wasserwerk anfordern. Manchmal sind die Werte sogar auf der Wasserrechnung angegeben.
Aber: Die Wasserwerke garantieren nur für einwandfreies Wasser bis zur Anschlussleitung oder Wasseruhr des Gebäudes. Wenn dort z. B. alte Rohre verwendet werden, kann das Trinkwasser trotzdem belastet sein.
Alte Rohre
Bleirohre
Bis 1960 wurden in den alten Bundesländern Bleirohre verlegt. Dieses Blei aus den Rohren wird im Wasser gelöst und gelangt beim Trinken in unseren Körper. Blei ist v. a. für Ungeborene, Kinder und Säuglinge schädlich. Lassen Sie alte Bleirohre unbedingt austauschen. Das können Sie auch von Ihrem Vermieter verlangen, denn Sie haben das Recht, Ihre Wohnung ohne Gesundheitsgefährdung zu nutzen.
Kupferrohre
Diese Rohre sollten nicht verwendet werden, wenn das Wasser einen niedrigen pH-Wert hat. Kupferhaltiges Wasser ist v. a. für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich.
Undichte Rohre
Durch undichte Stellen in den Rohren können Coli-Bakterien in die unterirdischen Zuleitungen gelangen, die schwere Durchfälle auslösen können.
Tipp: Wenn Sie Ihr Trinkwasser testen lassen möchten, fragen Sie beim Gesundheitsamt nach. Dort werden Ihnen zertifizierte Labore genannt.
Wasserfilter
Es gibt unterschiedlichste Wasserfilter auf dem Markt, die die verschiedensten "Problemstoffe", herausfiltern sollen. Es gibt sowohl Tischfilter, als auch solche, die direkt am Wasserhahn installiert werden:
- Unsere Trinkwasserqualität ist in der Regel gut, so dass der Einsatz von Wasserfiltern überflüssig ist.
- Außerdem werden Schadstoffe gar nicht oder nur unzureichend herausgefiltert, d. h., falls das Wasser z. B. aufgrund von alten Leitungen mit Blei oder Kupfer belastet ist, nutzt es nichts, das Wasser zu filtern. Lassen Sie in solch einem Fall unbedingt die Rohre austauschen.
- Außerdem können "Trinkwassernachbehandlungsgeräte" bei unsachgemäßen Gebrauch zu einer Verkeimung (z. B. mit Bakterien, Pilzen) des Trinkwassers führen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Betriebsdauer der Patrone überschritten wird. Auch wenn Sie den Wasserfilter zwei Tage oder länger nicht verwendet haben, sollten Sie das erste Wasser nicht so trinken, sondern nur zum Teekochen verwenden oder wegschütten.
Wasser enthärten (entkalken)
- Kalk im Wasser ist kein Schadstoff. Im Gegenteil: Wasser ist eine Kalziumquelle.
- Aber für Teegenießer kann eine Filterung sinnvoll sein, da Tee, der mit weichem Wasser zubereitet wurde, tatsächlich besser schmeckt.
Fazit:
Das Trinkwasser in Deutschland ist so gut, dass eine Filterung nicht notwendig ist. Aber: Tee schmeckt tatsächlich besser, wenn das Wasser entkalkt wurde.
"Sauerstoffwasser"
"Sauerstoffwasser" gibt es in Flaschen zu kaufen und es gibt Sauerstoffwasser-Zubereiter für zu Hause (Preis ca. 150 Euro). Der Werbung zufolge soll mit Sauerstoff angereichertes Wasser:
- die körperliche Leistungskraft und Ausdauer steigern
- die natürlichen Abwehrkräfte stärken
- die Fettverdauung verbessern
- den Stoffwechsel optimieren
- vor vorzeitiger Hautalterung schützen
Aber: Es gibt keine klinischen oder sportmedizinischen Studien, die diese Behauptungen belegen. Im Gegenteil: Eine Doppelblind-Studie hat gezeigt, dass sich bei Belastung die Werte der Teilnehmer (Herzfrequenz, Sauerstoffaufnahme bzw. Kohlendioxidabgabe pro Minute usw.) nicht unterscheiden.
Dass Sauerstoff aus angereichertem Wasser keine Leistungssteigerung bewirkt, überrascht übrigens nicht: Blut wird nämlich in der Lunge durch eingeatmeten Sauerstoff - immerhin circa 100 ml O2 je Atemzug - nahezu vollständig gesättigt.
Fazit:
Die Verwendung eines Sauerstoffwasser-Zubereiters oder teures Sauerstoffwasser aus Flaschen können Sie sich sparen.
Granderwasser
Der Tiroler Johann Grander hat ein Verfahren zur Wasserbelebung entwickelt, das immer mehr Anhänger findet und nicht nur in Privathaushalten, sondern auch z. B. Schwimmbädern Verwendung findet.
Die Methode
Das Leitungswasser fließt an einem mit so genanntem Informationswasser gefüllten Metallzylinder vorbei. Dabei soll das Wasser in seiner "Struktur" verändert werden und besondere, nicht näher beschriebene Eigenschaften erhalten.
Angebliche Wirkung:
- positive Wirkungen auf Ernährung, Getreideanbau und Gesundheit.
Aber: Es ist kein messbarer Unterschied zu normalem Trinkwasser und kein medizinischer Effekt nachweisbar.
Außerdem ist eine bleibende "Umstrukturierung" der Wasserstoffbrückenverbindungen wegen der Kurzlebigkeit der Wasserstoffbrückenbindungen unmöglich. Diese brechen nämlich innerhalb von Picosekunden wieder auf.
Übrigens:
2005 wurde die Vertriebsfirma für Grander-Wasser in Neuseeland sogar zu einer Strafe und zu Schadenersatz von umgerechnet 72.000 Euro verurteilt. Die Richterin bezeichnete die entsprechenden Produkte als Quacksalberei und Pseudowissenschaft.
Fazit:
Sie können sich den Genuss von Granderwasser getrost sparen.

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