Bayerisches Fernsehen - Wir in Bayern

Votivgaben-Sammler Stefan Schachenmeier

Unser Gast Stefan Schachenmeier aus dem oberbayerischen Miesbach hat eine wohl eher ungewöhnliche Sammelleidenschaft: der 60-Jährige bewahrt Votivgaben auf - aus Wachs bestehende Herzen, Ohren und Zähne, die Kranke anfertigen ließen, um damit göttlichen Beistand zu erbitten.

Stand: 31.10.2012
Stefan Schachenmeier | Bild: privat

Stefan Schachenmeier ist ein Mann der Traditionen. Der gelernte Konditormeister aus dem oberbayerischen Miesbach kredenzt seinen Gästen in seinem Café feinste Köstlichkeiten nach alten Familienrezepten. Seine Vorfahren sorgten jedoch nicht nur für das leibliche Wohl ihrer Gäste, sondern auch für das gesundheitliche - sie formten das Wachs der Bienen, mit deren Honig sie arbeiteten, auch zu Votivgaben, mit denen kranke Menschen auf göttlichen Beistand hofften! Stefan Schachenmeier hat die Kunstwerke seiner Ahnen (Ohren, Zähne, Lungen oder Herzen) aufbewahrt - und wird sie uns bei "Wir in Bayern" zeigen.

Ausgestorbene Tradition

Stefan Schachenmeier

Früher gab es für viele gängige körperliche Leiden entsprechende Imitationen aus Wachs. Schachenmeier hat einige Exemplare dieser längst ausgestorbenen Spielart besonderer Volksfrömmigkeit aufbewahrt, unter denen sich manch kurios und eigentlich recht modern anmutendes Werk befindet: So wurden etwa Augen gegen nachlassende Sehkraft, Ohren gegen Ohrensausen, Zähne bei Zahnweh, Füße und Arme bei Brüchen oder Büsten gegen den Kopfschmerz angefertigt. Selbst an Lungen und Herzen wurde gedacht. "War das Stechen im Herz gar zu groß, wurde manchmal sogar noch ein Dolch dazu bestellt", erklärt Schachenmeier. "Je schwerer und größer die Nachahmungen ausfielen, desto größer war die Opfergabe - und umso mehr göttlichen Beistand erhoffte man sich."


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