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Unter der (goldenen) Haube Gerlinde Dorfner und Franziska Rettenbacher

Unsere Gäste, Gerlinde Dorfner und Franziska Rettenbacher, sind im wahrsten Sinne des Wortes "unter der Haube", genauer gesagt, unter der Goldhaube.

Stand: 19.10.2012
Frauen von der Teßtaler Goldhauben-Trachtengruppe unterhalten sich am Sonntag (18.5.1997) vor der Hauptkundgebung der Sudetendeutschen im Nürnberger Messezentrum. | Bild: picture-alliance/dpa

Gerlinde Dorfner und Franziska Rettenbacher frönen beide der alten Tradition des Goldhaubentragens. Im bayerischen Raum sind die Goldhauben und ihre stolzen Trägerinnen vor allem in Niederbayern zu finden.

Die Geschichte der Goldhaube

Goldhauben | Bild: Gerlinde Dorfner und Franziska Rettenbacher

Die ersten Goldhauben tauchten Ende des 18. Jahrhunderts im Raum Linz auf. Von dort gelangten sie über Passau ins reiche Rottal bis nach Burghausen. Durch den Wegfall der Kleiderordnung (nach der Französischen Revolution) wollte sich auch das einfache Volk zu kirchlichen und weltlichen Anlässen edel kleiden. Das teuerste und aufwändigste Kleidungsstück war da: die Goldhaube. Die konnten sich nur reiche Bürgers- oder Bauers-Gattinnen leisten und demonstrierten damit ihren Wohlstand.

Wie eine Goldhaube entsteht

Goldhauben sind nicht nur auffällig, sondern auch aufwändig. 300 bis 600 Stunden braucht man, um das edle Stück in liebevoller Handarbeit fertig zu stellen. In der Regel macht jede Frau nur einmal in ihrem Leben eine Goldhaube, schließlich kostet allein das Material an die 1000 Euro.

Zunächst braucht man einen großen Stickrahmen. Dort hinein kommt ein 1,16 Meter langes, handgewebtes Band aus Baumwollfäden und Goldgespinsten. Jede Goldhaube ist ein Unikat, die Muster werden nach alten Vorbildern entworfen und mit aus Silber oder Kupfer vergoldeten Materialien wie Flitter, Folien und Bouillondraht über vorgezeichnetes Seidenpapier aufgestickt. Der so genannte Knauf ist eine "gebuckelte Stickerei". "Da gehen die Finger scho a bisserl drauf", warnt Franziska Rettenbacher. Innen ist ein Hohlknopf aus Leinen, über den dann die Stickerei gezogen wird. Ihre Vollendung findet die Goldhaube, indem das innen gefütterte Band auf einem Drahtgestell aufgezogen und mit einer schwarzen drapierten Spitzenschleife verziert wird.


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