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Solarkocher Die Energiewende am eigenen Herd

Bekannt ist, dass man aus Sonnenstrahlen Energie erzeugen kann. Dass dieses Prinzip auch beim Kochen einfach und effektiv funktioniert, dürfte dagegen eher unbekannt sein. Möglich macht's der sogenannte Solarkocher.

Von: Georg Antretter Stand: 12.07.2013

Der Solarkocher der Familie Seifert steht das ganze Jahr über auf der windgeschützten Terrasse - und das seit 30 Jahren. Problematisch wird es eigentlich nur, wenn die Sonne nicht scheint; aber wenn sie scheint, kann es schnell gehen:

"Das wird ein Gemüse aus Zucchini, Spitzkohl und Lauch. Ich mach' das gern mit dem Solarkocher, weil ich mit der Sonne kochen kann und ich freu mich jedes Mal, wenn es gelingt ... mit der Sonne geht das dann genauso schnell wie mit dem E-Herd. Ich hab' da gar keine Probleme."

Imma Seifert

Effektive Technik

Der Brennspiegel des Solarkochers reflektiert die Solarstrahlung direkt auf den schwarzen Topf, der in kurzer Zeit 200 Grad heiß werden kann. Dann muss ständig umgerührt werden, damit nichts anbrennt. Alles, was länger mit Wasser kochen muss,  wie Bohnen oder Linsen, kann man jedoch stundenlang stehen lassen, und das ohne Aufsicht. Nur der Reflektor muss etwa alle 20 Minuten nach der Sonne ausgerichtet werden. Scheint die Sonne den ganzen Tag lang, lassen sich so bis zu 50 Liter Wasser zum Kochen bringen.

"Wir können natürlich nicht sicher sagen, dass wir hierzulande immer so viel Sonne haben wie 2011, aber in den Ländern, wo der Solarkocher mit großer Notwendigkeit gebraucht wird, dort ist immer Sonne, auch in Spanien."

Dr. Dieter Seifert

Die Vorgeschichte

Als Ingenieur kommt Dieter Seifert mit der Nutzung von Solarenergie in Berührung - und erkennt darin eine Chance für die Entwicklungsländer: Er greift die jahrhundertealte Idee des Parabolspiegels auf und entwickelt in seiner Freizeit den Reflektorkocher. Vor allem für die sonnenreichen, aber brennholzarmen Länder sieht Dieter Seifert den Kocher als Alternative für das offene Feuer mit seinen Rauch- und Treibhausgasemissionen, die für die Gesundheit nicht gerade förderlich sind.

Erste Erfolge

Dank zahlreicher Kooperationen, vor allem mit der Berufsschule Altötting, werden die Kocher inzwischen in Südamerika, Asien und Afrika eingesetzt: über 40.000 Kocher sind in rund 80 Ländern in Betrieb. Den Seiferts ist das noch immer zu wenig, denn sie wissen, dass man mit dem Sonnen-Herd nicht nur Wasser erhitzen kann; er eignet sich auch zum Frittieren oder Einkochen.

So vielfältig wie ein Elektroherd

"Hab' halt dann ausprobiert, was man noch alles machen kann und dann bin ich drauf gekommen, dass man frittieren und Marmelade machen kann, dass man entsaften kann, Krapfen backen kann. Es ist enorm - im Grunde alles, was man mit dem Elektroherd auch macht."

Imma Seifert

Visionen für die Zukunft

Dieter Seiferts nächstes großes Ziel: Eine Million Solarkocher für das sonnenreiche Spanien. Das spart Energie und könnte die marode spanische Wirtschaft ankurbeln. Der Knackpunkt: Der Kocher kostet rund 400 Euro, das ist eine Menge Geld, nicht nur für Europäer, sondern vor allem für die Haushalte in Entwicklungsländern. Die EG-Solar, eine Entwicklungshilfegruppe an der Berufsschule Altötting, arbeitet seit 20 Jahren an der weltweiten Verbreitung der Solarkocher-Idee und bietet regelmäßig Kurse zum Selberbauen an.

Kontakt:

EG-Solar e. V.
Neuöttinger Str. 64c, 84503 Altötting
Telefon:  08671 / 969937


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