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Lebensmittel Regionale Produkte

Tradition, Heimatverbundenheit und Frische - das sollen Produkte aus der Region vermitteln. Solche Lebensmittel kommen beim Kunden gut an - doch es lohnt sich, genau hinzuschauen. Manche Produkte tun nur so, als seien sie aus heimischen Zutaten.

Autor: Kirsten Zesewitz Stand: 13.01.2012
Äpfel aus der Region | Bild: BR

Längst haben auch die großen Supermarktketten den Regionaltrend für sich entdeckt. Aber wie regional sind die Eigenmarken von Penny, LIDL & Co? Wir haben Stichproben besorgt und Andrea Danitschek von der Verbraucherzentrale Bayern hat den regionalen Einkauf für uns unter die Lupe genommen.

Stichproben: Regionalmarken im Supermarkt

Andrea Danitschek prüft regionale Produkte

Wir schauen uns die Regionalmarke "Echt Bayrisch" von Penny - Wurstsorten von Truthahn bis Salami - genauer an. Auf der Ware findet sich kein unabhängiges Siegel wie "Geprüfte Qualität Bayern". Fazit von Andrea Danitschek: "Man kann lediglich erkennen, dass das Produkt zuletzt in Bayern bearbeitet wurde. Also, die Herkunft der Rohstoffe ist unklar."

"Echt bayerische" Penny-Konfitüre mit Erdbeeren aus Südeuropa

Und die "echt bayerische" Penny-Konfitüre? Wie wir auf Anfrage erfuhren, kommen die Marillen aus der Türkei, die Erdbeeren aus Südeuropa. Und die Regionalmarke "Ein gutes Stück Heimat" von LIDL? Unsere Nachforschungen ergaben, dass die Möhren aus dem Rheinland kommen und das Kartoffelpüree aus dem Norden.

"Viele Verbraucher haben die Vorstellung, ein regionales Produkt kennzeichnet sich dadurch aus, dass es nicht transportiert werden muss, dass man beim Kauf die lokale Wirtschaft vor Ort unterstützt - und das ist natürlich fraglich, wenn ich hier jetzt ein Produkt kaufe, das in Norddeutschland oder wie hier dieses Gemüse im Rheinland produziert ist. Zumindest habe ich aber die Möglichkeit, die Herstellerangaben anzuschauen und dann zu entscheiden, ja, ich möchte dieses Produkt noch kaufen oder nein, für mich ist das kein regionales Produkt mehr."

Andrea Danitschek, Verbraucherzentrale Bayern

"Echte" regionale Produkte

Der Begriff "regional" ist nicht geschützt. Aber es gibt durchaus Modelle, wie ein "echtes" Regionalprodukt ausschauen könnte: In keinem anderen Bundesland gibt es so viele regionale Vermarktungsinitiativen wie in Bayern. Sie sind im Bundesverband der Regionalbewegung zusammengefasst. Der Verband arbeitet mit strengen Vorgaben, die auch die bayerische Verbraucherzentrale empfiehlt.

"Im Idealfall wird ein regionales Produkt in einem genau definierten Gebiet erzeugt, dort auch verarbeitet und vermarktet. Das hält die Transportwege kurz auf der einen Seite und stärkt natürlich die lokale Wirtschaftskraft. Es ist natürlich toll, wenn Hersteller noch weiter gehen und beispielsweise das Futtermittel für tierische Lebensmittel in ihrem Ursprungsort mit angeben, es ist ja durchaus möglich, das regional zu erzeugen und dann sollte das auch klar ausgelobt werden."

Andrea Danitschek, Verbraucherzentrale Bayern

Was ist eine Region?

Die Frage ist: Was ist eine Region?

Was ist von fränkischer Wurst im schwäbischen Fleischsalat zu halten? Ist das noch ein regionales Produkt? Was ist eine Region - ein Bundesland wie Bayern? Ein Regierungsbezirk wie Schwaben? Eine Gegend wie der Chiemgau oder der Umkreis einer Stadt? Eine Definition gibt es nicht. EDEKA Südwest zum Beispiel sieht seine Regionalmarke "Heimat - echt und gut" in vier Bundesländern: in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland.

Mit gutem Beispiel voran: Wenn regional wirklich regional ist

Ein "echtes" regionales Produkt

In Bayern versorgen sich die EDEKA-Märkte bei den regionalen Produzenten vor Ort. In Traunstein hat beispielsweise Joseph Pfeilstetter die Produkte von "Region aktiv - Chiemgau-Inn-Salzach" im Sortiment. Die Lieferanten leben zwischen Berchtesgaden, Rosenheim und Mühldorf. "Region aktiv" hat strenge Vorgaben: Die Bauern müssen auch ihre Rohstoffe aus der Region beziehen. Bei manchen Produkten ist das gar nicht so einfach - zum Beispiel bei Marmelade: Zucker und Zimt gibt es nun einmal nicht im Chiemgau … Aber zumindest die Früchte sind garantiert aus der Region.

Der nächste Schritt: ein staatliches Regio-Siegel

Verbraucherschützer fordern ein staatliches Regio-Siegel, einen Wegweiser im Dschungel regionaler Produkte:

"Die Hersteller sollten künftig offen legen, wo die Rohstoffe für ihre Produkte her kommen, wo die Zutaten dann verarbeitet werden. Denn sonst kann der Verbraucher den Begriff Region nicht fassen - das kann überall in Deutschland, vielleicht sogar außerhalb Deutschlands sein, und das ist ein Zustand, der nicht haltbar ist. Denn Regionalität wird ja mit einem Mehrwert verkauft, der Verbraucher zahlt einen Aufpreis und deshalb muss auch eine überprüfbare Qualität dahinter stecken."

Andrea Danitschek, Verbraucherzentrale Bayern

Fazit

Was der Kunde heute schon tun kann: genau hinsehen und gezielt nach regionalen Vermarktern fragen

Mehr Transparenz ist nötig, damit der Kunde sich ein Urteil darüber bilden kann, wie regional sein Lebensmittel wirklich ist. Genau hinsehen, gezielt nach regionalen Vermarktern fragen - das kann der Kunde aber auch heute schon.

Weitere Informationen

Geprüfte Qualität Bayern

Das Siegel des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Bundesverband der Regionalbewegung e.V.

Museumstraße 1
91555 Feuchtwangen
Telefon: 0 98 52 / 13 81

Verbraucherzentrale Bayern e.V

Verbraucherzentrale Bayern e.V.
Andrea Danitschek
Mozartstraße 9
80336 München
Telefon: 089 / 53 98 70

Region aktiv Chiemgau-Inn-Salzach e.V.

Elisabeth Widauer
Robert-Koch-Str. 11
84489 Burghausen
Telefon: 0 86 77 / 78 47