Lebensmittel Gegen die Verschwendung
20 Prozent der eingekauften Lebensmittel landen in Deutschland im Hausmüll. Dazu kommt Ware, die wegen kleiner Schönheitsmängel gar nicht erst verkauft werden kann. Höchste Zeit etwas zu ändern - beim Einkauf und zuhause.
Vormittags auf dem Gelände der Großmarkthalle München: Gemüsegroßhändler Robert Lannert hat immer wieder das gleiche Problem. Einen Teil seiner Ware kann er nicht an seine Kunden weiterverkaufen. Denn die nehmen für ihre Kunden an den Marktständen nur äußerlich einwandfreies Gemüse. In Zeiten des Überflusses ist der Verbraucher wählerisch geworden.
Verschwendung mit System
Was nicht gekauft wird, landet normalerweise im Müll. Nach Angaben der UN geht weltweit ungefähr ein Drittel der Nahrungsmittelproduktion verloren. Allein in Deutschland werden laut Schätzungen jährlich 20 Millionen Tonnen Essen weggeworfen. Lokal versuchen verschiedene Organisationen zu retten, was zu retten ist. Die Münchner Tafel zum Beispiel verteilt jede Woche gespendete Lebensmittel - unter anderem aus der Großmarkthalle - an Menschen in Armut.
Auch der Discounter Lidl gehört zu den Sponsoren der Münchner Tafel. Gekühlte übrig gebliebene Lebensmittel werden zwar wegen der komplizierten Einhaltung der Kühlkette nicht gespendet. Trotzdem sind täglich pro Filiale noch Waren im Wert von 50 bis 80 Euro übrig. Werden alle 50 Filialen in München und Umgebung zusammengerechnet, kommt einiges zusammen. Für die Kaufleute ist das normal. Sie wollen den Kunden bis zum Ladenschluss alle Produkte anbieten, da bleibt dann zwangsläufig am Ende des Tages etwas übrig, sagt Sven Stimpel, Verkaufsleiter Lidl, München.
Unbedachter Umgang der Verbraucher
Die Verbraucher möchten also die Auswahl. Und was machen sie dann zuhause? Traurige Tatsache: Durchschnittlich 20 Prozent der eingekauften Lebensmittel werden laut einer europäischen Studie in Deutschland in den Hausmüll geworfen, das ist jede fünfte Einkaufstüte. Ein Drittel landet sogar ungeöffnet im Müll.
Mehr als der Geldwert
In der Landwirtschaft weiß man noch, welch harte Arbeit in den Lebensmitteln steckt. Ob im Stall oder auf dem Feld. Allein bis eine Kuh das erste Mal gemolken werden kann, vergehen 27 Monate. Die Tüte Milch zaubert sich eben nicht einfach in das Supermarktregal. Auch wenn das der Preis vermuten ließe.
Weniger einkaufen und Reste verwerten
Taste the Waste
Seit September 2011 läuft in den Kinos der Dokumentarfilm von Valentin Thurn "Taste the Waste". Mehr dazu:
Dabei wäre es ganz einfach, weniger wegzuwerfen. Geplant einkaufen, Lebensmittelvorräte regelmäßig kontrollieren und reagieren, bevor es zu spät ist. Und wenn man sich für die Verwertung von Resten auch etwas Zeit nimmt, lässt sich zum Beispiel aus den Knödeln vom Mittagessen noch eine zweite süße Mahlzeit bereiten. Oder aus den Nudeln ein Gratin, aus den Kartoffeln Bratkartoffeln, aus dem Reis ein Salat, aus dem Gemüse ein Eintopf oder aus Obst Kompott.
Verteilen statt vernichten
Zurück zur Münchner Tafel: In einer Woche finden durch die Organisation immerhin 100 Tonnen Lebensmittel dankbare Abnehmer. Nach dem Motto "verteilen statt vernichten". Und sie ist immer auf der Suche nach neuen Sponsoren. Denn für die Menschen hier ist ein Lebensmittel noch das, wie es jeder sehen sollte - ein Mittel zum Leben.
Weitere Informationen
Die Münchner Tafel e.V.
Schäftlarnstraße 10, 81371 München
Telefon: 089 / 29 22 50
Die Münchner Tafel ist immer auf der Suche nach neuen Sponsoren. Vor allem gekühlte Lebensmittel wie Fleisch, Milch- oder Wurstwaren werden noch dringend benötigt. Auf die Einhaltung der Kühlkette ist die Münchner Tafel bestens vorbereitet.
SAVE FOOD Studie
Die in sieben europäischen Ländern durchgeführte SAVE FOOD-Studie der Cofresco Frischalteprodukte GmbH befasst sich mit dem Thema "Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten".

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