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Klima- und Artenschutz Wer baut, muss auch auf Vögel achten

Wer heute umbaut, hat den Klimaschutz im Blick: Doch weil überall abgedichtet und gedämmt wird, fehlt es Gebäudebrütern und Fledermäusen zunehmend an Wohnraum. Der Bauherr sollte rechtzeitig an Ersatz denken, sonst kann es teuer werden.

Autor: Jutta Schilcher Stand: 17.02.2012
Haussperling mit Nistmaterial im Schabel auf Regenrinne am Dach | Bild: picture-alliance/dpa

Zehn Sperlingspaare leben in der Fassade eines Postamts in München-Sendling. Doch bald könnten sie obdachlos werden: Die Post soll zum Jahreswechsel abgerissen werden, um dem Neubau einer Wohnanlage samt Kindertagesstätte Platz zu machen. Vogelschützer aus der Nachbarschaft waren von dieser Nachricht alarmiert, sie meldeten die kleine Spatzen-Kolonie dem Landesbund für Vogelschutz: Denn Spatzen sind selten geworden, sie stehen unter Artenschutz.

Die Kosten trägt der Bauherr

Ersatz für die Brutplätze musste vom Bauträger bereitgestellt werden. Erst danach kann das eigentliche Bauvorhaben beginnen. Eine Art Riesenvogelhaus wurde es, eine Wohnanlage für die geselligen Spatzen, entwickelt von einem Landschaftsarchitekten. Um den Vögeln das Umziehen schmackhaft zu machen, sind die einzelnen Wohnungen des Sperlingsturms mit Hasenstreu ausgestatten. Denn noch ist nicht sicher, ob die Tiere die Ersatzwohnungen überhaupt annehmen werden.

Ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz ist teuer

Mehr als zehntausend Euro kostet die Aktion, nicht gerade wenig. Doch wer glaubt, der Bauträger hätte die Vögel auch in einer Nacht-und-Nebel-Aktion loswerden können, verkennt die Gesetzeslage: Geschützt sind nicht nur die Vögel, sondern auch ihre Quartiere. Nester abzuschlagen oder Brutplätze zu verschließen ist ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz und kann entsprechend geahndet werden, erklärt Sylvia Weber vom Landesbund für Vogelschutz in München. Je nachdem, ob es unwissend oder mit Absicht passiert, ist es eine Ordnungswidrigkeit oder sogar eine Straftat. Und die Strafen können sehr hoch sein, so die Vogelschützerin. Allerdings muss nicht jeder Bauherr gleich zehntausend Euro in Ersatz investieren: Oft genügen einfache Nisthöhlen.

Besser vorher prüfen

In München setzt sich der Landesbund für Vogelschutz besonders intensiv für den Artenschutz an Gebäuden ein. Projektleiterin Sylvia Weber ist immer mit prüfendem Blick unterwegs, denn allzu schnell geraten Vögel ganz ohne böse Absicht des Bauherren in Gefahr. Ein Beispiel: Ein Haus wurde mitten in der Brutsaison eingerüstet, weil die Hausverwaltung nicht wusste, dass Mauersegler hinter der Natursteinfassade brüteten. Durch das Gerüst konnten die Vögel ihre Brutplätze aber nur schwer anfliegen und die Jungen wären verhungert, wären sie nicht in die LBV-Auffangstation gebracht worden, berichtet Sylvia Weber. Nachträglich wurden dann am Haus wieder Nisthöhlen eingebaut, speziell gedämmte, damit keine Kältebrücken entstehen. Die Mauersegler haben die neuen Nisthöhlen akzeptiert und sind immer noch im Haus. Doch der Bauherr wäre deutlich günstiger weggekommen, wenn er die Vögel früher entdeckt hätte: Bei der Renovierung musste das Gerüst vorübergehend zurückgebaut werden und rund um die Vögel durfte lange nicht gearbeitet werden.

Manchmal lassen sich Konflikte kaum lösen

Das Thema Artenschutz hat an Brisanz gewonnen, seit sich beim Bauen und Renovieren alles um den Klimaschutz dreht: Häuser werden möglichst dicht gedämmt, es gibt kaum noch Ritzen, Spalten oder Schlupflöcher für Gebäudebrüter. Doch nicht immer ist es mit Ersatzquartieren getan. Vogelschutz kann auch zu dauerhaften Konflikten führen. Beispiel Ismaning: Eine Ismaninger Hausverwaltung, die 4.000 Wohneinheiten vertritt, hatte in einer Anlage große Probleme mit dem Kot von Mehlschwalben: Die Balkone konnten nur noch eingeschränkt genutzt werden und selbst das Lüften im Schlafzimmer wurde schwierig, weil Schwalbenkot von den Fensterbrettern in den Wohnraum spritzte, erzählt Andreas Greulich, Geschäftsführer der GTG Hausverwaltung, Ismaning.

Das Anbringen von Netzen, die die Tiere am Nisten hindern sollten, wurde von Vogelschützern gestoppt, Ortstermine mit Behörden und Eigentümerversammlungen folgten. Die Schwalben waren in einer besseren Position als die Bewohner - so der Eindruck der Hausverwaltung. Ein paar Netze durfte der Hausverwalter schließlich wieder anbringen lassen, musste gleichzeitig aber auch Nisthilfen schaffen.

Weitere Informationen

Mehrere Bundesländer, aber auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) haben Informationsbroschüren für Bauherren erstell:

BUND Region Hannover

Wärmesanierung und Artenschutz an Gebäuden

Freie Hansestadt Hamburg

Energetische Sanierung - Fortschritt für Klimaschutz und Artenschutz

Auch die zuständigen Baureferate und Behörden beraten gerne. Ebenso der Landesbund für Vogelschutz (LBV). Besonders rührig in Bayern ist der

LBV in München

mit einem eigenen Projekt "Artenschutz an Gebäuden" unter