Bayerisches Fernsehen - Unser Land

Anti-Wühlmaus-Polizei Schweine in der Obstplantage

Hollerbüsche und Obstbäume - ein Paradies für Wühlmäuse. Doch Familie Perger am Ammersee hat außergewöhnliche Hilfe bei der Wühlmausjagd. Knapp 100 Schweine in den Plantagen der Bio-Obstbauern vergraulen die Nager und lockern den Boden.

Autor: Cornelia Benne Stand: 23.02.2012
Obstschweine | Bild: BR

Auf den 50 Hektar Obstplantage von Johannes von Perger tut sich auch im Winter was: Zwischen seinen Apfelbäumen, Holunder- und Johannisbeersträuchern sorgen das ganze Jahr knapp 100 Schweine der alten Haustierrassen "Duroc", "Schwäbisch Hällische" und "Bunte Bentheimer" für Ordnung.

Natürliche Wühlmausbekämpfung

Der Obstbauer aus Breitbrunn im Landkreis Starnberg ist in der Schädlingsbekämpfung einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Allen Warnungen zum Trotz, dass ihm Schweine die Bäume kaputt machen würden, hat er sie als Wühlmauspolizei eingestellt. Und tatsächlich: Die Schweine haben die Wühlmausprobleme, die Familie Perger hatte, in den Griff bekommen. Wer erwischt wird, wird gefressen. Vor allem aber zerstören die Schweine durch das Wühlen immer wieder die unterirdischen Gänge, so dass die Nager schließlich freiwillig das Weite suchen.

Gute Bodenpflege

Die Tiere halten nicht nur die Wühlmäuse fern, sondern lockern und düngen auch den Boden. Dabei sind die alten Landrassen genügsam. Jeden Mittag bekommen sie Molke und Getreideschrot, dazu auch Grascops und die ausgepressten Äpfel aus der Kelterei. Gut vier bis sechs Wochen bleiben die Schweine auf einer Plantage, dann ziehen sie samt ihren Hütten und Futtertrögen in den nächsten Obstgarten um. Den Obstbäumen und Sträuchern schaden die Schweine nicht, solange sie genug neue Wühlflächen bekommen. Und die Gärtner des Betriebs sind nun zwar auch für die Schweine verantwortlich, dafür haben sie aber weniger Arbeit mit dem Unkrautjäten.

Geschlossener Kreislauf

Doch nicht nur in Punkto Schädlingsbekämpfung, auch sonst wollen Pergers so ökologisch wie möglich wirtschaften: In der betriebseigenen Kelterei mit Abfüllanlage soll die Wärme, die beim Pasteurisieren entsteht, künftig in einem sogenannten "Rückkühler" genutzt werden. Das würde gut 30 Prozent Energie sparen. Um die Maschine zu finanzieren, will sich Johannes von Perger aber kein Geld von der Bank leihen, sondern Genussrechte verkaufen. Eine altmodisch-moderne Form des Kreditwesens, die man immer öfter bei Biobetrieben findet. Genussrecht bedeutet: Die Firma bekommt das Geld von einem Privatmann und der erhält die Zinsen entweder in bar oder als Warengutschein für die Säfte und Produkte der Firma. Der Zinssatz liegt bei 4,5 Prozent, hinzu kommen Einkaufsrabatte und Einladungen zu Betriebsbesichtigungen. Und spätestens da schließt sich wieder der Kreis zu den Schweinen: Außer Säften, Sirupen und Limonaden kann man im Hofladen auch geräucherten Speck von den Obstgarten-Schweinen kaufen.