Bergbauern damals Sommer auf der Alm
Wildromantisch mochte der Sommer in den Bergen für die Sommerfrischler aussehen. Doch der Almauftrieb bedeutete frühes Aufstehen, Einsamkeit und Gefahren für Mensch und Tier. Auch sonst war das Leben der Bergbauern hart. Wir erzählen Ihnen, wie es zuging, damals, in den 1950er Jahren.
Auf dem Berg blieb es noch lange so, wie es immer gewesen war. Uralte Höfe stemmten sich - ohne einen einzigen Nagel gezimmert - gegen das raue Klima. Trotzig, gerade so wie die Bewohner.
Der Almauftrieb
Die Wiesen um die Höfe gaben nicht genug her, also musste das Vieh im Frühsommer auf die Alm. Wildromantisch? Für die Hirten hieß das Einsamkeit. Und für die Kühe zwar frische Luft, aber auch eine gefährliche Zeit. Eine Prellung am Bein war da noch ein kleines Übel. 1951 ließen allein in Tirol 150 Kühe auf dem Berg ihr Leben.
Heu machen
Hoch hinaus musste der Bergbauer immer. Das bedeutete nichts anderes, als um drei in der Früh aufstehen, damit man um sieben auf der Hochgebirgswiese war. Der Berg mit seinen langen Wintern verlangte einen enormen Heuvorrat, und gab bloß einen mageren Boden her. Jahr für Jahr wurde jeder Fuß breit von Steinen frei geklaubt: Wenn nur jeder Stein im Acker ein Groschen gewesen wäre und sich Brennnessel hätten verfüttern lassen, wären die Bergbauern wohl reiche Leute gewesen in einem noch unverdorbenen Land.
Die Wiesen kehrte man sogar zusammen, dass 'fei ja koa Graserl' liegen blieb. Ein Fuder Heu gehörte damals zu den Reichtümern. Auch das Sensen war kein Kinderspiel. Auf den Schwung kam es an, und aufpassen musste man, dass man keinen Stein traf, sonst wäre die Schneide dahin gewesen.
Buttern und Brot backen
Überschuss blieb auf den Bergen immer ein Fremdwort. Damit ihr bisserl Milch keinen Stich kriegte, butterten die Bergbauern gleich selbst. Auch das Brot dazu mussten sie selbst backen. Im Venter Tal allerdings bloß alle zwei Monate. Die steinharten Laibe hielten schier ewig, allerdings musste man sie entweder in die Suppe oder in den Kaffee einbrocken.
Der Brotchristl
Da hatten die Brandenberger in Tirol Glück mit ihrem Brotchristl. Tagein, tagaus ging der von Brandenberg seine zweieinhalb Tausend Höhenmeter. Nicht nur mit der zentnerschweren Brotkraxn auf dem Buckel, seine 70 Jahre trug er auch noch mit. Doch "Liaba einfach leben und g'sund sterb'n, ois liderlich leben und krank sterb'n!", fand der Brotchristl.
Gestandene Mannsbilder gab es trotz allem
Mit der Gesundheit war das auf 1.700 Meter Höhe so eine Geschichte. Gemüse und Obst wuchsen hier oben nicht, die einzige Abwechslung waren die Preiselbeeren. 17 Kübel voll machte die Seitnerbäuerin für den Winter ein oder für den Fall, dass auf dem Hof einer krank wurde. Trotzdem: Gestandene Mannsbilder gab es in den Bergen immer.
Die Pläne der EWG
Einige der jungen Leute haben später das bequemere Leben der Städter vorgezogen. Die größte Bedrohung für die Bergbauernkultur aber kam aus Brüssel. Die ‚Studierten' der EWG dachten damals darüber nach, wegen Unrentabilität alle Berghöfe aufzugeben und die Kühe abzuschaffen. Und das wäre - trotz aller Härte auf dem Berg - eine Schande gewesen.

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