Hartnäckig und giftig Probleme mit dem Wasserkreuzkraut
Eine in der Landwirtschaft unerwünschte Pflanze ist auf dem Vormarsch: das Wasserkreuzkraut. Es ist für Kühe und Pferde giftig - und wächst vermehrt auf Viehweiden. Landwirte nehmen den Kampf auf: Ausstechen, Striegeln oder Spritzen - was kann helfen?
Das Wasserkreuzkraut ist eine heimische Pflanze. Sie blüht gelb, wird etwa 40 bis 50 Zentimeter hoch, und verbreitet ihren Samen über die Luft - mit mehr als 100.000 Flugsamen pro Pflanze. Auf Grünlandflächen ist das Wasserkreuzkraut in den letzten Jahren zur Problempflanze geworden, vor allem im Allgäu. Je trockener das Klima, umso mehr kann sich die Pflanze auf kahlen, ausgebrannten Stellen ansiedeln.
Die Problempflanze
Wasserkreuzkraut ist giftig, und zwar von den Blättern bis zur Blüte. Auf der Weide meiden Kühe die Pflanze, doch wenn die Wiese gemäht wird und die giftige Pflanze ins Futterheu gelangt, wird es problematisch: Im Heu beigemischt, fressen Kühe das Kraut mit und vergiften sich langsam aber sicher - mit sogenannten Pyrrolizidin-Alkaloiden. Dabei handelt es sich um ein Lebergift, das sich im Körper akkumuliert und letztendlich zum Tod führt.
Das Kreuz mit dem Wasserkreuzkraut
Am Öschlesee bei Kempten startete das Landratsamt Oberallgäu 2011 Versuche zur Bekämpfung der schädlichen Pflanze. Einer davon ist das Striegeln: Eine Maschine fährt über die Weide, reißt die kleinen Kreuzkraut-Rosetten samt Wurzel aus und transportiert sie ab. Anschließend werden auf der gestriegelten Versuchsfläche wertvolle Wiesenkräuter nachgesät. Das ausgerissene Wasserkreuzkraut muss verbrannt werden, damit es nicht nachreifen und sich weiter vermehren kann.
Bei anderen Unkräutern, wie zum Beispiel der Gemeinen Rispe, ist das Striegeln eine erfolgreiche Maßnahme, die unerwünschte Pflanze zurückzudrängen. Mit Wasserkreuzkraut gab es bislang keine Erfahrungen. Der Versuch brachte im ersten Jahr zufriedenstellende Ergebnisse, allerdings können nicht alle Wasserkreuzkrautpflanzen entfernt werden. Hartnäckige Exemplare müssen per Hand ausgestochen werden. Im darauffolgenden Jahr blühte auf den Versuchsflächen wieder das Wasserkreuzkraut - auch dort, wo gestriegelt wurde! Die Nachsaat hatte auf dieser Fläche Probleme, es war zu feucht. Dem Wasserkreuzkraut hat das nichts ausgemacht, es konnte sich sogar weiter ausbreiten.
Der Versuch soll aber trotzdem noch ein oder zwei Jahre weiter beobachtet werden. Vielleicht wirken sich unterschiedliche Schnittzeitpunkte negativ auf das Wasserkreuzkraut aus, oder eine andere Zusammensetzung der Nachsaat.
Mit Chemie gegen das Kraut?
Positive Erkenntnisse gibt es von den Flächen, auf denen chemisch bekämpft wurde - mit einem speziellen Wirkstoff, der gegen alle bei uns heimischen Kreuzkrautarten wirkt. Aber auch auf diesen Flächen ist wichtig, dass nachgesät wird und dass die Nachsaat gut aufgeht. Die chemische Bekämpfung kommt aber für viele betroffene Flächen im Allgäu gar nicht in Frage. Vor allem Feucht- und Streuwiesen, die wegen ihres großen Artenreichtums Naturschutzflächen sind, dürfen nicht gespritzt werden. Einmal im Jahr werden sie gemäht, um nicht zu verschilfen oder zu verbuschen. Doch das Mähgut, das viel Kreuzkraut enthält, können die Landwirte nicht als Futter oder Einstreu im Stall verwenden.
"Wir wollen vermitteln, dass wir gemeinsam mit den Landwirten solche Tastversuche angehen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Wir müssen dann da und dort die Landwirte noch vertrösten, weil es einfach nach zwei Jahren noch keine ganz eindeutigen Befunde gibt. Aber das Ausstechen, wie es viele bisher schon gemacht haben, das unterstreichen wir doppelt und sagen: Ja - macht das wenigstens weiter, bevor wir nicht etwas Besseres oder Einfacheres finden."
Ulrich M. Sorg, Bayerisches Landesamt für Umwelt, Arten- und Lebensraumschutz
Ausblick
Die Versuche am Öschlesee werden weitergeführt und noch erweitert. Jetzt wird getestet, ob man das Mähgut so kompostieren oder zu Trockenfutter verarbeiten kann, dass das Wasserkreuzkraut seine Giftigkeit verliert. Erste Erkenntnisse dazu erhoffen sich die Versuchsleiter in vier bis fünf Monaten.
Weitere Informationen:
Kreuzkraut: Erkennung bis Bekämpfung

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