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Waldvermessung Per Laserstrahl den Wald verstehen

Wie funktionieren unsere Wälder und wie sollen wir sie in Zeiten des Klimawandels bewirtschaften. Ein Laserscanner, der sehr viel mehr kann als Umfang und Größe der Bäume zu bestimmen, hilft diese Fragen zu beantworten.

Autor: Michael Düchs Stand: 28.10.2011
Laserscanner für Waldvermessung | Bild: BR

Ein Stück Wald in Bayern: Wie viele Bäume und welche Baumarten wachsen hier? Wie dick und wie lang sind sie und wie viel Holz werden sie wohl liefern? Fragen, die sich Waldbesitzer und Forstwissenschaftler schon immer gestellt haben.

Bei der Suche nach Antworten half aber bisher nur eines: Durch den Wald gehen und ihn vermessen. Die Position der Bäume bestimmen, dann ihren Umfang mit einem Umfangmaßband und die Höhe mit einem speziellen Höhenmesser messen. Eine ziemlich mühsame Arbeit für sehr begrenzte Daten.

Schnelle und exakte Messungen

Doch inzwischen gibt es ein Gerät, das zwar etwas unhandlicher ist als Maßband und Höhenmesser, aber dafür um ein Vielfaches effektiver. Ein Laserscanner. Der vermisst bis zu 8.000 Punkte pro Sekunde im Wald, erklärt Dr. Stefan Seifert vom Lehrstuhl für Waldwachstumskunde an der Technischen Universität München-Weihenstephan.

Mit Infrarotstrahlen wird der Wald durchdrungen und schon ein einziger Schwenk liefert ein erstaunlich detailliertes, dreidimensionales Abbild des vermessenen Waldstücks. Für jedes Waldstück werden mehrere Scans gemacht. Für die Forstwissenschaftler eine hervorragende Basis für ihre Forschungen.

Für andere Zwecke konstruiert

Ursprünglich wurde dieser Laserscanner für andere Bereiche entwickelt, zum Beispiel für Vermessungen im Tagebau. Entsprechend robust ist er gebaut. Ein Pluspunkt für die Forscher im Wald, denn auch im Wald kann es durchaus sein, dass man irgendwo anstößt, sagt Stefan Seifert. Auch in anderen rauen Gegenden werden Laserscanner eingesetzt, im Gebirge zum Beispiel. So entstehen detaillierte Karten, die etwa der Bergwacht dabei helfen können, Verunglückte schneller zu finden.

Daten für komplexe Fragestellungen

Am Computer können dann anhand dieser Daten mit speziellen Programmen Bäume erkannt und vermessen werden. Das funktioniert so genau, dass die Forscher weitreichenden Fragestellungen nachgehen können: Zum Beispiel herauszufinden, wie das Zusammenspiel verschiedener Baumarten ist. Wie verhalten sich etwa die Äste einer Buche, wenn die Buche neben einer Fichte steht. Und wie, wenn sie stattdessen neben einer anderen Buche steht. Werden die Äste länger, verändern sich die Astwinkel? Der Laserscanner kann also viel mehr, als die klassische Methode der Waldvermessung zu ersetzen und bequemer zu machen. Vielleicht können die Forscher dank der Daten, die er liefert, sogar irgendwann präzise vorhersagen, wie sich ein Baum oder ein Waldstück in Zukunft entwickeln wird.

Waldvermessung | Bild: BR

Förster oder Waldbesitzer werden zwar noch lange auf Maßband und Höhenmesser zurückgreifen müssen. Der Scanner ist mit mehr als 100.000 Euro schlicht zu teuer für den Einsatz im Alltag. Doch auch, wenn der Wald vor allem im Dienste der Wissenschaft durchleuchtet wird: Profitieren werden davon sicher einmal alle, die mit ihm zu tun haben.

Weitere Informationen

Technische Universität München

Lehrstuhl für Waldwachstumskunde
Hans-Carl-von-Carlowitz-Platz 2, 85354 Freising
Telefon: 0 81 61 / 71-47 11