Stallbeleuchtung Mehr Licht für mehr Leistung
Reinhard Jarschs Milchkühe fühlen sich wohl: Im luftigen Laufstall, in den viel Licht fällt, und auf der sonnigen Terrasse, auf die sie auch im Winter dürfen. Eine ausgeklügelte Stallbeleuchtung steigert zusätzlich die Milchleistung.
Bei Kühen ist es so wie bei uns: Die innere Uhr der Tiere wird vom Licht gesteuert. Über die Netzhaut im Auge und über die Haut nehmen sie es wahr. Fällt genügend Licht ein, wird die Produktion des "Schlaf-Hormons" Melatonin gehemmt: Sie sind leistungsbereit, ihr Immunsystem arbeitet. Ob die Kühe also fressen oder sich doch lieber auf ihre bequemen Strohmatratzen legen, hängt auch davon ab, wie hell es ist.
Kunstlicht tut es auch
Um diese Jahreszeit ist es zwar nur ein paar Stunden am Tag hell, doch wenn es draußen dämmert, gehen bei Reinhard Jarsch im Stall die Lichter an. Hier sorgen sechs Lampen mit 400 Watt-Birnen für ein ungewöhnlich helles Stalllicht. Reinhard Jarsch wollte eigentlich nur gutes Arbeitslicht im Stall, das sich einfach befestigen lässt. Doch seine Halogendampflampen, die ursprünglich in Industriehallen eingesetzt wurden, erzeugen 200 Lux. Und solch hohe Beleuchtungsstärken wirken sich auch auf die Leistung der Kühe aus. Amerikanischen Wissenschaftlern zufolge wachsen Kühe schneller, sind fruchtbarer und geben mehr Milch, wenn sie 16 Stunden am Tag Licht ausgesetzt sind. Reinhard Jarsch kann die positiven Auswirkungen einer guten Stallbeleuchtung bestätigen:
"Die Tiere stehen länger am Trog, öfters am Trog, nehmen mehr Futter auf. Mehr Futter, das heißt mehr Milchleistung. Die Tiere fühlen sich wohler, es ist Ruhe im Stall. Ich hab a super Licht, kann die Tiere beobachten. Ich seh' halt a Mal Veränderungen: Die fängt das Rindern an, die hat irgendwas. Es macht einfach Spaß, bei dieser Lichtqualität im Stall zu arbeiten."
Reinhard Jarsch
Auch wenn die hormonellen Zusammenhänge bis heute nicht ganz geklärt sind: Künstlich verlängerte Lichtphasen im Herbst und Winter sollen die Milchleistung um mindestens fünf Prozent steigern. Das bestätigen die Fleckvieh-Kühe von Familie Jarsch. Vor drei Jahren lag der Stalldurchschnitt pro Kuh und Jahr bei rund 8.000 Liter, heute sind es über 8.700 Liter.
Nicht zu viel des Guten
Den Amerikanischen Wissenschaftlern zufolge funktioniert das leistungssteigernde Lichtmanagement aber nur, wenn den Kühen auch eine Pause vergönnt ist. Rinder, die kurz vor der Geburt stehen und nicht gemolken werden, sollten 16 Stunden Dunkelheit haben und nur acht Stunden dem Licht ausgesetzt werden. Das wirkt sich auf die nächste Laktation aus, mit mehr Milch.
Höhere Stromkosten werden ausgeglichen
Einen Wermutstropfen gibt es für den Landwirt: Die gute Beleuchtung verbraucht erheblich mehr Strom. Um da den Überblick zu behalten, hat sich Reinhard Jarsch einen Zwischenzähler und einen Betriebsstundenzähler einbauen lassen. Die Stromkosten für das Stalllicht betragen pro Kuh und Jahr circa 15 Euro. Doch weil die Tiere mehr Milch geben und auch fruchtbarer sind, rechnet sich das.
Fazit: Helles Licht im Stall scheint den Tieren gut zu tun und rechnet sich. Vorausgesetzt man übertreibt es nicht. Auch Milchkühe brauchen ihren Feierabend!

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