Agrarzahlungen Mehr Geld für viel Arbeit?
In Deutschland werden die EU-Direktzahlungen als reine Flächenprämien ausgezahlt. Das heißt, nicht Produkte wie Kartoffeln oder Milch werden subventioniert, sondern allein die Ackerfläche. Sollte nicht auch der Arbeitsaufwand berücksichtigt werden?
55 Milliarden Euro werden jedes Jahr aus Brüssel an die Landwirte in der EU überwiesen, der größte Teil davon aus der ersten Säule der EU-Subventionen als sogenannte Direktzahlungen für die landwirtschaftliche Produktion.
Große Ackerbaubetriebe bevorzugt
In Deutschland bedeutet das: Für jeden Hektar Ackerfläche, den ein Landwirt bewirtschaftet, bekommt er zirka 300 Euro. Denn bei uns werden die Direktzahlungen ausschließlich nach Hektar berechnet. Das ist leicht verdientes Geld für einen großen Ackerbaubetrieb und schwer verdient, wenn der Landwirt eine kleinere Grundfläche hat, dafür aber Tiere hält - oder auch unterschiedliche Ackerfrüchte anbaut. Denn das macht viel mehr Arbeit. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft fordert daher, dass die Gelder nach dem Arbeitsaufwand verteilt werden. Beispiel: Ein reiner Ackerbaubetrieb mit 500 Hektar Land braucht 185 Arbeitstage um seine Felder zu bestellen und bekommt dafür 150.000 Euro. Demgegenüber hat ein mittelgroßer Milchviehbetrieb mit 50 Milchkühen und 50 Hektar Land 339 Arbeitstage im Jahr. Er bekommt aber nur 15.000 Euro aus Brüssel. Würde man stattdessen jeden Arbeitstag mit 60 Euro honorieren, käme der Ackerbaubetrieb nur mehr auf gute 11.000 Euro. Der Milchviehbetrieb dagegen auf über 20.000 Euro.
Vor- und Nachteile von Prämien für Arbeitsleistung
Auch im bayerischen Landwirtschaftsministerium denkt man darüber nach, ob die Prämien nicht besser nach dem Arbeitsaufwand eines Betriebes ausgerichtet werden sollten. Beim Bayerischen Bauernverband dagegen sieht man diesen Vorschlag sehr skeptisch: Profitieren würden vor allem die EU-Länder, in denen viele Arbeitskräfte in der Landwirtschaft gebunden sind. In Rumänien beispielsweise sind 16 Menschen beschäftigt, um 100 Hektar zu bearbeiten. In Bayern sind es nur etwa vier.
"Es würden vor allem die süd- und osteuropäischen Länder Nutzen daraus ziehen… Wir haben rund zehn Millionen landwirtschaftliche Betriebe mit weniger als fünf Hektar in Europa. Das heißt, wir in Bayern haben eine durchschnittliche Betriebsgröße vom Sechsfachen und dann sieht man sehr schnell, dass bei so einem Verteilungsschlüssel Polen, Rumänien, Bulgarien, oder auch Italien höheren Nutzen ziehen als wir."
Matthias Borst, Bayerischer Bauernverband
Wie soll also das Geld verteilt werden, das aus Brüssel in die Landwirtschaft fließt? Da es sich um Steuergelder handelt, sollten die Landwirte auch eine Leistung für die Gesellschaft erbringen, findet die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Naturschutz zum Beispiel oder die Pflege der Kulturlandschaft. Allerdings gibt es dafür auch jetzt schon Programme, bei denen die Bauern mitmachen können.
Die zweite Säule der Subventionen
Aus der zweiten Säule der EU-Subventionen etwa stammen Zahlungen für den Erhalt des ländlichen Raums, wie die Grünlandprämie oder das Kulturlandschaftsprogramm. Die werden nicht allein von der EU finanziert, sondern von Bund oder Land kofinanziert. Sie gelten als Ausgleich dafür, dass Landwirte in bestimmten Regionen unter schwierigeren Bedingungen wirtschaften müssen oder freiwillig besondere Umweltmaßnahmen erfüllen. Bleibt die Frage, ob eine Prämie für die Arbeitsleistung noch mehr Anreize schaffen würde.
"Durch die Änderung der Prämienzahlungen wünschen wir uns, dass wenigstens der Trend, der eindeutig Richtung industrielle Landwirtschaft geht, dass der nicht noch zusätzlich unterstützt wird."
Josef Schmid, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
Kombiniertes Modell denkbar
Für die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft wäre auch ein kombiniertes Modell vorstellbar, bei dem ein Teil der Prämien für die Flächen, ein anderer für die Arbeitsleistung ausbezahlt wird. Auch der Bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner würde das unterstützen, steht damit allerdings ziemlich allein in Deutschland. Die Landwirtschaftsminister der anderen Bundesländer wollen an den reinen Flächenprämien festhalten, ebenso Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner.
EU-weit keine Prämien für Arbeitsleistung geplant
Bei der EU-Agrarreform, die 2014 in Kraft treten soll, sind vorerst auch keine Prämien für die Arbeitsleistung geplant. Nach dem Vorschlag von Agrarkommissar Dacian Ciolos sollen lediglich große Betriebe, die über 150.000 Euro Flächenprämien erhalten, in Zukunft weniger bekommen. Während es für Angestellte Lohnkostenzuschüsse geben soll. Diese Lohnkostenzuschüsse gelten aber nicht für Familienmitglieder und weil die allermeisten Höfe in Bayern Familienbetriebe sind, werden sie wohl auch weiterhin nur für die Flächen, nicht aber für die geleistete Arbeit Subventionen bekommen.
Weitere Informationen
AbL – Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
"EU-Agrarreform 2013
Bindung der Direktzahlungen an kalkulatorische Arbeitszeiten"
Bayerischer Bauernverband
"Gemeinsame Agrarpolitik
Gut gedacht, schlecht gemacht"

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