Mini-Biogasanlage Effizient fast nur mit Gülle
Biogas-Anlagen werden immer größer und auf den Äckern wächst immer mehr Mais. Dabei lässt sich Biogas nach wie vor aus Gülle gewinnen, mittlerweile auch mit einer relativ kleinen und effizienten "Fertig-Anlage".
Schweinemäster Georg Schmidt wollte für seinen Hof eine kleine Biogas-Anlage. Er hatte aber weder Zeit noch Lust auf eine monatelange Baustelle. Also hat er sich ein fertiges Kraftwerk liefern lassen, komplett beim Hersteller im mittelfränkischen Merkendorf montiert. Nur die Fundamente musste der Bauer aus Krut im Landkreis Eichstätt vorbereiten. Das sparte Zeit und Geld. Die mobile Klein-Biogasanlage war rund 20 Prozent billiger als eine herkömmlich vor Ort gebaute, im März 2011 ging sie in Betrieb.
Unter der 20 Meter langen Blechhülle steckt ein länglicher Gärbehälter mit Rührwerk. Er ist so konstruiert, dass darin Biogasbakterien besonders effizient Gülle zu brennbarem Methan vergären. Daraus entstehen 75 Kilowatt Stromleistung plus Heizwärme für den Schweinestall.
Prinzip Biogasgewinnung
Gülle und Biomasse wie Getreide oder Gras werden in einem Gärbehälter von Bakterien zerlegt. Dabei entsteht als Abfallprodukt Dünger und ein Methan-Kohlendioxid-Gemisch, das Biogas. Das Gas wird in einem Motor, an den ein Generator angeschlossen ist, verbrannt. Dabei entsteht Wärme und Strom.
Stabiles Einkommen, weniger Gestank
Die kleine Anlage fällt kaum auf neben dem großen Stall mit 2.000 Mastschweinen plus 250 Zuchtsauen und Ferkeln. Warum Georg Schmidt trotz des großen Betriebs noch auf Biogas setzt? Pro Schwein verdient der Landwirt bei hohen Getreide- und Futterpreisen nur ein paar Euro. Außerdem schwanken die Schweinepreise ständig. Ganz anders der gesetzlich garantierte Preis für Strom: 20 Jahre lang stabil rund 11.000 Euro monatlich für Strom aus Biomasse. Ein weiterer wichtiger Grund: Die Gülle riecht nicht mehr so intensiv, wenn sie aus der Biogasanlage kommt. Und weniger Geruchsbelästigung beim Güllefahren bedeutet für den Schweinemäster mehr Akzeptanz in der Bevölkerung.
Gülle - und Mais dazu
Ursprünglich wollte Georg Schmidt seine Biogasbakterien auch nur mit Gülle füttern - und nicht wie andere Bauern mit Mais und Getreide. Die Bakterien produzieren aber rund 30 Prozent mehr Methangas, wenn sie neben der Schweinegülle auch Feldfrüchte vergären. Der Landwirt füttert die Anlage jetzt zusätzlich mit Maissilage von 15 Hektar Fläche. Auch mit Getreide hat er experimentiert, doch das ist zu teuer.
Weniger Unkraut durch erhitzten Dünger
Auch der Maisanbau kostet: Energie, Zeit und Agrochemie, doch andererseits wachsen auf dem Acker nun weniger Unkräuter als früher. Er muss also weniger spritzen. Der Grund: Das Gülle-Gärsubstrat, mit dem die Maisäcker gedüngt werden, wurde in der Biogasanlage auf 75 Grad erhitzt. Die Anlage erzielt höhere Gärtemperaturen als größere Biogasanlagen und mindert die Keimfähigkeit von Unkrautsamen.
Hoher Wirkungsgrad, unkomplizierte Wartung
Auch der Gesamtwirkungsgrad von rund 80 Prozent ist deutlich höher als bei den meisten anderen Biogasanlagen dieser Größe. Das liegt vor allem am innovativen Zündstrahlmotor. Er erzeugt effizienter als herkömmliche Gasmotoren Strom. Insgesamt muss sich Georg Schmidt täglich höchstens eine Stunde um sein kleines Kraftwerk kümmern. Bei Problemen hilft der Hersteller per Ferndiagnose. Der Techniker am anderen Ende der Leitung kann online in jeden einzelnen Zylinder blicken und eingreifen.
Schwarze Zahlen
Neben seiner Biogasanlage hat Georg Schmidt noch einen Nachgärbottich gebaut. Damit kann die Methan-Ausbeute noch mal gesteigert werden. Insgesamt rechnet es sich, auch wenn die ganze Anlage am Ende nun doch nicht mehr so klein und einfach betrieben wird, wie ursprünglich geplant war.
"Anfangsschwierigkeiten gab es sicher. Aber das wurde recht gut behoben. Und mittlerweile bin ich auch wirtschaftlich an einem Punkt angelangt, wo ich sage: Es geht schon langsam ins Schwarze über."
Georg Schmidt, Schweinemäster und Biogasanlagen-Betreiber
450.000 Euro hat Schmidt für seine Anlage investiert. Allerdings, heute würde er vielleicht doch ein bisschen größer bauen, denn bei 75 Kilowatt Leistung liegt der Herstellungspreis je Kilowattstunde wirtschaftlich an der Untergrenze.

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