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Legehennen in der EU Trotz Verbots noch Eier aus Käfigbatterien

Was bei uns seit zwei Jahren verboten ist, gilt nun auch für den Rest der EU: Legehennen dürfen nicht mehr in einfachen Käfigen gehalten werden. Zwölf Jahre hatten die Staaten Zeit, sich auf die Umstellung vorzubereiten. Warum haben sie es nicht geschafft?

Autor: Maike Bandmann Stand: 27.01.2012
Hennen in Legebatterie, Aufnahme von 2006 | Bild: picture-alliance/dpa

Karge Käfige aus Drahtgitter, bis zu fünf Tiere eingepfercht auf engstem Raum, keine Auslaufmöglichkeit - das war jahrzehntelang Standard in der Eierproduktion. In Deutschland wurde diese konventionelle Käfighaltung bereits im Januar 2010 abgeschafft.

Haltungsformen in Deutschland

Legehennen leben bei uns mittlerweile überwiegend in Bodenhaltung im Stall, manchmal sogar mit Auslauf ins Freie. Oder aber als Kleingruppe in sogenannten ausgestalteten Käfigen, die Legenester und Bereiche zum Sandbaden enthalten. Auch diese Käfige stehen massiv unter Kritik. Sie lassen jedem einzelnen Tier nur wenig mehr Platz als die bisherigen Käfige, kritisiert etwa der Deutsche Tierschutzbund. Und zu wenig, um Legenester oder eingestreute Bereiche in vollem Umfang nutzen zu können.

In Deutschland meistens Bodenhaltung

Legehennenhalter Michael Häsch aus Dietramszell im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist sogar schon ein paar Jahre früher aktiv geworden: Seine 13.000 Tiere leben in Boden- und Freilandhaltung. Und er ist inzwischen überzeugt, dass der Abschied von der konventionellen Käfighaltung richtig war. Zwar macht es mehr Arbeit und erfordert wesentlich mehr Einsatz, sagt der Legehennenhalter, aber es sei eine schöne Sache, die Hühner draußen herumlaufen zu sehen.

46 Millionen Hennen noch in Legebatterien

Seit dem 1. Januar 2012 darf nun in der ganzen Europäischen Union kein einziges Ei aus konventioneller Käfighaltung mehr verkauft werden. Ein Feiertag für den Tierschutz. Doch nach vier Wochen ist die Bilanz erschütternd: Trotz der langen Vorlaufzeit von zwölf  Jahren haben es die Regierungen von 15 Mitgliedsländern nicht geschafft, die EU-Richtlinie umzusetzen. Darunter auch die Hauptlieferanten für Deutschland: Spanien, Holland, Frankreich und  Polen.

Ein Drittel der polnischen Eierproduzenten hat noch  nicht umgerüstet. Als Grund wird vor allem Geldmangel genannt. Zudem hoffte man bis zuletzt auf einen Aufschub. Die Tierschutzvertreter sind fassungslos. 46 Millionen Hennen sind in der Europäischen Union immer noch in konventionellen Käfigen untergebracht. Schon vor längerer Zeit habe sich abgezeichnet, dass es schwierig würde, die Maßnahmen in der ganzen EU umzusetzen, sagt  Esther Müller von der Akademie für Tierschutz in Neubiberg. Passiert sei aber leider nichts.

Hat die Europäische Kommission geschlafen?

Hat die Europäische Kommission zu wenig Druck ausgeübt? Man habe im Vorfeld nicht mehr tun können, heißt es bei der deutschen Vertretung in Berlin. Jetzt, da das Verbot in Kraft ist, sollen Vertragsverletzungsverfahren gegen die betreffenden Mitgliedsländer eingeleitet werden. Die können bis zu einer Klage beim Europäischen  Gerichtshof führen, sagt Carsten Lietz, Pressesprecher der Europäischen Kommission in Berlin. Nach einer schnellen Lösung hört sich das nicht an. Und bis dahin werden weiterhin illegale Käfigeier produziert.

Betrifft vor allem Eier in verarbeiteten Produkten

Ob diese Eier auch auf dem deutschen Markt landen? Die Kontrolleure der Europäischen Kommission arbeiteten eng mit den Kontrolleuren der Mitgliedsstaaten zusammen und schauten vor Ort, wie die Hühner gehalten werden und was mit den Eiern passiert, sagt dazu Carsten Lietz. Ein Eierhändler aus Polen bestätigt uns, dass dort vermehrt Kontrollen stattfinden.

Dennoch: Die Regierung erlaubt, dass die rechtswidrig  produzierten Käfigeier bis Juli immer noch in der polnischen Industrie verarbeitet werden dürfen. Das verstößt eindeutig gegen EU-Recht. Und kann auch den deutschen Markt betreffen. Während beim Einkauf von Frischeiern der Blick auf den Eierstempel hilft - 0 für Bio, 1 für Freiland, 2 für Bodenhaltung, und DE für Deutschland - müssen verarbeitete Produkte nicht gekennzeichnet werden. Und immerhin kommen bei uns 40 Prozent der verarbeiteten Eier aus dem Ausland, zum Beispiel aus Polen.

Wie sieht es bei uns also mit Kontrollen aus? Das bayerische Umwelt- und Gesundheitsministerium hält die regulären  Lebensmittelkontrollen für ausreichend, plant keine zusätzlichen Maßnahmen. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels verweist auf die Hersteller. Beim Verband der Teigwarenhersteller bekommen wir keine Antwort. Und der Bundesverband der Süßwarenindustrie vertraut auf die zum Beispiel in Polen durchgeführten Kontrollen. Nirgends eine befriedigende Antwort.

Deutsche Legehennenhalter sind verärgert

Legehennenhalter Michael Häsch und seine Kollegen sind sauer. In Deutschland  mussten alle bereits zwei Jahre vor dem EU-Stichtag umstellen, und haben das auch getan. Und jetzt dieses Chaos auf dem Eiermarkt. Betroffen sind allerdings vor allem die Kollegen, die ihre Tiere noch in ausgestalteten Käfigen halten. 15 Prozent der deutschen Legehennen leben in solchen Kleinvolieren: Die bieten etwas mehr Platz pro Huhn als der konventionelle Käfig und sind besser ausgestattet. Allerdings werden diese Eier, die vor allem in Fertigprodukten weiterverarbeitet werden, mit derselben Zahl gekennzeichnet wie die illegalen Käfigeier, mit der 3, und das sorgt im Handel für Verwirrung. Brüssel habe es damals abgelehnt, die Eier aus der Kleingruppenhaltung mit einer 4 zu kennzeichnen, klagt Michael Häsch.

So bleibt es also spannend auf dem Eiermarkt. Doch auch, wenn das EU-weite Käfigeierverbot langsam zur Lachnummer wird - lustig ist das nicht.

Weitere Informationen

Deutscher Tierschutzbund e.V.

Akademie für Tierschutz
Spechtstr. 1, 85579 Neubiberg
Telefon: 089 / 600 291-0
Fax: 089 / 600 291-15

KAT

Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V. (KAT) 
Holbeinstr. 12 , 53175 Bonn 
Telefon: 0228 / 95960-0 
Fax: 0228 / 95960-50