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Bewährtes System Joghurttränke für Kälber

In Norddeutschland ist die Joghurttränke für Kälber gang und gäbe, ebenso in der Schweiz und in Neuseeland. Und auch in Bayern ist Joghurt für Kälber auf dem Vormarsch - denn die Vorteile liegen auf der Hand.

Von: Chris Köhler Stand: 08.02.2013

Der Milchvieh-Betrieb Folger in Gars am Inn hat vor gut fünf Jahren auf "Vollweide mit Blockabkalbung" umgestellt. Das heißt: 90 Prozent der Kälber kommen von November bis Januar "en bloc" auf die Welt und das Vieh ist im Frühjahr und Herbst länger als üblich draußen.

Eine Mahlzeit für 30 Kälber

Petra Folger unterwegs im Stall.

Von April bis Ende Oktober stehen das Jungvieh und die Milchkühe der Folgers auf der Weide. Jetzt, in den Wintermonaten, sind sie im geräumigen Außenklima-Laufstall. Und da wartet auf Petra und Thomas Folger jede Menge Arbeit: Denn über 30 Kälber wollen alle zur selben Zeit gefüttert werden.

Zeitraubend und mühsam

30 Kälber wollen gefüttert werden.

Früher musste Petra Folger dafür zweimal täglich frisch gemolkene Milch auf mehr als 39 Grad Celsius erhitzen - ein zeitraubendes Geschäft. Nach dem Tränken mussten zudem alle Kübel akribisch gereinigt werden. Seit einigen Jahren jedoch setzen die Folgers auf Joghurt.

Joghurt: eine Alternative, die schmeckt

Thomas Folger beim Zubereiten der Tränke.

In den ersten drei Lebenstagen wird Kolostrum gefüttert - also die erste Milch nach dem Kalben. Danach mischt Petra Folger immer mehr Joghurt bei. Nach einer Woche bekommen die Kälber 100-prozentige Joghurttränke. Einer der Vorteile: Das langwierige Warmmachen entfällt, denn die Joghurttränke wird mit Raumtemperatur verfüttert. Mit der Joghurttränke sparen Petra und Thomas Folger pro Tag mindestens eine Stunde Arbeitszeit ein. Allerdings stellt sich die Frage: Schmeckt's den Kälbern überhaupt?

"Die Joghurttränke kommen wirklich super an. Die bekommen das ab dem 4. Tag. Das Fell glänzt, die Verdauung ist toll. Es ist wirklich ein Erfolg!"

Petra Folger, Landwirtin

Durchfall ist kein Thema mehr

So sehen zufriedene Kälber aus!

Auch Ehemann Thomas Folger schwärmt für die Joghurttränke: "Durch die Joghurtkultur und die Bakterien wird die Milch vorverdaut. Das macht die Milch fürs Kalb leicht verträglich und kann kalt verfüttert werden, das Kalb hat damit absolut keine Probleme. Zusätzlich haben wir durch die Joghurtkulturen eine probiotische Wirkung im Darm, die den krankmachenden Keimen das Leben erschwert.“ Mit anderen Worten: Durchfall kommt bei den Kälbern von Familie Folger so gut wie gar nicht mehr vor.

Und so wird die Tränke hergestellt:

1. Schritt

Joghurttränke | Bild: BR

Herstellen lässt sich das Joghurtgetränk  ganz unkompliziert: Auf gut zehn Liter Vollmilch kommen 500 Gramm Naturjoghurt aus dem Supermarkt. Dann heißt es: Gut umrühren und das Gemisch  bei Zimmertemperatur mindestens 15 Stunden ruhen lassen. So wird die Vollmilch zu Joghurt - und zwar außerhalb des Kälbermagens.

2. Schritt

24 Stunden später: Wieder muss gut umgerührt werden. Dann füllt man den Stammjoghurt in einen größeren Vorratsbehälter um. Fahrbar sollte der Behälter auf alle Fälle sein; das erleichtert später das Verteilen.

3. Schritt

Anschließend kommt so viel kuhwarme Vollmilch dazu, wie für die nächste Kälbermahlzeit benötigt wird. Diese Tränke bleibt bis zur Mahlzeit bei zehn Grad stehen. Wichtig: Nach dem Verteilen müssen rund 20 Prozent Joghurtmilch im Fass verbleiben. Damit wird dann wieder kuhwarme Milch für die nächste Mahlzeit vergoren. Der Stammjoghurt hält übrigens mindestens vier Wochen lang.

Tipps

„Zur Zubereitung der abschließenden Tränke kann auch Milch verwendet werden, die nicht verkehrsfähig ist, sprich einen erhöhten Zellgehalt hat. Was nicht verwertet werden kann, ist antibiotikahaltige Milch, denn die würde die Joghurtvergärung hemmen, sodass das umkippen kann. Ansonsten kann man auch Kolostralmilch verwenden, die kann auf Vorrat gelagert und über die Zeit an die Kälber vertränkt werden.“ Siegfried Steinberger von der Landesanstalt für Landwirtschaft und dem Institut für Tierernährung in Grub


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