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EU-Agrarreform Greening - Ciolos' umstrittene Naturschutzpläne

Die Landwirtschaft soll nachhaltiger werden, das jedenfalls sehen die Vorschläge des EU-Agrarkommissars zur Reform 2014 vor. Wir wollten wissen, welche Befürchtungen eine typische Bauernfamilie in Bayern mit Dacian Ciolos' Greening-Vorschlägen verbindet.

Autor: Norbert Haberger Stand: 27.01.2012
Greening | Bild: BR

Der Hof von Familie Schmid in Breitenau bei Dachau ist ein Landwirtschaftsbetrieb wie viele andere in Bayern: 45 Milchkühe stehen im neuen Laufstall, als zweites Standbein haben Schmids letztes Jahr außerdem eine Biogasanlage gebaut.

Für Biogas und Kühe brauchen sie viel Futter, hauptsächlich silierten Mais vom eigenen Acker. Doch das könnte bald ein Problem werden, so die Befürchtung: Um Umwelt- und Naturschutz voranzutreiben, will EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos einen Teil der Direktzahlungen an die Erfüllung bestimmter Auflagen koppeln. Die volle Prämie soll nur der erhalten, der sieben Prozent seiner Äcker und Wiesen als ökologische Ausgleichsflächen ausweisen kann. Dort sollen dann statt Ackerfrüchten Hecken, Feld- und Wiesenraine stehen. "Greening" nennt der Agrarkommissar die Maßnahmen, mit denen die Artenvielfalt gefördert sowie Wasser- und Bodenschutz verbessert werden sollen.

Dacian Ciolos' Greening-Vorschläge

Für jeden Hektar bewirtschaftete Ackerfläche bekommen Landwirte sogenannte Direktzahlungen oder Flächenprämien. In Deutschland sind das mehr als 300 Euro pro Hektar. Die sollen ab 2014 zum Teil an Umweltauflagen gekoppelt sein. 70 Prozent der Flächenprämien bekommen die Landwirte weiterhin ohne Auflagen, 30 Prozent unter folgenden Voraussetzungen:

  • Die Erhaltung von Dauergrünland
  • Eine Fruchtfolge mit mindestens drei Kulturen, wobei jede Kultur mindestens 5 Prozent und  maximal 70 Prozent der förderfähigen Ackerfläche ausmachen muss
  • 7 Prozent der Ackerfläche werden für Naturschutzmaßnahmen aus der Produktion genommen

Steigende Pachtpreise, intensivere Bewirtschaftung befürchtet

Mindestens die sieben Prozent stillgelegte Fläche müssten sie für ihren Betrieb wieder dazupachten, sagen die Schmids: Die Bank wolle ihr Geld und die Kühe brauchten das Futter. Durch die Greeningmaßnahmen würden entsprechend auch Pacht- und Lebensmittelpreise steigen, so ihre Befürchtung.

Welche Flächen stillgelegt werden, bleibt den Landwirten nach Ciolos' Plänen selbst überlassen. Sicher werden erst einmal die nicht so fruchtbaren Äcker wegfallen. Auf den verbleibenden werde dann um so intensiver gewirtschaftet werden, fürchtet Anton Kreitmaier, Dachauer Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, und der Maisanbau werde anteilig noch zunehmen.

"Prozentual würde der Maisanbau dadurch höher und das wollen wir eigentlich alle gemeinsam nicht. Es wäre wesentlich vernünftiger, wenn man Alternativen suchen würde, zum Beispiel Blühstreifen um die Maisfelder, Eiweißversorgung oder es gibt viele Beispiele."

Anton Kreitmair, BBV Kreisobmann Dachau

Bereits bestehende Brachflächen werden angerechnet

Bei sieben Prozent Brachfläche würden in ganz Bayern, so hat der Bayerische Bauernverband ausgerechnet, auf 100.000 Hektar kein Futter, keine Nahrungsmittel und keine Energiepflanzen mehr wachsen. Stattdessen Hecken, Feldraine, Tümpel oder Biotope. Flächen, auf denen nichts geerntet werden darf. Allerdings: In vielen Gegenden gibt es jetzt schon solche Flächen. Deshalb sieht die EU-Kommission im "Greening"  kein  Problem.

"Die meisten Betriebe, davon gehen wir aus, haben bereits ungenutzte Flächen, eben ein kleines Gehölz, ein Tümpel hier, eine Hecke dort, so dass es für diese Betriebe keinen Anpassungsbedarf mehr geben würde. Für andere Betriebe, die weniger als diese sieben Prozent der Fläche unbewirtschaftet haben, die müssten dann in der Tat sehen, welche Flächen nehmen sie aus der Produktion raus, um weiter in den Nutzen der vollen Direktzahlungen zu kommen."

Henning Arp, Sprecher der EU-Kommission, München

Die Vorschläge Ciolos' werden im Augenblick von den Regierungen der einzelnen EU-Länder und vom Europäischen Parlament diskutiert. Da wird es, davon sei sicher auszugehen, noch Veränderungen geben, sagt Dr. Henning Arp, Sprecher der EU-Kommission in München. Doch die EU-Kommission hoffe natürlich, dass der Vorschlag weitgehend erhalten bleibt.

Sau mit Ferkeln auf Stroh | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Agrarbündnis Bayern Die andere Landwirtschaft

Um die Agrarpolitik gerechter und nachhaltiger zu machen, sind Landwirtschafts-, Naturschutz- und Entwicklungshilfeorganisationen ein Bündnis eingegangen. Sie begrüßen die Greening-Vorschläge der EU. [mehr]

Die Schmids dagegen hoffen,  so wie viele Landwirte in Bayern, dass aus diesem Greening-Vorschlag nichts wird und dass ihnen all ihre bisherigen Ackerflächen zur Bewirtschaftung erhalten bleiben. Denn noch wissen sie nicht, wie viele Feldränder und Hecken auf ihrem Grund schon jetzt als ökologische Ausgleichsflächen angerechnet werden würden. Und ob zum Schluss noch genügend fruchtbares Ackerland für Kühe und Biogasanlage übrig bleiben würde.

Weitere Informationen

Bayerischer Bauernverband

Mit einer Pressemitteilung 28.11.2011 zum "flexibleren Greening"

Europäische Kommission

Mit ihrem Entwurf zur EU-Agrarreform