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Rinderausweis Elektronischer Chip statt Ohrmarke

Früher hießen sie Lisa oder Mona, heute haben Kühe Nummern im Ohr, um sich auszuweisen. Doch Ohrmarken lassen sich manipulieren und gehen leicht verloren. Nun sollen die Tiere elektronisch gekennzeichnet werden. Nicht ganz einfach.

Autor: Gertrud Helm Stand: 03.02.2012
Klassische Ohrmarke im Ohr eines Kalbes. | Bild: BR

Wenige Tage nach der Geburt ist es soweit: Jedes Kalb wird registriert - und gekennzeichnet. Derzeit noch mit Ohrmarke. Die soll lückenlos Auskunft geben über die Herkunft und den Lebensweg der Tiere, die uns Fleisch oder Milch liefern, und sie hilft bei der Kontrolle von Fördermitteln.

Doch Ohrmarken sind zwar gut zu lesen, aber wirklich sicher sind sie nicht. Sie gehen leicht verloren und die Übertragung der Nummern mit der Hand ist eine Fehlerquelle. Die EU will daher eine elektronische Kennzeichnung mit Chips. Die sind automatisch lesbar und die Nutzung fehlerfrei, weil die Nummern über Schnittstellen am Computer übertragen werden. Bei Schafen, Ziegen und Pferden ist die elektronische Kennzeichnung bereits vorgeschrieben.

Seuchenherde lokalisieren

Hintergrund für das Vorhaben der EU: Tritt eine Seuche auf, lässt sich mit elektronischer Kennzeichnung der Krankheitsherd schneller herausfinden, erklärt Dr. Georg Wendl vom Institut für Landtechnik und Tierhaltung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub.

Gängige Praxis bei Haustieren

Geht diese Katze verloren, kann ihr Halter über den Chip unter der Haut ausfindig gemacht werden.

Gängige Praxis ist die elektronische Kennzeichnung bei Haustieren: Will der Halter seinen Hund oder seine Katze im Haustierregister eintragen lassen, wird dem Tier ein Chip mit einer Identifikationsnummer gespritzt. Die verwächst mit dem Unterhautgewebe und bleibt damit sehr sicher am gewünschten Ort. Geht das Tier verloren, muss nur der Chip ausgelesen werden, und schon ist der Halter ausfindig gemacht.

Bei Nutztieren ist das nicht so leicht

Scanner für Bolus | Bild: BR
Das Auslesen der Daten geht schnell.

Die Erfahrungen aus dem Haustierbereich lassen sich aber nicht einfach übertragen. Ein kleiner Chip im Unterhautgewebe ist für Tiere, die man später essen will, nicht geeignet. Wer will schon einen Chip in der Wurst finden? Deshalb benutzt man für Tiere zur Lebensmittelerzeugung andere Formen der elektronischen Kennzeichnung. Erste Erfahrungen gibt es bei Schafen. So kann der Chip zum Beispiel in einem Bolus, einer kleinen Kapsel, stecken.

Eine Möglichkeit bei Nutztieren: Den Chip in einem Bolus herunterschlucken lassen.

Die muss vom Tier geschluckt werden und bleibt dann lebenslang im Netzmagen liegen, erklärt Albert Steiner vom Institut für Tierzucht von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Grub. Allerdings erfordert das Einbringen des Bolus in den Schlund einige Übung: Damit er tatsächlich sofort heruntergeschluckt und nicht wieder ausgespuckt wird.

Elektronische Kennzeichnung | Bild: BR
Elektronische Ohrmarken sind kleiner als herkömmliche Ohrmarken und gehen nur selten verloren.

Nicht ganz so sicher wie der Bolus, aber wesentlich einfacher anzubringen ist die "elektronische Ohrmarke" mit eingebautem Chip. Elektronische Ohrmarken sind viel kleiner als herkömmliche Ohrmarken und schmiegen sich besser in die Ohrmuschel ein. So werden sie nicht so schnell ausgerissen und gehen deshalb auch selten verloren.

Spezialfall Rind

Mit dem Lesegerät muss man nah ran, das ist bei Schafen kein Problem. Aber bei Bullen?

Doch ob Bolus oder elektronische Ohrmarke: Die Sache hat bei Rindern einen Haken. Die Nummer im Chip sieht man nur mit einem Lesegerät, das zum Beispiel in den Melkroboter eingebaut ist. Muss aber ein einzelnes Tier herausgesucht werden, etwa zur Behandlung, braucht man ein Handlesegerät. Und das funktioniert nur, wenn man nah genug an das Tier herankommt. Nur was macht man, wenn das ein ausgewachsener Mastbulle ist?

Doch ist diese Schwachstelle der Technik erst ausgeräumt, spricht eigentlich alles für den Chip. Auch die Mehrzahl der Bauern fände ihn besser als die herkömmliche Ohrmarke. Und die Kälber? Sie wären ihre Riesenbrummer im Ohr dann endlich los.